Sein wichtigster Verbündeter ist auch sein schlimmster Feind.
Boba Fett ist allein im Universum. Sein Vater Jango ist tot. Nie hatte er Freunde. Sein einziges Ziel ist Überleben und Kopfgeldjäger zu werden.
Die mysteriöse Aurra Sing brachte ihn zu Count Dookus Schlupfwinkel auf dem verseuchten Planeten Raxus Prime und Boba glaubt, dass er dort Unterstützung findet. Doch Dooku hat andere Pläne. Die Klonkriege wüten in der Galaxis und Boba Fett gerät auf Raxus Prime in ein verhängnisvolles Kreuzfeuer. Was er dabei entdeckt wird sein gesamtes Leben verändern.
"Hallo!" Stille. "Hallo?!" Keine Antwort. Auf dem Korridor vor seiner Tür blieb es ruhig. Boba Fett war allein. Das war kein Problem für ihn. Boba war das Alleinsein gewohnt. Seit er seinen Vater begraben hatte, war er auf sich selbst gestellt gewesen - ein Zehnjähriger gegen die ganze Galaxis. Sein Vater fehlte ihm, doch es machte ihm nichts aus, allein zu sein. Manchmal. Na ja, so ungefähr jedenfalls. ... whrr ... Da bewegte sich etwas! Boba lief zu einer Biegung im Korridor. "He! He!" ... whrrr ... Es war nur ein Droide. Ein kleiner, vielleicht so groß wie ein Schuhkarton. Einer von denen, die sich immer nur in einem bestimmten Bereich bewegten und dort die ganze Zeit staubsaugten und putzten. Während sich im Rest des Verstecks von Count Dooku noch andere Wesen herumtrieben, kamen nur die kleinen Reinigungs-Droiden in diesen Korridor. Das erklärte auch, weshalb Boba sich so isoliert fühlte. Es erklärte aber nicht, weshalb man ihn hierher gebracht und was man mit ihm vorhatte. Nur Dooku konnte ihm das erklären. Count Dooku - ein großer, schlanker, mächtiger Mann mit einem kalten Lächeln - war auch unter dem Namen Tyranus bekannt. Er war Tyranus oder Dooku, je nachdem, mit wem man gerade sprach. Bobas Vater, Jango Fett, hatte Boba die Anweisung hinterlassen, dass er Dooku aufsuchen sollte, falls ihm, Jango, etwas zustoßen sollte. Bobas Vater war etwas zugestoßen. Er war im Kampf mit einem Jedi getötet worden. Boba hatte seinen Vater auf dem Planeten Geonosis begraben. Er war nur noch einmal auf seinen Heimatplaneten Kamino zurückgekehrt, um herauszufinden, dass das nicht mehr seine Heimat war. Da sein Vater nicht mehr lebte, war Boba nicht mehr sicher. Da sein Vater nicht mehr lebte, hatte Boba keinen Schutz mehr. Er war nur noch auf der Flucht. Bobas Vater hatte ein Buch hinterlassen. Du musst Tyra- nus finden, hatte ihm das Buch gesagt, um an Jangos Credits heranzukommen und so Unabhängigkeit zu erlangen. Das passte Boba. Er wollte lernen, ein großer Kopfgeldjäger wie sein Vater zu werden. Doch dafür brauchte er erst einmal Startkapital -, um dann später mehr zu verdienen. Doch Boba hatte keine Zeit gehabt, Dooku zu suchen. Der hatte ihn zuerst gefunden. Er hatte Aurra Sing geschickt, um ihn auf Coruscant gefangen zu nehmen und ihn zu diesem Versteck in den Tiefen von Raxus Prime zu bringen. Als Bezahlung hatte sie sein Schiff genommen, die Slave I. Aber sie hatte Boba nicht erklärt, weshalb Count Dooku hinter ihm her war. Nur Dooku konnte diese Frage beantworten und jetzt konnte Boba ihn nicht finden. Der alte Mann hatte ihn in seinem Versteck willkommen geheißen - oder zumindest so etwas Ähnliches - und ihm ein Zimmer mit einem Tisch, einem Stuhl und einem Bett gegeben. Boba war sofort erschöpft eingeschlafen. Und jetzt, da er wieder wach war, war Dooku nirgends zu finden. "Hallo?" Keine Antwort. Boba hatte sich ein wenig umgesehen und Räume gefunden, die halb leer, andere die voller eigenartiger Ausrüstungsteile waren, vieles davon noch in Kisten verpackt. In der Ferne hatte er seltsame Geräusche gehört. Stimmen in den verschiedensten Sprachen. Er hatte Gestalten in den schwach beleuchteten Korridoren gesehen, die sofort um die nächste Ecke verschwunden waren, als er aufgetaucht war. Hier ging etwas vor sich. Aber was? Dooku wollte ihn offensichtlich von den anderen fern halten. Boba hoffte, dass Dooku es tat, weil er ihn ausbilden wollte, dass er ihn in seine Dienste nehmen würde, wie er es mit seinem Vater getan hatte. Darauf hoffte er. Das Zimmer, in das man Boba gesteckt hatte, war weiß gestrichen und von Leuchtfeldern erhellt, die in die Decke eingelassen waren. So wie alles, was er in dem Bauwerk bislang gesehen hatte, bestand es aus bunt zusammengewürfeltem Zeug. Count Dooku war offensichtlich gerade erst eingezogen. Und er schien keinen langen Aufenthalt zu planen. Boba wusste, dass das Versteck unter der Erde lag. Nachdem Aurra Sing ihn abgesetzt hatte, war er durch einen Eingang in einem Hügel hineingegangen. Aber das war auch schon alles, was er wusste. Er war weit weg von der Außenwelt und noch weiter weg von allem, was er kannte. Er war isoliert. Count Dooku kontrollierte alles. Boba wusste, dass er nicht den ganzen Tag in dem Zimmer bleiben konnte. Wenn er eines an dem furchtbaren Tag gelernt hatte, an dem sein Vater gestorben war, dann, dass er nicht zu lange zögern durfte. Er musste etwas unternehmen. Boba ging den Korridor entlang, der in einen weiteren düsteren Korridor führte, in dem die fernen Stim- men etwas näher klangen. Wie soll ich bloß den Weg zurück zu meinem Zimmer finden?, fragte er sich. Er hatte seine Tasche in dem Zimmer gelassen. Darin befand sich sein einziger Besitz - die Hinterlassenschaft seines Vaters. Er würde sich später darüber Gedanken machen. Eines nach dem anderen. Das war eine Lektion, die ihm sein Vater beigebracht hatte. Zuerst musste er Count Dooku finden und herausfinden, was vor sich ging. "Hallo?" Noch ein leerer Raum. Aber ... Augenblick mal. Dieser Raum war anders. Er hatte ein Fenster. Man konnte einen See, umgeben von Bäumen, sehen. Darüber erstreckte sich ein blauer Himmel mit vereinzelten weißen Wölkchen. Wie war das möglich? Raxus Prime war der giftigste Planet der Galaxis. Boba hatte den Himmel von Raxus Prime gesehen; er war voller giftiger Dämpfe. Überall gab es Berge aus Müll und Schrott. Die ölverschmierten Gewässer erstickten im Abfall. Alles auf Raxus Prime war faulig und stank. Was war das also für ein See vor dem Fenster? Hatte man etwa alles weggeräumt, während er geschlafen hatte? Oder hatte man ihn irgendwo anders hingebracht?