"Darth Maul - Der Schattenjäger" ist gewissermaßen das fehlende Bindeglied zwischen dem Darth Maul-Comic (in welchem der dunkle Lord auf Auftrag seines Meisters die gesamte Führungsriege der Schwarzen Sonne eliminieren muss) und Episode 1 wo er sein spektakuläres Ende findet. Seinen Platz als Episode 0 muss sich der Schattenjäger allerdings mit James Lucenos "Cloak of Deception" teilen, welches direkt als Vorgeschichte zur dunklen Bedrohung erdacht wurde.
Hat man sich die Frage gestellt, warum denn Feiglinge wie die Neimodianer Darth Sidious Pläne einer Blockade Naboos nicht verraten haben, ist "Der Schattenjäger" die Antwort. Ein Mitglied von Nute Gunrays innerem Zirkel hat sich mit höchst bedeutenden Informationen abgesetzt und um das zu verschleiern versuchen die Köpfe der Handelsföderation alles zu unternehmen und beauftragen eine Kopfgeldjägerin, um den Verräter aus dem Weg zu räumen. Doch ein überlegener Ränkeschmied wie Darth Sidious lässt sich von den Neimodianern an der Nase herumführen und hat seinerseits Darth Maul damit beauftragt alle Spuren zu verwischen und Mitwisser schlichtweg auszulöschen.
Dabei gerät Informationsbroker Lorn Pavan zwischen die Fronten und ins Visier des einzig wahren Schattenjägers. Zusammen mit seinem treuen Partner, dem Droiden I-Fünf und zwei Jedi die sich auf seine Seite geschlagen haben, versucht Pavan die Informationen und sich selbst in Sicherheit zu bringen...
Im Grunde ist Michael Reaves Schattenjäger vor allem eine einzigartig spannende Hetzjagd durch die Tiefen Coruscants und lässt sich ohne Weiteres als einer der spannungsgeladensten Star Wars-Romane bezeichnen. Fans der Sith und insbesonders Darth Mauls kommen hier voll auf ihre Kosten, denn der dunkle Lord ist Protagonist und natürlich erhält man hier eine der raren Chancen ihn etwas genauer vorgestellt zu erleben. Wie ein Terminator pflügt Maul durch die unteren Ebenen Coruscants und lässt sich scheinbar durch nichts stoppen, egal was ihm seine Widersacher auch entgegen werfen und somit gibt der Schattenjäger das rastlose Tempo vor, in welchem sich die Handlung bewegt. Speed kills und deshalb sollte man auch in Hinsicht auf Mauls Reputation nicht erwarten, dass allzu viele der Helden seine Jagd überleben dürften. Dank der Ansiedlung im Vorfeld von Episode 1 ist zudem keine besondere Kenntnis des erweiterten Star Wars-Universums nötig und der Zugang jedem interessierten ohne Weiteres möglich.
Wie Autorenkollege Steve Perry mit dem Reaves Jahre später einige gemeinsame Projekte starten sollte, unterscheiden sich Reaves Star Wars-Bücher auf eine subtile Weise von der Masse der Publikationen. So steht bei Perry meist die Verbrecherorganisation der Schwarzen Sonne im Zentrum, während Reaves gerne die an Krav Maga erinnernde Kampfkunst Teräs Käsi in seinen Werken einzubringen versteht, weshalb seine Machtbenutzer im Zweikampf gerne auch auf altbewährtes wie Hände und Füße setzen. Der Schattenjäger unterscheidet sich somit gleich in 2 Dingen von dem was man als "normalen" Star Wars-Roman verstehen mag, einerseits ist der Schurke eine Art wortkarger Terminator der seine Opfer durch die Unterwelt Corsucants jagt, während das Schicksal der Galaxis nur im weitesten Sinne auf dem Spiel steht, prinzipiell aber alle Helden um ihr Leben fürchten müssen, während Jedi wie Sith keine völligen Übermenschen sind und auf Handfertigkeiten vertrauen, die nicht aus "Zaubertricks" bestehen.
Dazu kommt dass Reaves Helden keine leuchtenden Beispiele für Heldentum sind und aus eher rationalen Gründen wie dem Kampf ums eigene nackte Überleben handeln. So ist Lorn Pavan ein relativ verbitterter Mann, der seinen Sohn an die Jedi verloren hat und damit auch gleich noch seinen Job als ziviler Angestellter des Tempels. Und dieser Lorn Pavan muss Seite an Seite mit seinem außergewöhnlichen weil humorvoll veranlagten und nur zu menschlich wirkenden Droiden-Partner I-Fünf die Hilfe eines Jedi-Meisters und seiner Padawan in Anspruch nehmen. Jedi Anwärterin Darsha Assant wiederum ist sogar an ihrer großen Prüfung gescheitert und keine allzu mächtige Gegenspielerin für jemanden wie Darth Maul.
Das Ergebnis der Kombination dieser außergewöhnlichen Elemente ist eine Story die sich wie eine Mischung aus Terminator und Star Wars liest und eigentlich schon weit vom oft beschworenen Geist der klassischen Trilogie entfernt ist. Aber sei's drum, für Fans der Prequels und solche Star Wars-Fans die es mit der "Stil-Echtheit" nicht so genau nehmen ist "Darth Maul - Schattenjäger" spannende Lektüre.
Fazit:
Ein wahrer Pageturner, den man sich als Star Wars-Fan keinesfalls entgehen lassen sollte, denn Darth Maul ist und bleibt der einzig wahre Schattenjäger.