Nach zwei Jahren ist in der weit weit entfernten Galaxis wieder so etwas wie Frieden eingekehrt. Zumindest ist die Lage soweit stabil dass die Galaktische Allianz mit der Konföderation und dem Rest-Imperium Wiedervereinigungsverhandlungen aufgenommen hat. Doch jetzt wo alle drei Fraktionen de facto von ehemaligen Imperialen geführt werden erkennt Luke Skywalker dass damit auch gewisse Probleme verbunden sein könnten. Und Admiralin Daala hält als Staatschefin der Galaktischen Allianz nicht länger mit ihrer Aversion gegen die Jedi zurück. Um ein Exempel an den Jedi, den Konföderierten und auch dem Imperium zu statuieren wird Anklage gegen Luke erhoben. Er habe seine Pflichten verletzt, als er Jacen Solos Fall zur dunklen Seite nicht erkannt und rechtzeitig dagegen eingelenkt hatte. Zehn Jahre Exil, fern von Coruscant und dem Jedi-Orden sollen seine Strafe sein, mit einer einzigen Option sich zu rehabilitieren, nämlich wenn er einem Tribunal darlegen kann wie es zu Jacens Fall gekommen ist. Und das ist bereits der Deal den Luke ausgehandelt hat, um etwa Kyp Durron vor einer Auslieferung an die Imperialen wegen Caridas zu verhindern oder gar Jaina Solos Anklage wegen einer Ermordung des Staatschefs Darth Caedus. In der Hoffnung Lukes Exil schon bald beenden zu können, beschließen er und Ben sich auf die Spuren Jacens zu begeben und dessen Reisen zu den Machtnutzergruppen der Galaxis nachzuvollziehen.
Unterdessen schlägt Daala zu. Nachdem Valin Horn einer mysteriösen Geisteskrankheit anheim gefallen ist, die ihn glauben lässt jeder sei durch einen Doppelgänger ersetzt worden, instrumentiert Daala Lukes Verbannung und eine latente Anti-Jedi-Stimmung in der Öffentlichkeit um den Orden an eine kürzere Leine zu nehmen. Regierungsbeobachter für jeden Meister und Jedi-Ritter der sich außerhalb des Tempels bewegt. Wie sich allerdings herausstellt weisen die Gehirnscans Valins eine seltsame Aktivität aus, die mit einer der Machtfähigkeiten Jacens übereinstimmt. Eine Chance für Luke, der in diesem Zusammenhang für den Orden zu ermitteln beginnt. Um Daalas Regierungsbeobachtern aus den Weg zu gehen brechen Han und Leia mit ihrer Enkelin Allana nach Kessel auf, wo Lando um ihre Hilfe gebeten hat...
Nach neun Bänden WÄCHTER DER MACHT soll VERHÄNGNIS DER JEDI-RITTER nun klären warum Jacen Solo der dunklen Seite verfallen ist. Etwas verspätet, denn Jacens lange Zeit unergründliche Motivation die Seiten zu wechseln hat während WÄCHTER schon für viel Unverständnis gesorgt. Mit Ausnahme von Lukes Odyssee und seiner Verbannung bietet VERHÄNGNIS als Reihe zunächst nur more of the same. Aber wenigstens ist es Aaron Allston der den Lesern diese schlechten Nachrichten übermitteln darf und dabei seinen humorvolleren Stil unter Beweis stellt, genauso wie er den einen oder anderen Renegaten aufmarschieren lässt. Was denn die große Bedrohung für die Galaxis sein soll wird in DER AUSGESTOSSNE zunächst nur angedeutet. Anders als in INTRIGEN wo der Bürgerkrieg im Grunde schon ausgebrochen und Jacen vom Weg abgekommen war, man sich das aber hunderte Seiten lang nicht eingestehen wollte, irgendwie versteht man dann wohl auch dass Luke selbst der Anklage wegen Führungsschwäche und Pflichtverletzung in manchen Punkten zustimmen muss.
