Als Agentin Hallena Devis nach JanFathal entsendet wird um eine lokale Rebellengruppe zu infiltrieren, die im Verdacht steht mit den Separatisten zu kooperieren um das herrschende autoritäre Regime zu stürzen, ahnt sie nicht wie weit die Bemühungen der Revolutionäre bereits fortgeschritten sind. Anderenorts ist Hallenas Geliebter Captain Gillad Pellaeon gerade damit beschäftigt die generalüberholte Leveler auf einem Testflug zu überprüfen, als Rex und Ahsoka mit einer handvoll neuer Klon-Rekruten zu ihnen stoßen. Auf Wunsch General Skywalkers soll Rex den Babysitter für Ahsoka spielen und womöglich etwas Disziplin lehren, während er auch versuchen muss die seit Teth schwer angeschlagene Torrent Kompanie wieder aufzubauen. Doch für all das bleibt wenig Zeit als die Separatisten ihren nächsten Zug wagen...
Keine Frage, Karen Traviss verlangt viel von ihren Lesern, denn Protagonisten tummeln sich in Keine Gefangenen wieder einmal nicht wenige, doch der Lohn dafür, falls man den Überblick behält ist eine Story mit mehreren Handlungssträngen und einem Tiefgang den man Clone Wars so wohl kaum zugetraut hat. Wie in ihren Republic Commando Romanen hinterfragt sie in Keine Gefangenen Rolle und Handlungen der Republik. Zudem treten mit dem unkonventionellen Jedi Meister Djinn Altis, sowie dessen prominenterer Schülerin Callista und ihrem Verlobten Geith alternative Machtnutzer in Erscheinung, welche auch die Dogmen des Jedi-Ordens in Frage stellen. Die eigentliche Handlung gerät dabei meist leicht in den Hintergrund und dient genauso wie die Charaktere eher als Kulisse für die Offenlegung der inneren Konflikte.
Stößt man sich wie erwähnt nicht gleich an der Vielzahl an Charakteren die Traviss verwendet muss man ihr zugestehen, dass sie ihr Konzept wohl auch aus entsprechender Erfahrung sehr gut im Griff hat. Natürlich hat diese charakterliche Vielfalt Nachteile, wie mehrere Handlungsstränge die schließlich zwar eng miteinander verwebt sind, auf dem jeweiligen knappen Raum aber nicht alles über die Protagonisten preis geben. Traviss bleibt trotz allem beim wesentlichen und das ist eine Frage die sich seit Beginn der Klonkriege und insbesonders des Comics "Jedi: Mace Windu" (zu finden im ersten Klonkriegssonderband über die Schlacht um Kamino) stellt, welche Rolle sollten die Jedi im Konflikt spielen und inwieweit hat man die ursprünglichen Ideale der demokratischen Ordnung bereits verraten? In einem Eingangs-Zitat und den Gedanken Hallena Devis kommt diese Überzeugung zum Ausdruck, die Rebellen welche sich auf die Seite Nute Gunrays und Count Dookus schlagen sind nicht zwangsläufig die Bösen oder im Unrecht, denn sie kämpfen oft genug für eine gerechte Sache, wie ihre Freiheit von Autokraten wie dem Herrscher JanFathals. Palpatines Kooperation mit diversen Diktatoren, die sich auf die Seite der Republik geschlagen haben korrumpiert das Bild vom Senat als Bastion der Demokratie und bereitet auch Loyalisten einiges an Kopfzerbrechen. Auf der anderen Seite steht ein Jedi Orden der ebenso wie die demokratieliebenden Loyalisten viel zu viele Probleme auf die Zeit nach dem Krieg verschieben und erleben muss, wie sich selbst Meister vom Rang eines Sora Bulq von dieser sich fortwährend korrupter entpuppenden Republik abwenden.
Gerade der Konflikt unter den Jedi bleibt allerdings noch etwas ausgespart und beschränkt sich auf Ahsokas Begegnung mit Jedi Djinn Altis. Altis selbst war, wie wir erfahren mit Qui-Gon Jinn befreundet und seine Sekte wirkt wie geschaffen für einen Anakin Skywalker der mit den Regeln des orthodoxen Jedi-Ordens nichts wirklich anzufangen weiß. Still und eher blaß bleibt Ahsoka zurück, als Padawan und Teenager dessen Gedankenwelt und Überzeugungen durch die alternativen Lehren Meister Altis in Frage gestellt werden, flüchtet sie sich in jahrelang gedrillte Dogmen. Anakin hingegen, der erst später ins Spiel kommt, befasst sich sehr intensiv mit dem Einfluss Qui-Gon Jinns auf sein Leben, dessen Rolle so eine sehr interessante Deutung erfährt. Von Obi-Wan keine Spur, aber das ist auch gut so.
