Das Buch "Entführung nach Dathomir" ist der mit Abstand schlechteste Star Wars-Roman überhaupt. Wie man irgend etwas an dieser Erzählung gut finden kann, ist mir ein Rätsel. Allein Umschlaggestaltung und Klappentext schrecken schon ab, als Star Wars-Fan kaufte ich das Buch aber natürlich trotzdem und wurde vom Inhalt kein bischen positiv überrascht. Wie das Cover schon nahelegt, handelt es sich bei "Entführung nach Dathomir" um eine Geschichte, die sich am besten mit "Rosamunde Pilcher im Star Wars-Universum" umschreiben läßt.
Der Charakter, der im Buch immer wieder als Han Solo bezeichnet wird, kann mit dem gleichnamigen Schmuggler aus den Filmen nichts zu tun haben. Tatsächlich ist nichts übrig von dem großspurigen und arroganten Schurken, der ein einfaches "Ich liebe dich" nicht über die Lippen bringt. Stattdessen wird Solo als am laufenden Band süßholzraspelnder Romantiker dargestellt, der sich in seiner Angst, Leia an Prinz Isolder (allein dieser NAME!) zu verlieren, sogar bei C3PO ausweint. Spätestens hier sagt sich wohl jeder Fan: Irgendwas ist schiefgelaufen in diesem Buch, und zwar gründlich.
Der Entschluß, Leia dann kurzerhand nach Dathomir zu entführen, paßt da schon eher zu Han - die Story mit dem beim Sabacc-Spiel gewonnenen Planeten gleicht diesen Punkt aber locker wieder aus.
Auf Dathomir angekommen wirds erst richtig klasse: Die Helden werden von machtbegabten, auf 10 m großen Rancors reitenden Hexen entführt und in deren Lager gebracht. Dort wird Han angewiesen, sich vor ein Loch im Boden zu setzen und hineinzustarren. Nach einer Weile kommt ein wurmähnliches Wesen heraus, welches er dann packt und herauszieht, was so etwa anderthalb Stunden dauert, weil das Vieh 250 (!) Meter lang ist. Der Wurm mit dem schönen Namen "Whuffa" wird dann zum Trocknen aufgehängt. Diese Szene fand ich deshalb besonders toll (und symptomatisch für das ganze Machwerk), weil sie rein gar nichts aussagt, vollkommen überflüssig ist (die Story plätschert danach munter weiter, als sei gar nichts geschehen) und vor allem, weil mir bei der Vorstellung, Harrison Ford säße in einem der Filme über eine Stunde lang an einem Erdloch, um für rancorreitende Hexen einen Wurm aus der Erde zu ziehen, die Lachtränen in die Augen schießen.
In der Zwischenzeit sind auch Luke und Isolder auf Dathomir gelandet, um nach Han und Leia zu suchen. Dabei stoßen sie dummerweise auf eine Hexe, die in der Macht noch stärker ist als Darth Vader (schon schmerzt wieder der Bauch vor Lachen). Folglich hat Luke keine Chance und wird durch herumfliegende Steine bewußtlos geschlagen.
Der Leser erfährt im Folgenden mehr über die Hexen. Sie sind machtbegabt, müssen zur Anwendung ihrer Kräfte aber Zaubersprüche aufsagen (Kommentar überflüssig). Sie kämpfen gegen die Nachtschwestern, die quasi den dunklen Jedi entsprechen. Und sie sind matriarchisch organisiert, weshalb Männer wie Han und Luke lediglich als Sklaven angesehen werden, was daran liegt, daß Männer auf Dathomir die Macht nicht beherrschen, die Frauen aber alle. Wolverton kippt damit so ziemlich alles, was bisher über Jedi und die Macht ausgesagt wurde, aber was solls? Überhaupt fragt sich der Star Wars-Kenner längst, warum der Imperator, der ja alle Jedi (und ähnliches) vernichten wollte, die Hexen nicht aufgespürt und vernichtet hat. Wolvertons Antwort ist der Hammer schlechthin: Palpatine hatte ANGST vor den Nachtschwestern! Da kann man sich doch wirklich nur noch an den Kopf fassen. Der Imperator schwächer als irgendwelche Hexen, die die Macht noch nicht einmal verstehen, mit der sie tagtäglich hantieren? Die imperialen Todeststerne nur Schmuckobjekte für die Galaxis? Der Autor scheint es so zu sehen, denn wenn die Raumstationen nicht für diese Zwecke gebaut wurden, für welche dann? Man ballert irgendeinen Planeten weg, um eine Demonstration der Stärke zu geben, seine eigentlichen Gegner läßt man aber ungeschoren? Wirklich gut durchdacht, Mr Wolverton! Der neue Plan des Imperiums in Person des Kriegsherrn Zsinj besteht nun darin, durch ein Satellitennetz jegliches Licht vom Planeten abzuhalten und dadurch alles Leben zu vernichten ("Nachtschleier"). Warum denn einfach, wenns auch kompliziert geht?
