Star Wars Classics 6 enthält Reprints der Marvel US-Comics 48 bis 53 von Star Wars. Diese Geschichten stammen überdeutlich aus einer anderen Zeit, Ende der 70er, Anfang der 80er. Und genau so sehen sie auch aus. Die Zeichnungen erinnern (zumindest mich) an Watchmen. Die Stories haben einen, aus heutiger Sicht, enorm verspielten Stil. Bevor Star Wars zum bis ins kleinste Detail durchorganisierten, riesigen Merchandising-Ding wurde (und bei den Comics mit nahezu wissenschaftlichem Eifer und oft etwas arg bierernst die jeweiligen Abenteuer in die Chronologie eingeordnet werden, statt AD und BC gilt hier immer die Schlacht um Yavin als das Zentrum), gab es diese, ziemlich anarchistische Comic-Reihe.
Prinzessin Leia muss bei einer galaktischen Bank einen Kredit für neue X-Wing aufnehmen. Vorher geht's durch die Zollkontrolle. Und ja! Es gibt sogar einen Sachbearbeiter mit einem Abgelehnt-Stempel! Ich finde das unglaublich! Dieses Abenteuer ist nicht weit entfernt von der knallbunten Batman-Serie aus den 60er Jahren. Sicher ist es schön zu sehen (das der offensichtlich angepeilten, sehr jungen Zielgruppe, sprich Kindern) gezeigt wird, dass sich Konflikte mit Cleverness lösen lassen statt mit Gewalt, aber aus heutiger Sicht ist das sehr skurril. Wem bereits der Film Star Wars: Episode 1 zu kindisch war, der wird sich vor diesem Comic grausen. Dennoch ist es nicht uninteressant, denn der Comic ist ein zeithistorisches Dokument: die Kids waren damals anscheinend weniger verwöhnt und konnten auch mit solch relativ unschuldigen Comics unterhalten werden.
Die Zeichnungen wirken (zumindest auf mich) reichlich hektisch. Das Auge kommt nicht recht zur Ruhe. Beim Durchblättern locken viele schöne Bilder, etwa von Sternenzerstörern und Y-Wings, beim eigentlichen Lesern aber gibt es viele Längen. Die Geschichten wirken extrem konstruiert. Hauptsache man kann irgendwie Han Solo, Luke und die anderen unterbringen.
Ein Pluspunkt dieses Bandes ist es, dass die 50. Jubiläumsausgabe enthalten ist, die mit einer rätselhaften Erkrankung von Luke (die mich an eine Folge von Star Trek TNG erinnert hat) vielversprechend beginnt. Etwas störend empfinde ich die Trennung der einzelnen Kapitel/Hefte. Statt einfach mit dem Cover zu beginnen, kommt erst eine wenig schmückende Seite in Blau und erst danach das Titelbild - wirkt wenig edel. Amüsant wie das Stöbern auf dem Flohmarkt.
Für aufgeschlossene Star Wars Fans, die das Lucas Universum nicht immer so ernst nehmen müssen. Whrrang! Zram! Zram! Fakoom! ;-)
176 Seiten, Softcover, Farbe, Autor: David Michelinie u. a., Zeichner: Walter Simonson, Thomas Palmer u.a., Übersetzung: Justin Aardvark, Lucas Books/Panini 2011