Sein erster Auftrag könnte auch sein letzter sein.
Nach seinem riskanten Ausflug auf den Planeten Aargau ist der junge Boba Fett auf dem Wüstenplaneten Tatooine gelandet. Dort wimmelt es nur so von Schwerverbrechern, Söldnern und Dieben. Um das Erbe seines Vaters anzutreten, muss sich Boba mit dem größten Verbrecher-Fürsten der Galaxis einlassen: Jabba the Hutt.
Doch dieser ist nicht gerade leicht zu finden und noch viel schwerer zu beeindrucken. Als Boba ihn schließlich aufstöbert, macht ihm Jabba ein äußerst gefährliches Angebot: Ein einziger Auftrag eine einzige Chance. Es gibt da jemanden mit dem der Hutte noch eine Rechnung offen hat und Boba soll sie begleichen. Es wird die größte Herausforderung, der sich der junge Kopfgeldjäger jemals stellen musste und sie wird seine Zukunft bestimmen.
Manche Leute glauben, dass der Weltraum leer sei. Jango Fett, Boba Fetts Vater, gehörte auch zu diesen Leuten. "Der Weltraum ist nichts als Leere", hatte Jango seinem Sohn erzählt. "Und Leere ist nutzlos, wenn man sie nicht mit Arbeit, Energie, Leuten oder Raumschiffen füllt. Ein guter Kopfgeldjäger mag manchmal unsichtbar scheinen, aber er weiß, wie er den Raum um sich herum nutzt. Und wenn er diesen Raum nutzt, ist der Raum nicht mehr leer." Boba fand überhaupt nicht, dass der Weltraum leer war. Als er den Weltraum aus dem Sichtfenster der Slave I betrachtete, dachte er, dass dieser Raum ausgefüllt, leuchtend und schön war. Überall waren Planeten und Sterne. Er sah ferne, grün, goldfarben oder rot leuchtende Wolken, die Nebel, Galaxien oder gar riesige Raumschiffe hätten sein können. Und doch musste er seinem Vater in einem Punkt Recht geben. Was auch immer der intergalaktische Raum war, Boba war sich im Klaren darüber, dass er selbst etwas daraus machen musste. "Zielanflug", informierte ihn eine kühle, computergenerierte Stimme vom Kontrollpult der Slave I. "Wir nähern uns Tatooine." Boba lehnte sich nach vorn. Er strich mit der Hand über die Steuerkonsole der Slave I. Seine Finger berührten dabei Knöpfe, Tasten und Touch-Screen-Navigationshilfen. Er lächelte. Er war ein Teil des komplexen Raumes innerhalb dieses Raumschiffs. Seines Raumschiffs, seit sein Vater tot war. Er hatte sich das Schiff erst vor ein paar Tagen auf dem Planeten Aargau von Aurra Sing zurückgeholt, der berüchtigten Kopfgeldjägerin, die es ihm gestohlen hatte. Aargau war der Bankenplanet der Galaxis. Dort hatte sich Boba auch geholt, was vom Vermögen seines Vaters übrig geblieben war: gerade genügend Credits, um die Slave I für diese Reise neu auszustatten. "Geschätzte Landezeit 01200 Mesarcs", sagte die Computerstimme. "Eindringen in den Luftraum von Tatooine." Tatooine. Boba Fett sah auf den Planeten dort draußen hinab. Er war eine riesige, knochenfarbene Kugel, hier und da von braunen oder weißen Streifen durchzogen. In der Ferne strahlten die Zwillingssonnen von Tatooine in mattem Orange. Die beiden Sonnen erschienen Boba wie dämonische Augen, die ihn anstarrten. Nein, der Weltraum war nicht leer. Er beugte sich nach vorn und tippte ein Kommando in die Kontrollkonsole, woraufhin die Slave I mit einem dumpfen Brüllen in die Atmosphäre des Planeten eintauchte. Das Schiff raste auf die Oberfläche von Tatooine zu. Die Zwillingssonnen wurden kleiner und verloren an Strahlkraft, wirkten aber immer noch bedrohlich. Boba sah auf die Wüstenwelt hinaus und zog eine Grimasse. Das ist nicht gerade ein Ort, an dem man sich lange aufhalten möchte, dachte er. Sandstürme, Ozeane aus Sanddünen, dürre Schluchten, Feuchtfarmen und gnadenlose Hitze. Nach allem, was Boba gehört hatte, füllte Tatooine seinen Raum mit ziemlich üblem Zeug. Also weshalb bin ich hier? Boba grinste grimmig. Er kannte die Antwort auf diese Frage. Sein Vater, Jango Fett, war von einem Jedi-Meister namens Mace Windu getötet worden. Doch als einer der größten Kopfgeldjäger der Galaxis (der größte, wie Boba fand) hatte Jango jeden Tag seines Lebens mit dem Wissen gelebt, dass er jederzeit sterben könnte. Und er hatte seinen Sohn geliebt. Um Boba auf den schlimmsten Fall vorzubereiten, hatte Jango ihm ein Buch hinterlassen. Das Buch war eigentlich ein Datenspeicher mit allerhand Informationen, Ratschlägen und Ermutigungen. Alles war in den Worten seines Vaters geschrieben. Und manchmal zeigte das Buch sogar Jangos Bildnis. "Halte dich immer an dieses Buch", hatten Jangos Bildnis und Stimme Boba gesagt, als er das erste Mal in das Buch geschaut hatte. "Behalte es immer bei dir. Sieh hinein, wenn du es brauchst. Es wird dich leiten, wenn du Hilfe brauchst. Es ist keine Geschichte, sondern ein Weg. Folge diesem Weg und eines Tages wirst du ein großer Kopfgeldjäger sein, Boba." Das war genau das, was Boba mehr als alles andere sein wollte - ein großer Kopfgeldjäger, wie sein Vater. Sein Vater wäre stolz auf ihn gewesen, wenn er das gewusst hätte. Manchmal, spät nachts, wenn er allein war und in dem Buch blätterte, tat Boba so, als wäre sein Vater noch irgendwie am Leben. Das funktionierte aber nie sonderlich lang. Im Augenblick war das Buch in seiner Tasche. Boba musste nicht hineinschauen. Er wusste, was über Tatooine darin stand. "Es gibt drei Dinge, die du jetzt, nachdem ich nicht mehr da bin, brauchst", hatte die Stimme seines Vaters gesagt. "Das erste ist Unabhängigkeit. Dazu musst du Tyranus finden, um an die Credits zu kommen, die ich für dich zur Seite gelegt habe. Das zweite ist Wissen. Dazu musst du Jabba finden. Er wird es dir aber nicht geben; du musst es dir nehmen." Jabba the Hutt! Einer der berüchtigsten Gangster und Verbrecherfürsten der Galaxis! Und der berühmteste und abscheulichste Bewohner von Tatooine. Jabba war der Grund, weshalb Boba an diesem verlassenen und trostlosen Planeten anlegte. Boba hatte Tyranus schon gefunden. Deshalb war Boba auch auf Aargau gelandet. Tyranus war der Mann gewesen, der Jango als genetisches Vorbild für die Klon-Armee der Republik ausgesucht hatte. Aber Tyranus war auch Count Dooku, der wiederum die Feinde der Republik anführte, die Separatisten. Und nur Boba wusste, dass diese beiden Personen ein und derselbe Mann waren. Wissen ist Macht, hatte sein Vater ihm immer gesagt. Doch sogar die Macht des Wissens konnte begrenzt sein.