Wer die neuen Filme mit der alten Triologie vergleicht, stellt oft fest, dass Lucas und sein Team inzwischen viel proffessioneller geworden sind. Bessere Tricks, ein glatteres Drehbuch, bessere (und bekanntere) Darsteller, aber leider auch weniger Seele. Jedenfalls ich sehne mich doch immer noch nach dem Feeling der alten Triologie zurück, nach der Anarchie des Han Solo und der kruden Gestaltung des Bösen im Sinne der eindeutigen Rollenverteilung der filmischen Vorbilder aus den 20er und 30er Jahren.
So wie mit den Filmen verhält es sich auch mit diesem Buch und seinem Vorgänger, den Star Wars Chroniken zu den alten drei Filmen. Zur Erklärung: Der Vorgänger ist mittlerweile leider vergriffen. Er stellte zum erstenmal die Entstehungsgeschichten der drei ersten Filme unter Zugriff auf die Archive von Lucas dar. Er war wirklich mit Liebe gemacht und enthielt alles, was man an Informationen über das Star Wars Universum überhaupt zwischen zwei Buchdeckel pressen konnte. Ein Schatz, der inzwischen Sammlerpreise erzielt.
Der Nachfolger greift zumindest das Format und die Gliederung des Vorgängers wieder auf. Was aber als erstes auffällt, ist das Fehlen von spannenden Informationen über die Produktion. Hier hatte der Vorgänger einige wirklich gute Stories über die teilweise absurden Produktionsbedingungen in Ländern fern der Zivilisation von Hollywood, über die Kauzigkeit aller Beteiligten und die Mißgeschicke, die dann doch oft produktive Auswirkungen auf das Endergebnis hatten.
Die Berichte über die Dreharbeiten der neuen Filme haben das einfach nicht zu bieten. Entweder waren die Dreharbeiten hier viel langweiliger (die Beteiligten sind nicht nur proffessioneller, sondern auch älter geworden), oder man verschweigt viel mehr, will vielleicht auch mehr Kontrolle bewahren und sich weniger Blößen geben. Ein Beispiel: In der Presse hieß es, das einige Szenen mit der Schauspielerin Bai Ling entfernt worden wären, weil es Differenzen zwischen ihr und Lucas gegeben hätte (im Zusammenhang mit ein paar Photos für ein harmloses Herrenmagazin). Im Buch erscheint ein Bild von ihr (im Kostüm, ich glaube sie aber zu erkennen), ohne das auf eine spätere Veränderung eingegangen wird. Es wird noch nicht einmal der Name der Schauspielerin genannt.
Hier ist der erste Band durchweg offener und damit informativer.
Sonst: Schöne Bilder in einem großen Format. Vieles kann man sich in Ruhe ansehen, was in den Filmen nur am Rande erzählt wird oder ganz kurz zu sehen ist. Was an Informationen über das Drehen oft fehlt, wird aber durch viele Informationen über Nebengeschichten wieder gut gemacht, die in den Filmen garnicht auftauchen, sondern in anderen Medien erzählt werden (Comics oder Büchern).
Lonht sich das alles? Fans werden so oder so selbst den stolzen Preis für das Buch gerechtfertigt halten. Gut, das Buch ist auch handwerklich schön gemacht, aber aus meiner Sicht reicht auch der Schuber und das Buch selbst nur knapp an die Qualität des Vorgängers heran. Für Fans schöner Bücher: Für das Budget gibt es schönere Bücher über das Thema Film.
Glücklich kann sich der schätzen, der den Vorgänger sein eigen nennt.