Keine Gefangenen bewegt sich wie für Traviss typisch etwas außerhalb der ausgetretenen Pfade, die wahren Helden heißen somit nicht Anakin, Obi-Wan und Ahsoka, sondern Gillad Pellaeon, Hallena Devis, Djinn Altis, Callista oder auch Qui-Gon Jinn. Ein interessantes Projekt, kennt man Pellaeon ja sonst hauptsächlich nur als rechte Hand Großadmiral Thrawns oder späteren Reichsverweser des Rest-Imperiums. In Keine Gefangenen zeigt Karen Traviss einen republikanischen Marineoffizier, ungefähr Mitte 30, der glaubt etwas altmodisch zu sein und sich durch seine Affären die Beförderung in den Admiralsrang für Jahrzehnte verbaut haben dürfte. Pellaeon kommt damit klar, er steht ohnedies lieber auf der Brücke eines Schiffs anstatt hinter einem Schreibtisch Berichte abzufassen. Wie schon der erste Clone Wars Roman und auch Karen Millers Werk leuchtet die Reihe viel interessanter die Hintergründe der Klonkriege und des Untergangs der Republik aus, als dies in Obi-Wan und die Biodroiden oder auch Pfad der Dunkelheit der Fall ist. Dass Reihe wie Serie aufgrund von Brüchen mit der Kontinuität innerhalb der Klonkriegs-Timeline gelegentlich im Widerspruch zu Romanen und Comics stehen ist etwas worüber man dann gerne hinwegsieht.
Die Charakterisierung der Klone selbst ist ganz Karen Traviss Metier. Seit Republic Commando hat sie sich als Expertin für Mandalorianer und Klone etabliert, was ihre Interpretationen zu den maßgebenden macht. Aus der Sicht Captain Rex präsentiert sie die neuen Rekruten der 501. diesmal als Kinder, unerfahren, unschuldig und somit auch willig ihr Leben im Krieg zu lassen, für den sie schon geschaffen wurden. Diese Frage der Moral ist etwas, das sich wie ein roter Faden durch Traviss Republic Commando-Reihe zieht und nach Clone Wars in Imperial Commando 1 eine neue Facette hinzugewonnen hat, immerhin werden die überlebenden Klon-Kommandos in Vaders 501. aufgenommen. In Zusammenhang mit Imperial und Republic Commando kann man die Clone Wars Bücher als ideale Ergänzung betrachten, die einmal mehr beweisen, dass Karen Traviss für weit mehr steht als mandalorianische Familienabenteuer.
In Wächter der Macht mag Karen Traviss ihren Teil zum bis dato größten Retcon-Projekt des Erweiterten Universums beigetragen und somit auch die unsägliche Verwandlung Jacen Solos zum Sith-Lord und Möchtegern-Diktator mitzuverantworten haben, doch in Clone Wars scheint sie dafür eine Entschädigung anbieten zu wollen. Für mich ist Traviss bisher keine der Autorinnen gewesen, die sich sehr gut auf den Einbau der Macht verstanden haben, doch in Keine Gefangenen schlägt sie neue Töne an. Vorangig behandelt der dritte Clone Wars Roman zwar die unterschiedlichen Weltanschauungen zwischen den orhtodoxen Jedi und den Anhängern Djinn Altis, der auch Nicht-Machtsensitive aufnimmt und sich humanitär betätigt, während er seinen Jedi erlaubt zu lieben und zu heiraten wen sie wollen, doch mit Callista und ihrer einzigartigen Verbindung zur Macht stößt Traviss in Gebiete vor, die zuletzt ein Matthew Stover seinen von Vergere gefangenen Jacen Solo betreten hat lassen. Callistas Talent scheint einzigartig unter den Jedi, sie kann Maschinen in der Macht fühlen, empfindet die elektronische Strahlung an Bord eines Kreuzers als Blut in den Adern eines Organismus und schafft somit durch diese Tatsachen eine neue Definition der vereinenden Macht, die zu verstehen selbst Darth Caedus verwährt blieb.
Keine Gefangenen bezeugt Traviss größte Stärken, die sie gerade in der Legacy-Ära jedoch nicht richtig einbringen konnte, denn nicht die Familiendramen der Fetts und Skiratas könnten die Fans so vom Hocker hauen, wie ihr Talent in der Charakterzeichnung kombiniert mit gesellschaftskritischen, philosophischen und politischen Randnotizen. Hätte sie den Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg oder auch die Klonkriege nicht so sehr als Kulisse für Fetts, Skiratas und die Mandalorianer an sich verwendet, ihre Bücher könnten längst in einem Atemzug mit den Legenden Timothy Zahn, Aaron Allston und Matthew Stover genannt werden.
Fazit:
Nicht so actionüberladen wie die Serie ein fast schon grüblerischer Clone Wars-Roman, der sich sehr kritisch mit der Rolle von Republik und Jedi-Orden auseinandersetzt.