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5.0 von 5 Sternen
Aus der Asche - Darth Vader erhebt sich, 1. August 2005
Murkhana. Die Klonkriege nähern sich ihrem Ende, doch die Heimatwelt des Separatistenführers Passel Argente leistet noch vehementen Widerstand. Um größeres Blutvergießen zu vermeiden beschließen Jedi-Meister Roan Shryne, Meisterin Bol Chatak und ihre Padawan Olee Starstone sich selbst mit einer Schwadron Klonkommandos auf eine gewagte Mission einzulassen. Als Kanzler Palpatine schließlich Befehl 66 ausruft, um den Aufstand der Jedi niederzuschlagen, haben die drei noch Glück im Unglück...
Mit "Dark Lord - The Rise of Darth Vader" vollendet James Luceno jene in "Labyrinth of Evil" begonnene Duologie, die Vor- und Nachfeld von Episode 3 schildert und mit Matthew Stovers Buch zum Film eine separate Trilogie vom Untergang der Republik und des Jedi Ordens ergibt. Fast überflüssig zu erwähnen dass James Luceno ein wahrer Star Wars-Veteran ist, sein Werk versteht und die Verkaufszahlen seiner Romane im Star Wars-Universum wohl Recht geben, dass er zur besten Wahl für ein Werk über die Wochen und Monate nach den Ereignissen von Episode 3 gehört. Dabei stützt sich "Dark Lord" auf eine im Grunde separate Story, die bereits während des Finales der Klonkriege und den Belagerungen im Äußeren Rand ihren Anfang nimmt. Neben den drei Protagonisten, deren Überleben sehr ungewiss ist, kommt eine tragende Rolle allerdings Darth Vader selbst zu, den Luceno einprägsam charakterisiert. Daneben finden sich auch Helden wider Willen, wie Klonkommando Climber, der sich schlichtweg weigerte Befehl 66 auszuführen und seine Entscheidung nicht nur gegenüber dem Klon-Commander sondern auch Darth Vader höchstpersönlich verteidigt.
Wie man es von James Luceno erwarten darf ist "Dark Lord" spannend und dank des wohl überlegt konstruierten Plots sehr wendungsreich, obwohl man sich das ungefähre Ende in verschiedenen Optionen vorstellen kann. Das Hauptaugenmerk Lucenos liegt allerdings darauf, den Kampf der letzten Überlebenden des Jedi-Ordens zu zeigen und wohin er sie schließlich führt, während er auf der zweiten Handlungsebene Darth Vaders Persönlichkeit und die Konsolidierung des Imperiums ins Rampenlicht rückt. Vom dunklen Lord erfahren wir etwa, warum er nicht in der Lage ist Palpatine zu töten und dass er wenige Wochen nach dem Tod Anakin Skywalkers mit seiner neuen Existenzform nicht zu Recht kommt. In beiden Fällen ist es primär sein schwarzer Anzug, der sich durch Sith-Blitze schnell zerstören ließe und somit der Gnade seines Meisters ausgeliefert hat. Um Darth Sidious Nachfolge anzutreten, muss er andere Wege finden, doch Vader fragt sich ob er das überhaupt will und zweifelt an seinem Weg. Seine neuen Beine erzwingen eine neue Gangart, seine mechanischen Arme verlangen einen neuen Kampfstil und seine Maske hindert ihn an einem normalen Leben. Sicher fühlt er sich nur unter den loyalen Klontruppen seiner 501. die ohnehin kein Problem damit haben ihr Leben in einer Rüstung zu verbringen.
Palpatine hingegen überlegt bereits wie er Vader eines Tages ersetzen könnte, denn ein derart geschwächter Schüler könnte auf Dauer seinen Anforderungen nicht genügen. Zugleich muss der Imperator darauf achten sein wenn auch entstelltes Gesicht gegenüber der Öffentlichkeit und dem Senat zu wahren. Keiner darf wissen, dass er Darth Sidious ist und den Krieg inszeniert hat. Noch ist die Scharade vonnöten, denn noch ist der einstige Hoffnungsträger nicht in der Lage die letzten Reste der Republik gefahrllos zu beseitigen. Er hat die Wurzeln einer künftigen Rebellion bereits erkannt und durch die Gründung imperialer Akademien, sowie eines beispiellosen Rüstungsprogramms, das allerdings einem bestimmten Geheimprojekt den Nachschub abdreht, Vorsorge getroffen, um einen möglichen Bürgerkrieg bewältigen zu können.