Irgendwie wird man während der Lektüre von DER AUSGESTOSSENE einfach das Gefühl nicht los, die Galaxis hätte sich nur irgendwie über den Abgrund von SIEG hinweggeschummelt. Das Imperium ist wieder da und darf sogar politische Forderungen stellen, obwohl es nach ENTHÜLLUNGEN zu urteilen eigentlich nie Teil der Galaktischen Allianz war, im Gegensatz zur Konföderation, bei der Wiedervereinigungsgespräche durchaus verständlich sind. Man ahnt schon wohin das ganze führen wird und dazu braucht man noch nicht einmal die LEGACY-Comics gelesen zu haben. So wie LEGACY düster daherkommt, ist VERHÄNGNIS nun chaotisch und unsicher. Die Jedi haben scheinbar jede Unterstützung verloren, Daala ist immer noch die die einst mit einer Flotte von Sternenzerstörern nach Yavin 4 zog um die Jedi-Akademie auszulöschen, der Senat scheint nur noch aus machtlosen Dampfplauderern zu bestehen, das Imperium ringt darum wieder zur Bedrohung aufzusteigen und Jag Fel wälzt tatsächlich Pläne die Jedi dazu einzuladen in seinem Imperium einen zweiten Tempel zu errichten, vor allem da Jaina Solo zur Verbindungsfrau der Jedi zum Imperium ernannt wurde.
Die kurze goldene Ära für Lukes Jedi ist wohl endgültig vorbei, seit man sich schon mit Staatschef Cal Omas zerstritten hat und dieser von Darth Caedus und Cha Niathal abgelöst wurde. Zudem kommt nun zum Tragen dass Luke sich seit jeher als Großmeister des Ordens nicht allzu sehr darum gekümmert hat einen starken Jedi-Rat im Stil der Alten Republik zu etablieren. Seine Freunde bekommen nun daher den farblosen Kenth Hamner als Großmeister vorgesetzt, der Daala wohl schwach genug erscheint, um keinen großen Widerstand zu leisten. Ja das ist auch das Verhängnis der Jedi-Ritter, die Jedi wie Admiralin Daala kümmern sich mehr um ihre PR als das richtige zu tun. Bei den Kampagnen, juristischen Winkelzügen und allgemein der Überdosis Politik seit SIEG fühlt man sich schon schmerzhaft an die reale Welt erinnert. Doch genau diese simple Schwarz-weiß-Malerei in Sachen Politik hat den Star Wars eigenen Flair immer ausgemacht, ebenso wie die Bewunderung für die Jedi. Man kann nur hoffen dass VERHÄNGNIS diese Entwicklungen in neun Bänden korrigiert, denn Jedi-Bashing kennen wir schon aus ERBE DER JEDI-RITTER zur Genüge, ebenso wie die Angst vor einer imperialen Machtergreifung nicht erst in SIEG aufgekommen ist, sondern schon in REBELLION DER VERLORENEN zum Thema wurde.
Dabei wäre DER AUSGESTOSSENE für sich noch ein mittelmäßiger Band, der halt etwas holprig daherkommt. Doch die Erinnerungen an WÄCHTER DER MACHT sind noch zu frisch und die durch die Fortsetzung gewisser Entwicklungen geschürten Zweifel einfach zu groß, um sich ein positiveres Bild dieser neuen Reihe zu machen. Was dem Auftakt schon einmal fehlt ist der Stil von INTRIGEN, das wenigstens in meinen Augen einen genialen Auftakt zu einer bestenfalls mittelmäßigen Reihe bildete. Bleibt also zu hoffen dass ein mittelmäßiger Beginn nun das genau umgekehrte Phänomen zur Folge hat und die Reihe fortschreitend besser wird, um in einem beeindruckenden Finale zu enden.
Fazit:
Kein überragender Beginn für die Fortsetzung von WÄCHTER DER MACHT. Luke verbannt, Jacens Reisen durch die Galaxis nachvollziehend und hoffend dadurch seine Begnadigung erwirken zu können, während junge Jedi einer seltsamen Geisteskrankheit erliegen, die sie zur Gefahr für die Allgemeinheit und die Jedi so zum Ziel einer restriktiveren Politik Daalas werden lässt.