"Rebellenträume" - kein Titel könnte passender sein. Schon der Titel und das damit verbundene Titelbild lassen einen träumen und man fühlt sich in die Zeit der Rebellion zurückversetzt, als man ebenfalls einem scheinbar übermächtigen Gegner gegenüberstand. Viele Charaktere aus dieser Zeit, wie Wedge Antilles, Tycho Celchu oder Corran Horn werden in die Reihe integriert und verstärken diesen Eindruck noch.
Als Altmeister des Star Wars Universums gelang es Aaron Allston der Reihe endlich wieder Leben einzuhauchen. Schon nach dem ersten Kapitel, dieses flüssig zu lesenden Romans kribbelt es gewaltig und so gehen die 368 Seiten viel zu schnell vorbei. Clevere, oft mit einem kleinen melancholischen Augenzwinkern zu genießende Dialoge und der weniger abwechslungsreiche, aber nichtsdestotrotz äußerst spannende Plot machen diesen Roman von Allston aus.
Die ebenso spannend wie feinfühlig erzählte Geschichte beginnt mit der Eroberung des Planeten Borleias, die bei vielen wohl Erinnerungen an die fast 20 Jahre zurückliegende Eroberung des Planeten, die den Weg für die Eroberung Coruscants frei machte, hervorrufen wird. Diesmal ist die Lage allerdings einwenig anders: Die versprengten Teile der Flottengruppe drei, die Wedge Antilles befehligt - zu denen auch Schiffe wie die "Rebel Dream" gehören - und die Borleias gegen eine vergleichsweise kleine Streitmacht der Yuuzhan Vong erobert hat, sind durch die Verluste beim vorrangegangenen Fall von Coruscant stark geschwächt. Deshalb erwartet Wedge auch nicht Borleias halten zu können, sondern hat es lediglich erobert um den Flüchtligen von Coruscant, deren Eintreffen er hier erwartet Schutz bieten zu können und die Yuuzhan Vong so lange zu beschäftigen, dass sich die Kräfte der Neuen Republik neu orientiern können.
Kurz nachdem sie den Planeten eingenommen haben, trifft auch der Beirat, deren Vorsitzende Pwoe sich nach Borsk Fey´Lyas Tod eigenmächtig zum Staatschef ernannt hat ein. In einer brilliant geschilderten Besprechung kommt es zum Eklat, als Pwoe Antilles indirekt befiehlt sich für den Rest der Streitkräfte zu opfern. Er verweigert den Befehl und so reist der Beirat wieder ab und die Besetzung wird zu einem eigenständigen Einsatz. Daraufhin beschließt er zusammen mit einigen anderen eine neue Wiederstandsbewegung, eine neue Rebellenallianz, zu gründen, weil er die Neue Republik genau wie Leia für Tod erklärt hat.
In der Folge treffen immer mehr Flüchtlinge ein, unter ihnen auch viele wichtige Personen wie Iella Wessiri Antilles, Wedge´s Frau, Han und Leia die an Bord des Falken zusammen mit der Lusankya, einem Supersternenzerstörer, direkt in die Reserveflotte der Yuuzhan Vong, die inzwischen Borleias angreifen springt und diese zerstört und schließlich auch noch Jaina, Kyp Durron und Jag Fel. Während sich nun also ein Großteil der wichtigen Personen auf Borleias befindet, wird Luke von Visionen einer dunklen Bedrohung, die auf Coruscant lauert geplagt.
Unterdessen plagen den Kriegsmeister der Yuuzhan Vong, Tsavong Lah, ganz andere Sorgen: Die Radank-Klaue, die er sich als Opfer an die Götter hat implantieren lassen zerfrisst sein natürliches Gewebe und wächst nicht richtig an; dies könnte von den Priestern als Zeichen des Unmuts der Götter gedeutet werden. Auch hier beweist Allston sein können, bei der Beschreibung der Intrige die der Kriegsmeister aufdeckt, entwickelt er diesen Charakter wie kein anderer zuvor und beweist abermals sein großes Geschick bei der genialen Darstellung der Kultur und Eigenarten der Yuuzahan Vong.
Während Luke beschließt zusammen mit Danni Quee, Tahiri, seiner Frau Mara und einigen Mitgliedern der "Gespenster" nach Coruscant aufzubrechen, um die dort beobachteten Veränderungen und die dunkle Bedrohung, die dort lauert zu untersuchen und Jaina, Kyp Durron, Jag Fel und die anderen sich auf Borleias auf die kommende Schlacht vorbereiten, entsendet der Kriegsmeister Tsavong Lah seinen Vater, dem er einst den Posten abgenommen hatte, mit einer beträchtlichen Streitmacht, um die Ungläubigen zu vernichten...
Allston schreibt nie pathetisch, dafür mit viel Gefühl für kleine Deatails und immer wieder einigen witzigen Stellen, die die insgesamt eher düstere Stimmung ein wenig aufhellen, ohne ihr aber den ernsthaften Charakter zu nehmen. Dabei entwickelt er diverse Charaktere wie Leia, die den Schmerz über den Tod ihres Sohnes langsam überwindet oder Jaina deren Beziehung zu Jag sich ebenfalls beträchtlich weiterentwickelt, weiter. Auch die Actionsequenzen, die nicht zu kurz kommen und sein Gefühl für technische Beschreibungen sowie seine Vorliebe für X-Flügler deutlich machen, erinnern doch sehr an seine Werke aus der "X-Wing"-Reihe. Zudem spart er nicht mit überwiegend sehr gelungenen Szenenwechseln. Zuletzt sollte noch erwähnt werden, dass das Ende so offen ist, dass man sich - zumindest wenn einem das Buch so gut gefallen hat wie mir - kaum dazu durchringen kann nicht auch gleich den ebenfalls ausgezeichneten zwölften Band "Aufstand der Rebellen" (auch von Allston) zu lesen - was übrigends eine sehr gute Idee ist.
"Rebellenträume" ist einer der fünf besten mir bekannten Star Wars Romane und somit unbedingt jedem Star Wars Fan zu empfehlen (ein gewisses Maß an Kenntnis der Reihe sollte man aber schon haben). Dringend rate ich auch dazu sich Band 12 "Aufstand der Rebellen" gleich mit anzuschaffen.