Zunächst geht aber natürlich die tolle Story weiter. Die Helden reiten (natürlich auf Rancors) zu einer imperialen Garnison, brechen dort ein und stehlen Ersatzteile für den Falken, damit sie den Planeten wieder verlassen können. Als sie zum Lager der Hexen zurückkehren, ist die finale Schlacht gegen die Nachtschwestern im Gange. Alle kämpfen total heldenhaft für das Gute, auch die Rancors, nur Luke enttäuscht mal wieder: Nachdem er fast im Alleingang (warum fast? Richtig, ein Rancor war auch wieder mit von der Partie, wie haben Sie das nur erraten) einen Sturmtrupp sowie mehrere AT-STs besiegt hat, läßt er sich im Anschluß (zum zweiten Mal) mir nichts, dir nichts von einer Nachtschwester fertigmachen. Er ist sogar schon an der Schwelle des Todes, aber eine Eidechse, ein Busch und ein Stein, die gerade in der Nähe sind, schenken ihm Lebensenergie. Ja, das steht in dem Buch tatsächlich!
Während des weiteren Verlaufs von Lukes Selbstheilung haben die Nachtschwestern ein Abkommen mit Zsinj getroffen, welches ihnen einen Transport vom Planeten zusichert, wenn sie ihm Solo ausliefern. Durch die Drohung, die in der Hand der Nachtschwestern befindlichen Geiseln zu töten, schaffen sie es auch, Han in ihre Gewalt zu bringen. Allerdings gelingt es Luke, der inzwischen wiederhergestellt ist, mit dem Millennium Falken (der auch inzwischen repariert ist), Han zu retten, alle mit einem Transporter fliehenden Hexen zu vernichten, den inzwischen aktivierten "Nachtschleier" auszuschalten und ganz nebenbei noch Zsinjs Flaggschiff, einen Sternzerstörer, zu pulverisieren. Und das alles in etwa 10 Minuten oder, im Buch, 10 Seiten.
Danach ist natürlich alles in Butter. Leia hat ihren Han wieder ganz doll lieb, Isolder ist auch happy, weil er sich praktischerweise in eine der (guten) Hexen verguckt hat, Zsinj ist tot, Hapan schließt sich der Neuen Republik an, und alles ist gut.
Von allen inhaltlichen Mängeln einmal abgesehen, ist das Buch zudem noch erschreckend schlecht übersetzt. Ich sage nur: Commanderin (S. 10) und Rancorin (S. 230). Der Plural von Rancor ist in diesem Buch übrigens Rancor und wird dermaßen oft benutzt (z.T. über acht Mal auf einer Seite), daß es einem spätestens beim dreißigstem Mal nur noch zum Hals raushängt. Und, für mich das Allerschlimmste: Die Passagen, die in bestem Bildzeitungsstil gehalten sind (Reihung von Hauptsätzen ohne jedes Bindewort). Hier einer der Höhepunkte des unfreiwillig komischen Treibens: "Teneniel rieb noch immer die Rancorin ab, und das mächtige Tier drückte sich an sie, genoß ihre Fürsorge" (S. 240). Einfach brilliant.
Fazit: Wie bereits zu Eingang gesagt, ist dieses Buch einfach nur schlecht. Mir kam der Gedanke, daß der Name "Dave Wolverton" vielleicht lediglich ein Deckname für eine weibliche Schundautorin ist, die mal das Star Wars-Universum unsicher machen wollte. Das kann ich natürlich nicht wissen, aber einiges spricht dafür: Zwei matriarchische Völker, ein Prinz der aussieht wie eine Kreuzung aus Ken und He-Man, ein romantisches Gebrabbel von sich gebender Han Solo und machtbegabte attraktive Hexen, die Rancors (ich bleibe beim Plural mit s) als ihre Freunde betrachten und sich mit ihnen unterhalten, schließlich ein Ende wie aus dem Märchenbuch mit einer Hochzeit und jeder Menge Kitsch. Fest steht, wer immer der Autor sein mag: Von Star Wars hat er keine Ahnung und lieferte folglich mit "Entführung nach Dathomir" ein Machwerk ab, über das man nur lachen kann. Und nur Aufgrund dieser unfreiwilligen Komik hat dieses Buch überhaupt einen Stern verdient (und natürlich aufgrund der Tatsache, daß es leider keine schlechtere Bewertung gibt).