Was Luceno in "Dark Lord" konkret ausführt ist schlichtweg faszinierend, er nutzt die Kulisse der heraufziehenden Ära der Rebellion und damit der klassischen Trilogie für eine Geschichte die noch sehr stark mit den Prequels verbunden ist. Perfekt vermittelt er dadurch jenen Stil, der schon in den letzten Republic Comics oder den ersten der Dark Times zu sehen war, während seine Jedi jedoch eine andere Entscheidung treffen müssen, als im Oneshot Purge. Einzig eine Wochen-Zeitrechnungen (nach Order 66) wie in den Büchern von Karen Traviss wäre noch interessant gewesen, ist jedoch nur ein minimaler Mangel.
Fazit:
Facettenreich präsentiert James Luceno den Beginn der Dark Times und einen Darth Vader, den man so noch nie zuvor erlebt hat.
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5.0 von 5 Sternen
Darth Vader in der Sinnkrise, 23. April 2011
Darth Vader - ein Name, der 1977 die Kinosäle überall in der Welt erschütterte und der auch heute noch nicht nur unter Star Wars-Fans allgemeine Bekanntheit genießt. Vader ist sicherlich die bekannteste Figur des Star Wars-Universums und mit seinem düsteren Erscheinungsbild, dem schweren Atem und der unglaublichen Grausamkeit gegen Feinde und Verbündete einer der einprägsamsten Bösewichte der Filmgeschichte. Mit der Prequel-Trilogie von Episode 1 bis 3 hat George versucht, die Entstehung des Dunklen Lords darzulegen und wie aus dem kleine, unschuldigen Sklavenjungen Anakin Skywalker schließlich ein Schreckgespenst der Dunklen Seite werden konnte. Am Ende von "Die Rache der Sith" ist dieser Prozess dann abgeschlossen.
Aber ist er das wirklich? Sicherlich wachte Anakin nicht im neu geschaffenen Darth Vader-Anzug auf und war sofort der mächtige, gefürchtete und notorisch grausame Sith, den Fans aus der Alten Trilogie kennen. In all den sich überschlagenden schnell aufeinanderfolgenden Ereignissen in "Die Rache der Sith" hatte er kaum Zeit zum Nachdenken... und diese Zeit gesteht Autor James Luceno ihm jetzt zu und verwandelt in diesem Roman den gebrochenen Jedi wahrlich in den gefürchteten Sith-Lord.
Zur Story: Die Handlung startet noch in den letzten Stunden der Klonkriege auf dem Planet Murkhana, wo die Große Armee der Republik, geführt von den Jedi-Rittern Roan Shryne, Bol Chatak und deren Padawan-Schülerin Olee Starstone, den Heimatplaneten von Passel Argente, einem der Mitglieder des Separatistenrats attackiert. Doch die Order 66 erreicht auch Murkhana und die Klone bereiten einen Hinterhalt auf ihre Anführer vor. Doch sie haben Glück: Eine Gruppe Republic Commandos hinterfragt den Sinn des Befehls und rettet den Jedi das Leben. Es gelingt ihnen auf Murkhana unterzutauchen.
Wenige Wochen später sendet Imperator Palpatine, der nun die Republik in ein Imperium umgestaltet hat und dabei ist, seine Macht zu festigen, seinen neuen Schüler Darth Vader nach Murkhana, um die rebellischen Klonsoldaten für ihren Ungehorsam zu bestrafen. Vader befindet sich in einer tiefen Sinnkrise, denn er leidet unter den Einschränkungen seiner Verletzungen und des Anzugs, den er gezwungen ist zu tragen. Auf Murkhana angekommen, nimmt er jedoch die Spur der flüchtigen Jedi auf... eine Jagd durch die halbe Galaxis beginnt!
