In den drei Jahren zwischen der Veröffentlichung von Episode 2 und 3 waren das Star Wars Merchandising und damit so ziemlich alle Bücher, Spiele und Comics vor allem auf ein Thema konzentriert, die Klonkriege. Mit der Rache der Sith schien dieser Strom versiegt zu sein, die Klonkriege endgültig abgeschlossen und das Interesse der Fans wurde mehr auf die Dark Times nach der Ausrufung des Imperiums gelenkt. 2008 und damit 3 Jahre nach Episode III kehrt Star Wars einmal mehr auf die Leinwand zurück, überraschenderweise mit den Clone Wars. Der Film ist jedoch nur der Pilot für die Serie, welche 2008 auch ihren Weg auf die Fernsehschirme gefunden hat.
Die Klonkriege sind auf ihrem Höhepunkt und Count Dooku schreitet mit seinen Plänen die Republik zu vernichten unaufhaltbar voran. Unbeeindruckt von den Ereignissen in der Galaxis läuft das Leben für den Verbrecherlord Jabba the Hutt wie gewohnt, doch neben seinen Geschäften hat der Hutt einen neugeborenen Sohn, um welchen er sich zu kümmern hat. Doch Rotta wird entführt und in einem Akt der Verzweiflung wendet sich der Hutt an die Jedi. Der Jedi-Rat sieht eine Chance darin, als "Belohnung" für die Rettung des kleinen Rotta Zugang zu den Hyperraumrouten der Hutts zu erhalten und somit einen taktischen Vorteil gegenüber der Konföderation zu erlangen, gleiches strebt jedoch auch Count Dooku an, der die Jedi zugleich in eine Falle locken will. Obi-Wan Kenobi und der frischgebackene Jedi-Ritter Anakin Skywalker sollen diese heikle Mission mit einer Kompanie der 501. Legion übernehmen.
Auf Christophsis sitzen die beiden Jedi mit ihren Truppen allerdings fest. Vom Kontakt mit ihrer Verstärkung abgeschnitten, werden sie und ihre Klonarmee immer weiter zurückgedrängt. Als ein Schiff eintrifft, staunen die beiden nicht schlecht, als diesem die Padawan Ahsoka Tano entsteigt. Nach Anakins Ritterschlag hatte sich Obi-Wan durchaus eine neue Padawan erwartet, aber der Zeitpunkt ist relativ ungünstig gewählt und zusätzliche Truppen wären den republikanischen Streitkräften eindeutig hilfreicher. Ahsoka wurde jedoch nicht Obi-Wan, sondern Anakin zugeteilt, um ihn als seine Schülerin nach Teth zu begleiten, wo Rotta the Hutt gefangen gehalten wird, während Obi-Wan zunächst nach Tatooine aufbrechen und dort mit Jabba über die Hyperraumrouten verhandeln soll...
Band 1 von Clone Wars orientiert sich an der Filmhandlung, die anderen der 5 geplanten Bücher dürften allerdings eher eigenständige Stories darstellen bzw. den Plot der Serie aufgreifen. Neben Karen Traviss ist auch ihre Freundin und Kollegin Karen Miller als Autorin für die Bände 2 und 4 der Reihe engagiert, was einerseits frisches Blut in die Riege der Star Wars-Autoren bringt und anderenseits vielleicht auch Brüche in der Kontinuität und Charakterdarstellung eher verhindert, wenn die Chemie zwischen den beiden tatsächlich stimmt.
Nach Republic Commando und Legacy of the Force kehrt Karen Traviss mit Clone Wars 1 zum Stil ihres ersten RC-Bandes Feindkontakt zurück. Nicht mehr die Familiengeschichten des Omega Squads und Kal Skiratas stehen im Mittelpunkt, sondern vor allem Action, Missionen und Verschwörung. Wie gewohnt profitiert auch Clone Wars 1 von den kurzen Zitaten, die Karen Traviss an den Anfang ihrer Kapitel stellt, ebenso wie von der überragenden Charakterzeichnung. Jetzt wo klar ist, wer Darth Sidious ist und wie die Geschichte Anakin Skywalkers weiter verläuft, darf die Autorin auch Gedanken der verschiedenen Charaktere aufgreifen, vertiefen und dabei das gesamte Expanded Universe einbeziehen, so erinnert ihr Count Dooku weniger an den grausamen arroganten Sith-Schüler, sondern mehr einen verbitterten Mann, der die Fehler der Republik erkannt hat und aus der Überzeugung heraus handelt, ein korruptes System zu bekämpfen, welchem die Jedi unfreflektiert und bereitwillig dienen. Dieser Count Dooku erinnert sich an die Erlebnisse auf Galidraan, wo eine Einsatzgruppe der Jedi die Mandalorianer beinahe vollständig auslöschte, weil der korrupte Gouverneur von der Death Watch dazu angestachelt wurde. Für Dooku ist das der ultimative Beweis für die verbrecherische Seele der Republik, er ist Überzeugungstäter, Idealist und kaum mit jenem Count Dooku zu vergleichen der Quinlan Vos auf die dunkle Seite zog. Genauso erhält man Einblicke in die Denkweise von Anakin Skywalker, des Klon-Captains Rex, Palpatines und sogar Jabba the Hutts.
Die Integration in das Erweiterte Universum ist Karen Traviss für Clone Wars 1 perfekt gelungen, ebenso dem Filmplot eine tiefere Bedeutung und Innenansichten abzugewinnen. Ich bin fast versucht Traviss Leistung mit der Matthew Stovers Buch zu Episode 3 zu vergleichen, denn das Ergebnis ist beeindruckend und eine wahre Freude, weil es durchdacht und unter Ausnutzung aller Möglichkeiten entstanden ist, Fanträume werden wahr. Abgesehen von der idealen Charakterzeichnung profitiert Clone Wars von zahllosen authentischen Actionszenen, die vom persönlichen Background der einstigen Uniformträgerin profitieren. Raffinesse und klug konstruierte Handlungswendungen zeichnen Clone Wars ebenso aus, wie die richtige Dosierung von Emotionen und persönlichen Dialogen. Von nichts zuviel oder zu wenig, Clone Wars liegt in fast jeder Hinsicht genau in der goldenen Mitte, so ist das Buch mit an die 320 Seiten verhältnismäßig kurz, von der Handlung her, aber hätte es genauso gut auf 500 Seiten ausgebaut werden können.
Fazit:
Es ist eine Freude, als Star Wars-Fan auf Bücher wie dieses aus der Feder Karen Traviss zu stoßen. Clone Wars 1 wartet mit Hintergrundinformationen auf, sowie einer idealen Mischung aus gelungener Charakterzeichnung, Action und sogar einer Handlung, die auf der Leinwand eher weniger zur Geltung kommt. Es bleibt zu hoffen, dass auch die kommenden vier Bände der Reihe dieses Niveau halten können und Karen Miller den Anschluss schafft.