Aus der Amazon.de-Redaktion
Inzwischen ist Anakin neunzehn Jahre alt. Er ist zu einem stattlichen Jedi-Padawan herangewachsen, doch sein Herz ist nicht bei der Sache. In seinen Träumen sieht er noch immer seine Mutter, die er auf Tatooine zurücklassen musste. Da wird ein Anschlag auf Prinzessin Amidala verübt, um eine wichtige Abstimmung im Senat zu beeinflussen. Das Attentat scheitert, und Anakin erhält den Auftrag, Amidala zu beschützen und nicht mehr von ihrer Seite zu weichen. Plötzlich fällt es ihm sehr, sehr schwer, sein Keuschheitsgelübde als Jedi einzuhalten...
Es dürfte keine leichte Sache gewesen sein, aus einem vor allem visuell ausgerichteten Actionfilm einen 350 Seiten langen Roman zu machen, aber Fantasy-Autor R. A. Salvatore schlägt sich wacker. Etwas verwunderlich ist, dass er offensichtlich für ein relativ junges Publikum schreibt, obwohl es zu Angriff der Klonkrieger eine separate Romanfassung für junge Leser gibt. Trotzdem ist das Buch spannend, und es enthält vor allem einige Beschreibungen des Innenlebens der Figuren, die so im Film nicht umsetzbar sind. Entsprechend eignet es sich bestens zum Schüren der Vorfreude auf George Lucas' neues Weltraummärchen; oder als Erinnerungsstück, um die beeindruckendsten Szenen des Films noch einmal zu erleben. Popcorn nicht vergessen! --Felix Darwin
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Star Wars Episode 2. Angriff der Klonkrieger von R. A. Salvatore, Regina Winter. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
An diesem besonderen Abend.
Ihr Sohn Anakin, ihr lieber kleiner Annie, wurde an diesem Abend zwanzig Jahre alt - ein Geburtstag, den Shmi in keinem Jahr vergaß, obwohl sie ihren geliebten Sohn seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wie anders er jetzt sein musste! Wie groß, wie stark, was für ein weiser Jedi! Shmi, die ihr ganzes Leben in dieser abgelegenen Region des trostlosen Tatooine verbracht hatte, wusste, dass sie sich die Wunder kaum vorstellen konnte, die ihr Junge da draußen in der Galaxis wohl sehen würde, auf Planeten, die so ganz anders waren als dieser hier, mit viel lebendigeren Farben und Wasser, das ganze Täler füllte.
Ein sehnsuchtsvolles Lächeln breitete sich auf ihrem immer noch schönen Gesicht aus, während sie sich an die Tage vor so langer Zeit erinnerte, als sie und ihr Sohn Sklaven des elenden Watto gewesen waren. Annie mit seiner Schalkhaftigkeit und seinen Träumen, seiner Unabhängigkeit und seinem unübertrefflichen Mut hatte den toydarianischen Schrotthändler immer schrecklich geärgert. Aber trotz der vielen Nachteile des Sklavendaseins hatten sie damals auch gute Zeiten erlebt. Sie hatten nie genug zu essen gehabt, nie genug andere Dinge, sie waren beinahe ununterbrochen von Watto herumkommandiert_ und schikaniert worden, aber Shmi war mit Annie zusammen gewesen, ihrem geliebten Sohn.
"Komm lieber rein", erklang eine leise Stimme hinter ihr.
Shmis Lächeln wurde noch liebevoller, und sie drehte sich zu ihrem Stiefsohn Owen Lars um, der nun auf sie zukam. Owen war ein kräftiger, untersetzter junger Mann in Anakins Alter, mit kurzem braunem Haar, ein paar Bartstoppeln und einem breiten Gesicht, dem immer deutlich anzusehen war, was sich gerade in seinem Herzen abspielte.
Shmi zauste Owens Haar, als er neben sie trat, und er legte ihr den Arm um die Schultern und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
"Kein Sternenschiff heute Abend, Mom?", fragte Owen liebevoll, denn er wusste, wieso Shmi hier herausgekommen war, warum sie es an stillen Abenden wie diesem so oft tat.
Shmi strich mit dem Handrücken sanft über Owens Wange und lächelte. Sie liebte diesen jungen Mann wie ihren eigenen Sohn, und er war so gut zu ihr gewesen, hatte immer verstanden, dass in ihrem Herzen ein blinder Fleck zurückgeblieben war. Owen hatte Shmis Schmerz wegen Anakin ohne jegliche Eifersucht akzeptiert, und sie hatte bei ihm stets Trost gefunden.
