"Der Schatten des dunklen Lords" knüpft genau dort an wo "Das Imperium schlägt zu" den Leser zurückgelassen hat, auf Administrator Simon Greyshades Vergnügungsparadies, dem Rad, das sich jedoch statt eines sicheren Hafens nun als Falle für die Rebellen herausgestellt hat. Während Leia in Gefangenschaft geraten ist, Luke außer Gefecht gesetzt wurde und Han als Gladiator versucht sich und seine Freunde freizukaufen, hat Darth Vader höchstpersönlich die Verfolgung der Rebellen aufgenommen und hegt andere Pläne mit den Gefangenen als der durchtriebene Greyshade...
Nach dem tragischen Ende von Greyshades doppeltem Spiel folgt allerdings eine rückblickend nicht uninteressante Geschichte, über General Obi-Wan Kenobi zu Zeiten der alten Republik. Auf einer gefährlichen Reise an Bord eines Luxuskreuzers geraten dieser und seine Passagiere ins Visier der republikfeindlichen Mersoner...
Danach geht es allerdings schon spannend weiter, wird doch mit der Belagerung von Yavin 4 ein neuer Handlungsbogen um Baron Tagge eröffnet, der versucht Darth Vader höchstpersönlich zu übertrumpfen und den Rebellen einen herben Schlag zu versetzen. Dazu steht ihm eine eigene Privatarmee und das gesamte Arsenal des Familienunternehmens zur Verfügung, ein harter Brocken für die immer noch geschwächten Streitkräfte der Rebellion...
Als neuer Gegenspieler bleibt Tagge den Rebellen erhalten, auch weil nach der Belagerung von Yavin 4 der Cyborg-Söldner Valance seine Rückkehr feiern darf und sich an die Fersen Lukes und Leias heftet. Nach einem kurzen Abenteuer mit Han Solo und Chewbacca, die auf der Flucht vor Jabba in tödliche Gefahr geraten, ist Valance allerdings schon wieder zurück und stellt sich keinem geringeren als Darth Vader...
Den Abschluss des Bandes bildet wiederum eine Geschichte mit Prinzessin Leia die bei einem Versuch mit einer abgelegenen Rebellenzelle in Kontakt zu treten, auf Baron Tagge und seine Männer stößt...
So sah der Krieg der Sterne ursprünglich aus. Stilistisch könnte der Gegensatz zu manch modernen Star Wars Comics kaum größer sein und damit sind nicht einmal die Zeichnungen gemeint, die sich verglichen mit manchen Illustrationen der Star Wars Tales durchaus noch herzeigen lassen. Vielmehr hat man heutzutage auch inhaltlich andere Wege eingeschlagen, weg vom uneigennützigen Heldenmut eines Luke Skywalkers den man in Dark Times oder ganz besonders Legacy arg vermissen wird. Auch der Krieg der Sterne geht mit der Zeit und sucht sich neue Fans wenn er alte damit nicht mehr begeistern kann. Wie auch immer, mit den Classics holt Dino-Panini die guten alten Zeiten wieder zurück und zeigt wie die Marvel Comics 1979 (also erst knapp 2 Jahre nachdem Eine neue Hoffnung in die Kinos kam) die Geschichte des Films fortzuspinnen begannen.
Auch wenn die in Classics 1 und 2 gezeigten Storys schon ziemlich exotisch anmuteten, im nun schon dritten Sammelband sieht das ganze schon mehr nach dem Star Wars aus das wir kennen und nachdem am Ende von Classics 2 das Imperium seine große Rückkehr feiern durfte, ist nun auch Darth Vader wieder mit dabei und wird durch den durchtriebenen Baron Tagge perfekt ergänzt. Eine ziemlich klassische Konstellation, könnte man sagen. Und doch zeigen die Classics auch eine andere Seite dieser "good old times" die man so vielleicht nicht erwartet hätte. Etwa den weit verbreiteten Hass auf Droiden und damit auch Cyborgs (retrospektiv eine Folge der Klonkriege?) oder auch die immense Grausamkeit eines Darth Vader, die selbst hartgesottene Sturmtruppler erschaudern lässt oder die enormen Freiheiten die ein durch seine Beziehungen gut abgesicherter Baron Tagge genießt. Die dunkle Seite bleibt nicht ausgeblendet, nur weil die Strahlkraft der Helden kaum zu übertreffen ist.
