So fühlt man sich beim Lesen des hervorragenden vierzehnten Bandes der "Das Erbe der Jedi-Ritter"-Reihe, der eine Wendung im Krieg gegen die Yuuzhan Vong herbeiführt.
Vorbemerkungen zu Autor und Äußerem:
"Wege des Schicksals" ist meines Wissens nach der erste und einzige Roman den Walter Jon Williams dem Star Wars Universum beisteuerte. Dies erscheint umso erstaunlicher wenn man das Buch gelesen hat, weil er schreibt wie ein altarivierter Autor des Star Wars Universums und den tatsächlich arivierten Autoren dieser Reihe in nichts nachsteht.
"Wege des Schicksals" und der Bonusroman - "Ylesia" - knüpfen unmittelbar an die Ereignisse aus Band dreizehn - "Verräter" von Matthew Stover - an und führen zudem mit einiger Verzögerung die Gesamtgeschichte um die galaktische Invasion durch die Yuuzhan Vong fort, die mit der "Rebellen-Duologie" von Aaron Allston endete. Genau wie die Vorgänger zählt dieses Buch zu den fünf besten mir bekannten Büchern der Reihe - mein Wissen beschränkt sich auf die Bände neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn und den abschließenden neunzehnten Band. Mit 667 intensiven Seiten ist es das drittlängste der Reihe. Diesen Umstand vergisst man aber schnell, wenn man sich erst einmal im Strudel der spannenden Geschichte befindet und so kann man das Buch - bei ausreichender Zeit - locker in einer Woche durchlesen. Der Sinn und Zweck der Zweiteilung des Buches bleibt mir allerdings ein Rätsel, weil die Spannung nach dem furiosen Finale so sehr abfällt, das der Bonusroman, der zudem während der Handlung von "Wege des Schicksals" spielt keine alzu große Begeisterung mehr hervorrufen dürfte. Deshalb möchte ich meine Rezension auch zweiteilen:
1."Wege des Schicksals":
Inhalt:
Inhaltlich knüpft das Buch also wie schon gesagt unmittelbar an "Verräter" an - spielt also im Jahre 28 NSY.Dabei lässt sich das Buch in mehrere Handlungsstränge unterteilen, die beim großen Finale letztendlich alle zusammengeführt werden:
Der erste Handlungsstrang behandelt Han und Leia, die sich auf dem Weg nach Bastion, der Hauptwelt der imperialen Restwelten, machen,um dort Verhandlungen zu führen. Nachdem auf ihrem Weg bei einem Scharmützel mit einigen Yuuzhan Vong Jag Fel getroffen haben, erreichen sie Bastion, wo der Oberbefehlshaber der imperialen Restwelten, Gilad Pelaeon, sie empfängt. Leia versucht die imperialen Restwelten davon zu überzeugen, der Neuen Republik im Kampf gegen die Yuuzhan Vong beizustehen. Dies gelingt zwar nicht, allerdings kann sie im Austausch gegen das gesammelte Wissen der Neuen Republik über die Yuuzhan Vong Karten einiger geheimer Hyperraumrouten im Tiefkern erthalten, die später noch von entscheidender Bedeutung sein werden.
Der zweite Handlungsstrang rankt sich rund um Jaina Solo und die von Traest Kre fey befehligte Flottengruppe eins, der sie angehört. Unter dem Kommando von General Keyan Farlander greifen Jaina und ihre Freunde eine Yuuzhan Vong-Flotte bei Obroa-skai an, auf dessen Flagschiff sie den Höchsten Oberlord Shimrra vermuten. Obwohl die Flotte der Yuuzhan Vong zerstört wird, bleibt die Stimmung gemischt, weil im Nachhinein klar wird, dass sich Shimrra gar nicht an Bord eines der Schiife befand. Enttäuscht kehren Jaina und die Flotte nach Kashyyyk zurück, wo Traest Kre fey seine Flottengruppe versammelt hat.