James Luceno hat mit "Labyrinth des Bösen" bereits die Vorgeschichte zu "Die Rache der Sith" auf phänomenale Art und Weise erzählt, daher war er sicherlich der richtige Mann, um auch die unmittelbaren Geschehnisse nach "Die Rache der Sith" zu beschreiben und somit zusammen mit Matthew Stovers genialer Filmadaption eine eigene Trilogie zu formen. Und Luceno hat auch hier wieder ganze Arbeit geleistet.
Einen Bösewicht zur Hauptfigur eines Romans zu machen, ist immer eine schwierige Sache, braucht man doch in gewisser Weise eine Hauptfigur mit der man sich identifizieren kann, deren Vorstellungen man in gewisser Weise teilt und mit der man mitfühlt. Bei einem Dunklen Lord der Sith ist das immer so eine Sache und daher greift Luceno hier zu einer Maßnahme, die auch schon sein Kollege Michael Reeves in "Darth Maul - Der Schattenjäger" nutzte: Er konzentriert seine Handlung nicht hauptsächlich auf Vader, sondern entwickelt einige Helden, namentlich Roan Shryne und Olee Starstone, deren Werdegang er mit den Geschehnissen um Darth Vader vernetzt und die mehr dem klassischen Bild des Protagonisten entsprechen. Und so geht es in "Dunkler Lord - Der Aufstieg des Darth Vader" ebenso um Roan Shrynes Entwicklung wie um die des Darth Vader.
Shryne und Starstone sind Luceno auch sehr gut geglückt und bestechen durch ihre Gegensätzlichkeit. Olee Starstone, eine enthusiastische junge Padawan, die darauf drängt, den Jedi-Orden wieder aufzubauen, Überlebende zu finden und den Imperator von seinem Thron zu stürzen. Und Shryne, ein Jedi-Ritter, den die Macht nach dem Tod zweier Padawan-Schüler verlassen zu haben scheint, der sich über seinen Weg als Jedi-Ritter schon vor Order 66 nicht mehr sicher ist und von einem Leben außerhalb des Jedi-Daseins träumt - eine Tür, die ihm durch das Auffinden von Familienmitgliedern aufgestoßen wird. Dabei sind die beiden Figuren keinesfalls Kanonenfutter, das dazu dient, Vader eine Aufgabe im Roman zu geben, sondern eigenständige, gut aufgebaute Charaktere, die wie Vader selbst einen Entwicklungsprozess mitmachen und sich an die neue Situation einer diktatorischen Galaxis ohne existierenden Jedi-Orden anpassen müssen. Dabei ist der Entwicklungsprozess um Roan Shryne meiner Meinung nach ebenso interessant, wie der von Darth Vader.
Um die beiden Helden sammelt sich eine weitere Gruppe von Nebenfiguren, die zwar größtenteils recht flach bleiben, aber dennoch sehr zur Spannung beitragen. Dann anders als in vielen Klonkriegsromanen ist das Schicksal dieser Personen, einschließlich Shryne und Starstone, nicht von Anfang an vorbestimmt, sondern es ist vollkommen offen, was mit ihnen geschieht und ob sie den Roman überleben werden.
Der Hauptfokus liegt allerdings dennoch auf Vader, der sich in einer tiefen Schaffenskrise befindet. Erstmals kann er über seine Taten reflektieren, über den Mord an den Jedi und seiner Frau, über den Fall der Republik und seiner Rolle dahin. Vader schwankt ständig zwischen Selbstrechtfertigung, Bedauern, Selbstzweifeln und tiefer Depression... einst einer der mächtigsten Jedi-Ritter ist er nun in einem Anzug aus Einschränkungen gefangen, das Laufen, Schlafen, Atmen und Kämpfen fällt ihm unglaublich schwer. In einem solchen Zustand ist er zudem nicht in der Lage, die volle Macht der Dunklen Seite zu nutzen. Auch sein Plan, Palpatine zu stürzen und selbst über die Galaxis zu herrschen, ist in weite Ferne gerückt, da Palpatine seinen Anzug mit seinen Sith-Blitzen leicht zerstören kann. Und so ist Darth Vader einen Großteil des Buches am Jammern und am Klagen.