Ein für Fans allerdings besonderes Highlight stellt die Kurzgeschichte um Ben Kenobi in der alten Republik dar, vor allem wegen eines gewissen Kuriositätenwerts. Der zwischendrin eröffnete Handlungsbogen um Baron Tagge avanciert jedoch auch zu einem starken Zugpferd des Bandes, das auch für Spannung sorgt und das Finale der Story um das Rad, sowie Valance Rückkehr ideal ergänzt. Kurzum das Star Wars-Feeling ist wieder da. Und damit werden die Comics auch für normale" Fans wieder interessant, die als Sammler nicht unbedingt alle Erscheinungen mitmachen wollen.
Dessen ungeachtet bleiben die Star Wars Marvel Comics ein Kind ihrer Zeit, wenngleich sie es verstehen auf unerwartete Weise zu beeindrucken. Konkreter, 1979 lag "Das Imperium schlägt zurück" noch in einiger Ferne, die Comics nehmen allerdings schon einiges vorweg. Luke kann etwa fühlen dass Vader noch lebt, in einer Vision empfindet er den dunklen Lord gar als Schatten seiner Angst (die Höhle auf Dagobah lässt grüßen).
Und noch eine Besonderheit hat der Band vorzuweisen, denn obwohl hier einzelne Hefte zusammengefasst wurden gibt Prinzessin Leia in ihren Gedankengängen ganz am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, während Anmerkungen der Redaktion (die wohl jüngerer Natur sind) bei gewissen Geschehnissen sehr häufig auf vorangegangene Comics verweisen.
Anmerkung:
Man braucht sich nur die Zahlen ansehen um daraus zu schließen, dass Star Wars schon von Anfang an ein sehr visuell orientiertes Franchise war. Auf das Buch zum Film und Alan Dean Fosters Fortsetzung (falls es zu Das Imperium schlägt zurück erst gar nicht gekommen wäre) kommen dutzende Marvel Comics und verglichen mit den Romanen des Star Wars Universums sind die Comics ganz eindeutig in der Überzahl. Nicht nur weil jeder Handlungsbogen gleich aus mehreren Heften zu bestehen hat, sondern auch weil sich Krieg der Sterne durch Bilder eben noch intensiver, anschaulicher und eben eindrucksvoller vermitteln lässt. Nicht bloß weil sich George Lucas als Amerikaner eben auch an den viel zahlreicheren und höchst aktiven US-Fangemeinden orientiert. So ist es auch kein Wunder dass das Umfeld von Episode 1 schließlich weitgehend durch die Republic Comics aufgearbeitet wurde und sich zu einer Reihe von Klonkriegsromanen eine eindrucksvolle Zahl an sehr facettenreichen Geschichten in Comicform gesellte, die den Schrecken der Klonkriege kongenial darzustellen vermochten, ja sogar einige wertvolle Facetten hinzufügten. Um das Phänomen Star Wars also in vollem Umfang zu ergründen sind die Comics unverzichtbar, besonders wenn man bedenkt, dass die später oft als unkanonisch verworfenen Marvel Comics welche hier erneut zusammengefasst wurden, da die Marvel Comics noch in den auslaufenden 70er-Jahren neben Alan Dean Fosters Roman "Skywalkers Rückkehr" (bzw. ursprünglich "Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker") entstanden sind, ehe es so etwas wie den Kanon der heute gerne beschworen wird überhaupt gab. Ja selbst das Erweiterte Universum als solches existierte noch nicht wirklich. Und somit geben die in den Classics zusammengefassten Comics, welche auch von Dark Horse Nachfolger als Rechteinhaber für Star Wars Comics in der Sammelbandreihe A long time ago veröffentlicht wurden, einen einzigartigen Einblick in die Entstehungszeit des Erweiterten Universums.
Fazit:
Darth Vader ist zurück, ein Handlungsbogen nähert sich seinem turbulenten Finale und ein neuer wird mit der Belagerung Yavin 4 gleich eröffnet - ein actionreicher und sehr spannender Classics-Sammelband, nicht nur für Sammler.