Die Ausgangslage von "Das letzte Kommando" ist für die Rebellen denkbar trist. Seit Großadmiral Thrawns Erscheinen hat er der Neuen Republik ganze Systeme entrissen, sich imperialer Geheimwaffen wie der Klonfabrik auf Wayland und des dort auch versteckten Tarnschilds bemächtigt und schließlich sogar die legendäre Katana-Flotte geborgen, womit das Imperium unter seiner brillanten Führung nach langen Rückzugsgefechten erstmals wieder zu neuer Stärke und Einigkeit gelangt ist. Dank der mysteriösen Delta-Quelle besitzt er zudem noch einen Informationsvorsprung und ist seinen Widersachern immer einen entscheidenden Schritt voraus.
Doch das Blatt droht sich nun zu wenden, als eine ganze Reihe von Entwicklungen Gestalt anzunehmen beginnt. Da ist einerseits die ehemalige Hand des Imperators Mara Jade, welche sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort befindet und ein imperiales Kommando zurückschlägt, dass die Solo-Zwillinge entführen will. Obwohl sie den ihr vom Imperator implantierten Befehl Luke Skywalker zu töten weder überwinden kann noch will, ist sie mitunter die größte Hoffnung der Rebellen Thrawns endlosen Klonnachschub ein Ende zu bereiten. Anderenorts beginnt Maras Boss, der einst unumstößlich neutrale Informationshändler Talon Karrde sich für ein Bündnis mit der Neuen Republik zu erwärmen und dazu eine eigene Koalition zu schaffen, doch mit Niles Ferrier hat Thrawn einen Agenten platziert der Karrdes Verbündete schon bald gegen ihn aufhetzen könnte. Dem Großadmiral gelingt zunächst jedoch ein wahrhaft genialer Schachzug als er Coruscant von jeglichem Nachschub abschneidet und somit ohne Verluste außer Gefecht setzt. Sowie Joruus C'Baoth auf Wayland weiß auch Thrawn bestens über die nächsten Schritte seiner Gegner Bescheid, als diese versuchen in die Offensive zu gehen und sich dabei ahnungslos in eine Falle stürzen...
Mit "Das letzte Kommando" hat Timothy Zahn seinen Ruf als einer der besten Autoren im Erweiterten Universum einst zementiert und liest man das Buch weiß man warum. Derart viele Handlungsstränge gekonnt zu verweben, schaffen nicht viele. Etwas von dieser Faszination hat natürlich auch auf den Comic abgefärbt, der aber um es gleich vorweg zu sagen, nur bedingt mit dem geschriebenen Werk Zahns mithalten kann, ist dieses doch noch atmosphärischer weil man weit länger darin abtauchen und sich in den zahlreichen Handlungssträngen und Wendungen verlieren kann.
Zwar sind mit Matthieu Lauffray und Mike Baron Cover-Artist und Autor gegenüber dem Rest der Comicadaption gleich geblieben, doch Zeichner Edvin Biukovic ist nun schon der dritte seiner Zunft der sich an der grafischen Umsetzung der durch Mike Baron adaptierten Thrawn-Trilogie versuchen darf. Biukovics Stil ist wenngleich um eine Anlehnung an seine Vorgänger bemüht, dann doch ein etwas anderer. Klarer und schnörkelloser gezeichnet, erinnert "Das letzte Kommando" doch ein wenig an "Crimson Empire", was man auch als weniger kunstvoll beschreiben könnte.