Das ist ein zweischneidiges Schwert - einerseits ist es nur realistisch, das Vader sich in seiner neuen Rolle erst einfinden muss; andererseits ist es ungewohnt, fast verstörend den mächtigen Dunklen Lord hier fast weinerlich zu erleben und mehrmals staunt man beim Lesen, da dies nicht der Vader ist, den man kennt. Aber natürlich muss Luceno hier realistisch bleiben und natürlich ist die Entwicklung Vaders von diesem weinerlichen Krüppel zum mächtigsten Vollstrecker des Imperators genau das, was er in seinem Roman beschreiben will.
Palpatine ist selbstverständlich der Initiator dieser Entwicklung, denn er kann mit einem dermaßen deprimierten und geschwächten Schüler nichts anfangen. Geschickt manipuliert er Vader und seine Jagd auf Shryne und Starstone, um ihn entsprechend zu formen, da er ihn dringend benötigt. Palpatines Macht ist nämlich alles andere als gefestigt: Noch immer muss er Senatoren beschwichtigen, seine Taten rechtfertigen. Dass dies bald anders werden soll, zeigen die großen Aufrüstungsprojekte, die Herstellung unzähliger Sternenzerstörer und Klonkrieger und die Pläne zur Kampfstation mit der Größe eines kleinen Mondes. Gleichzeitig erkennt man auch Palpatines Plan, endlich das Geheimnis ewigen Lebens zu erfahren, um unsterblich zu werden und ewig zu herrschen.
Luceno tut aber nicht nur das - in der Tat passiert so unglaublich viel in seinem Buch, dass man ins Staunen kommt. Man erfährt einiges über die frühen Pläne zur Schaffung der Rebellen-Allianz, die von Mon Mothma vorangetrieben werden, bei Bail Organa aber auf Zögerlichkeit stoßen. Der muss nämlich für Leia sorgen und hat ernsthafte Schwierigkeiten, ihre Existenz vor Darth Vader, unter dessen Maske er Anakin Skywalker weiß, zu verbergen.
Und allgemein wird sehr deutlich aufgezeigt, dass die Zeit des Imperiums eine dunkle Zeit ist: Senatoren werden verhaftet und von der Inneren Sicherheit verhört (Armand Isard hier ein Name, der Fans des Erweiterten Universums sicher ein Begriff ist), Planeten unterjocht und versklavt... der Wandel von der Republik zum Imperium vollzieht sich in allerlei Facetten und Detail. Und neben der Integration von zahlreichen bekannten Figuren aus den Filmen in die Handlung, der Schilderung des psychologischen Werdegangs zweier unterschiedlicher Figuren, der Darstellung eines politischen Wechsels und gewohnter Star Wars-Action hat Luceno sogar noch Zeit, mit dem Kontrast der Klone Salvo und Climber auf Klonindividualität und den Kontrast zwischen unbedingtem Gehorsam und einem selbstdenkenden Geist zu verweisen, wobei klar ist, welche der beiden Eigenschaften im Imperium vorherrschen sollen...
Das actionreiche Ende ist unglaublich episch und würde man gerne auf der Leinwand sehen.
Einziger Manko des Buches: Während Luceno anfangs mit der psychologischen Entwicklung Shrynes und Vaders unglaublich gute Arbeit macht, wird gerade dieser Punkt gegen Ende zu sehr unter den Tisch gekehrt - gerade dann, wenn es meiner Meinung nach wirklich wichtig wäre. Der tatsächliche Punkt, an dem sich quasi der Knoten löst und Vader zu dem wird, was er in "Eine neue Hoffnung" verkörpert, wird nicht hundertprozentig deutlich. Das tut der Brillianz des Werks allerdings nur bedingt einen Abbruch.
Insgesamt also ein unglaublich gutes und lesenswertes Buch und zugleich der Schlüsselroman zu Darth Vader, der seine Entwicklung zum Sith-Lord tatsächlich abschließt. Und am Ende lässt Luceno sogar noch ein bisschen Raum für weitere Bücher, in denen man vielleicht einige der hier eingeführten Figuren wiedersehen wird...
4,5 von 5 Armprothesen.
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