"Nein, heute Abend nicht", erwiderte sie und blickte wieder zum Sternenhimmel auf. "Anakin ist wahrscheinlich damit beschäftigt, die Galaxis zu retten oder Schmuggler und andere Gesetzlose zu jagen. Er muss diese Dinge jetzt tun, das gehört zu seinen Pflichten."
"Dann werde ich von nun an besser schlafen können", erwiderte Owen grinsend.
Shmi hatte ihre Bemerkung nicht ernst gemeint, aber nun begriff sie, dass auch ein wenig Wahrheit darin lag. Anakin war ein besonderes Kind gewesen, ein ungewöhnliches Kind - selbst für einen Jedi, glaubte sie. Anakin hatte immer über den anderen gestanden. Nicht körperlich - körperlich war er, wie Shmi ihn in Erinnerung hatte, einfach ein lächelnder kleiner Junge mit einem neugierigen Ausdruck in den blauen Augen und dunkelblondem Haar. Aber Annie hatte sich bei dem, was er tat, stets ausgezeichnet. Obwohl er damals noch ein Kind gewesen war, hatte er an Podrennen teilgenommen und ein paar der besten Rennfahrer auf Tatooine besiegt. Er war der erste Mensch, der überhaupt je ein Podrennen gewonnen hatte, und das mit neun Jahren! Und ausgerechnet, wie sich Shmi nun lächelnd erinnerte, mit einem Podrenner, den er aus Schrott von Wattos Hinterhof zusammengebaut hatte.
Aber so war Anakin nun einmal - anders als andere Kinder, und sogar anders als andere Erwachsene. Anakin "sah" Dinge, bevor sie geschahen, als wäre er so auf seine Umgebung eingestimmt, dass er sofort instinktiv begriff, wie sich Ereignisse weiterentwickeln würden. Zum Beispiel spürte er oft schon Probleme mit seinem Podrenner, bevor diese Probleme sich wirklich einstellten und eine Katastrophe auslösen konnten. Er hatte seiner Mutter einmal gesagt, dass er die Hindernisse, auf die er mit dem Podrenner zuraste, spüren konnte, noch bevor er sie tatsächlich sah. Es war eben seine besondere Art, und deshalb hatten die beiden Jedi, die nach Tatooine gekommen waren, auch erkannt, wie einzigartig er war, hatten ihn Watto abgekauft und ihn mitgenommen, um sich um ihn zu kümmern und ihn zu unterrichten.
"Ich musste ihn gehen lassen", sagte Shmi leise. "Ich konnte ihn nicht hier behalten, wenn das bedeutete, dass er als Sklave hätte leben müssen."
"Das weiß ich doch", sagte Owen.
"Ich hätte ihn nicht einmal bei mir behalten können, wenn wir keine Sklaven mehr gewesen wären", fuhr sie fort, und dann sah sie Owen an, als wäre sie von ihren eigenen Worten überrascht. "Annie kann der Galaxis so viel geben. Seine Begabung ist zu groß für Tatooine. Er muss dort draußen sein und durch die Galaxis fliegen. Planeten retten. Er war geboren, um Jedi zu werden, geboren, um so vielen so viel zu geben."
"Deshalb werde ich von jetzt an ja besser schlafen", wiederholte Owen, und als Shmi ihn ansah, bemerkte sie, das sein Grinsen noch breiter geworden war.
"Ach, du willst mich nur necken!", sagte sie und versetzte ihrem Stiefsohn einen Klaps auf die Schulter. Owen zuckte einfach nur die Achseln.
Dann wurde Shmi wieder ernst. "Annie wollte gehen", fuhr sie mit ihrer Ansprache fort, die sie Owen schon so oft gehalten hatte, die sie für sich selbst lautlos seit zehn Jahren jede Nacht rezitierte. "Sein Traum war es, Raumfahrer zu werden, jeden Planeten in der ganzen Galaxis zu sehen und große Taten zu vollbringen. Er ist als Sklave geboren, aber nicht dazu geboren, Sklave zu sein. Nein, nicht mein Annie. Nicht mein Annie."
Owen drückte ihre Schulter. "Du hast es ganz richtig gemacht. Wenn ich Anakin wäre, würde ich dir dankbar sein. Ich würde begreifen, dass du getan hast, was für mich das Beste war. Größere Liebe als das gibt es nicht, Mom."
Shmi streichelte ihm noch einmal über die Wange, und es gelang ihr sogar, noch einmal sehnsuchtsvoll zu lächeln.
(...)