Der dritte und wichtigste Handlungsstrang spielt auf Mon Calamari, wo sich der Senat - oder was davon seit dem Fall von Coruscant übrig geblieben ist - und die restlichen Anführer der Jedi und des Militärs eingefunden haben - Wedge Antilles und Garm Bel Iblis mit ihren Flottengruppen mal ausgenommen. Nun versucht der Senat die Situation wieder in den Griff zu bekommen indem er die Wahl eines neuen Straatschefs angesetzt hat. Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten sind Fyor Rodan, der eher ein Gegner der Jedi ist, und Cal Omas von Alderaan, der ein Unterstützer der Jedi ist. Diese Wahl könnte über das weitere Schicksal der Jedi entscheiden... Währenddessen landen auch Jacen und Vergere auf Mon Calamari, wo sie zunächst einmal vom Geheimdienst verhört werden. In der Folge treffen auch noch Han und Leia und später auch noch Jaina ein.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit der Situation auf Yuuzhan tar - ehemals Coruscant - wo der Höchste Oberlord der Yuuzhan Vong ankommt und die Fehler die während des Feldszuges gegen die Ungläubigen und bei der Weltenformung Yuuzhan tars gemacht wurden aufarbeitet und bestraft. Diese verläuft nämlich äußerst vunbefriedigend, seit Jacen das Welthirn beeinflusst hat.
Kritik:
"Wege des Schicksals" ist einer der intensivsten und am leichtesten zu lesenden Romane der ganzen Reihe. Das Buch ist unheimlich spannend und hat trotz der 550 Seiten keine (kaum) Längen. Dies erreicht der Autor durch die manchmal schwelgende, manchmal sehr ruhige Erzählweise, bei der er mit traumwandlerischer Sicherheit auch die kleinsten Details sorgsam ausgestaltet. Das Buch kan wohl als Wendepunkt der Reihe aufgefasst werden: Endlich reorganisiert sich die Neue Republik - die jetzt Galaktische Föderation Freier Allianzen heißt - und das Finale bei Ebaq 9 wird zur Legende im Krieg gegen die Yuuzhan Vong.
Dabei ist der erste Teil weniger stark actionlastig. Zwischen den vielen lustigen Stellen wird der ein oder andere wohl desöffteren eine leise, fast traurige Melancholie erkennen. Der zweite Teil, in dem sich endlich der Gegenschlag abzeichnet wird dagegen eher von Action dominiert: Insbesondere das große Finale, nach der großartigen Strategie von Admiral Ackbar, der wie einige andere Helden der Rebellion wieder auftaucht, ist ausgezeichnet in Szene gesetzt. Gleiches gilt auch für die Ankunft Shimrras und den gesamten Plot um die Yuuzhan Vong, der wieder einmal von Nom Anor bestimmt wird. Außerdem überzeugt der Autor durch seine einfühlsame, präzise Charakterzeichnung, die einige Personen der Reihe entscheident weiterentwickelt. Auch die Gespräche zwischen Luke und Vergere sind äußerst aufschlussreich.
2."Ylesia":
Inhalt:
Der rund 120-seitige Bonusroman "Ylesia" kann zeitlich zwischen den Kapiteln 21 und 22 von "Wege des Schicksals angesiedelt werden. Er behandelt den Angriff von Traest Kre feys Flottengruppe eins auf Ylesia, die Hauptwelt der Friedensbrigade, an dem auch Jacen und Jaina, sowie weitere Jedi-Ritter - Lowbacca, Kyp Durron u.a. - teilnehmen. Besonderer Anreiz ist hierbei die Gefangennahme ihres Vetters Thrackan Sal-Solo, der erzwungenermaßen der neue Präsident der Friedensbrigade geworden ist.
Kritik:
"Ylesia ist eigentlich Teil der Geschichte um "Wege des Schicksals". Deshalb ist es auch nicht nachvollziehbar, warum der Roman als Zusatz hinten dran gehängt wurde - zu empfehlen ist stattdessen ihn nach Kapitel 21 von "Wege des Schicksals" zu lesen oder ihn sogar ganz wegzulassen. Der Roman an sich ist wegen seiner kurzen Länge kaum als solcher zu bezeichnen und trotz einiger Stärken eher ein Vier-Sterne-Roman - wenn man ihn denn unabhängig von "Wege des Schicksals" sieht.
Gesamtfazit:
"Wege des Schicksals" ist - mit oder ohne "Ylesia" - einer der besten Romane der gesamten Reihe. Er bietet eine spannende Handlung, viele lustige und aufschlussreiche Stellen und reichlich Action. Das Buch kann als Wendepunkt der Reihe gesehen werden und beeinflusst die folgenden Bände nachhaltig. Zusammenfassend ist das Buch also jedem Star Wars Fan - insbesondere natürlich Fans der Reihe - zu empfehlen.