Dessen ungeachtet fügt die Comic-Adaption der ursprünglichen Thrawn-Trilogie neue Nuancen hinzu und wirkt gut getroffen, besonders was die Darstellung Mara Jades oder Jorus C'Baoths betrifft. Gerade C'Baoth gibt als "Ersatz-Imperator" eine interessante Figur ab, ist er doch wie in "Erben des Imperiums" nahe gelegt eine Art wahnsinnig gewordener Eremit und somit der dunkle Obi-Wan Kenobi. Dem gegenüber steht der geniale Thrawn, der jede Situation zu seinem Vorteil zu nutzen versteht und einen Masterplan verfolgt, der weit über die Strategien seiner Gegner hinaus geht. Zwei Schurken mit zwei sehr unterschiedlichen Zielen, der eine will das Imperium wieder aufbauen und die Neue Republik militärisch vernichten, der andere hängt irrlichternden Träumen eines eigenen (dunklen) Jedi Ordens an und ist durch die Macht zu einer Gedankenkontrolle in der Lage, mit der er Thrawns Operationen taktisch unterstützen und zu glänzenden Erfolgen führen kann. Mara hingegen ist in ihrer Rolle wenn schon dann eine Kreuzung aus Darth Vader und Luke Skywalker, die zu Bekehrende, deren Fähigkeiten und Entscheidungen auf die eine oder andere Weise das Ende besiegeln könnten. Ehemals die rechte Hand des Imperators, nun eine ranghohe Vertreterin der Organisation Talon Karrdes und wider Willen auf Seite der einstigen Feinde gelandet, hängt auf lange Sicht nun alles an ihr.
Ihre Bezeichnung als die Episoden VII-IX hat sich die Thrawn-Trilogie zum guten Teil durch diese dynamische Konstellation auf der "dunklen Seite" verdient. Kommen noch einige geschickt eingebaute Analogien zur klassischen Trilogie hinzu, wie das große Finale in dem eine Rebellenflotte ahnungslos in die Falle des Imperiums gerät, widerwillig heldenhafte Schmuggler gegen das Imperium Stellung beziehen und eine Kommandotruppe die imperiale Geheimbasis infiltriert, in welcher es zu einem Showdown zwischen den Jedi und dem um ihre Bekehrung oder Vernichtung bemühten dunklen Meister und seines Vollstreckers kommt. Dass Han Solo in den Wäldern Waylands zudem einen ähnlichen Mantel trägt wie auf Endor ist da fast schon überflüssig zu erwähnen. Doch bei allen Ähnlichkeiten ist gerade "Das letzte Kommando" trotzdem etwas eigenständiges, das sich durch einen spannungsgeladenen und wendungsreichen Plot auszeichnet.
Thrawns Kampagne und Timothy Zahns Bücher haben das EU in der Ära der Neuen Republik geprägt wie kaum etwas anderes. Gerade am Beispiel des Klonkriegsveterans und Flaggschiffkapitäns Pellaon kann man diese Bedeutung verfolgen. Pellaeons Karriere reicht mittlerweile vom Offizier der Alten Republik (schon damals einer der sich gerne als jemand der alten Schule sah, Clone Wars ' No Prisoners) über einen Vizeadmiral (in Darksaber) bis zum Großadmiral und Obersten Befehlshabers des Restimperiums, für kurze Zeit auch als solcher im Dienste der Galaktischen Allianz. Am Beispiel der Zurückweisung C'Boaths Führungsanspruchs durch Thrawn wird zudem die Bedeutung von Thrawns herausragender Stellung im zerfallenen Imperium deutlich. Wie in ferner Zukunft sein Schüler Pellaeon sieht er sich als über der Politik und Bürokratie stehend, immerhin brauchen die Moffs und ihre Schergen ihn als Garanten für den militärischen Bestand ihrer fragilen Ordnung. Von Mara Jade nicht zu schweigen, die auch in Zahns künftigen Romanen noch eine tragende Rolle spielen dürfte (wenngleich ihre Bedeutung in Wächter der Macht und darüber hinaus am Abnehmen ist).
Vielleicht ist es gerade der Comic der zeigt woran der besondere Reiz der Ära Thrawns liegt, wenn dieser unterworfene Planeten keine Kriegssteuern und Zwangsrekrutierungsmaßnahmen aufzwingt, sondern ihre sozialen wie politischen Systeme unangetastet lässt, um sie widerstandslos imperialem Schutz zu unterwerfen. Fast scheint da schon ein Wohltäter durch, der halt ein straffes Regiment führen würde, doch Thrawns dunklere Seite zerrt Talon Karrde ans Licht, der mit dieser konfrontiert vom neutralen Makler zum gegen das Imperium vereinnahmten Rebellen wird.
Fazit:
Ein episches Finale für die wohl beste Buch- und Comic-Trilogie im gesamten Erweiterten Universum.