Mit diesen Worten beschreibt Han Solo einer eher skeptischen Prinzessin Leia seinen alten Freund Lando Calrissian in 'Das Imperium schlägt zurück'. Und tatsächlich wird mit der Einführung dieser vielschichtigen Figur, die sich binnen kürzester Zeit vom Verräter über den Befreier zum General und Helden der Rebellion entwickelt, eine Ergänzung des in 'Eine neue Hoffnung' etablierten Quartetts Luke-Han-Leia-Chewie vorgenommen. Allerdings wurde - trotz der Bedeutung und des Potentials der Figur des Glücksspielers und Geschäftsmannes - Lando Calrissian in den EU-Werken des Star Wars-Universums meist nur am Rande Aufmerksamkeit geschenkt.
Eines der früheren EU-Werke bildet hier die Ausnahme: L. Neil Smiths Lando Calrissian-Trilogie richtet seine volle Aufmerksamkeit auf den gerissenen Halunken und seine Abenteuer vor 'Das Imperium schlägt zurück', damals, als er das berühmte Raumschiff 'Millenium Falcon' noch nicht bei einem schicksalhaften Sabacc-Spiel an Han Solo verloren hatte und noch nicht Administrator der Mineneinrichtung auf Bespin war, sondern als Glücksritter auf der Suche nach Abenteuern die Galaxis durchstreifte. Die Trilogie, die sich aus den Büchern 'Lando Calrissian und die Geisthafe von Sharu', 'Lando Calrissian und der Flammenwind von Oseon' und 'Lando Calrissian und die Sternenhöhle von Thon Boka' zusammensetzt ' in Einzelbänden heute kaum noch erhältlich ' wurde in diesem Sammelband zusammengefasst und schildert drei durch mehrere rote Fäden verbundene Abenteuer des Spielers in einer eher entlegenen Ecke der Star Wars-Galaxis.
Ein paar Worte zum Inhalt der drei Bände:
Lando Calrissian und die Geistharfe von Sharu:
Der junge Glücksspieler Lando Calrissian, der erst kürzlich bei einem Kartenspiel den Frachter 'Millenium Falcon' gewonnen hat, ist mit diesem Schiff ins Oseon-System gereist, um auch dort mittels beachtlicher Fähigkeiten im Umgang mit Sabacc-Karten zu Geld zu kommen. Als er einen Droiden gewinnt, den er allerdings erst im Rafa-System abholen muss und zudem noch des Falschspiels beschuldigt wird, muss er fluchtartig nach Rafa IV aufbrechen. Dort erwartet ihn neben dem gewonnen Droiden, der sich als Vuffi Raa vorstellt und über eine breite Vielfalt an außergewöhnlichen Fähigkeiten verfügt, auch noch eine böse Überraschung. Denn der Gouverneur des Rafa-System sowie dessen Auftraggeber, der ominöse und finstere Hexer Rokur Gepta, planen, Lando Calrissian und seinen neu erstandenen Droiden bei der Suche nach einem alten Artefakt zu benutzen: Der Geistharfe von Sharu. Dieser Schatz einer lange verschwunden Hochkultur, die einst das Rafa-System bewohnte und plötzlich verschwand, jedoch gewaltige aber unzugängliche Gebäude zurückließ, soll sich irgendwo auf Rafa V befinden und über ungeahnte Kräfte verfügen und Lando wird gezwungen, die Geistharfe zu beschaffen. Begleitet von Vuffi Raa und einem Eingeboren vom Volk der Toka, der ihnen als Führer dient, macht sich der Spieler auf die Suche nach dem Artefakt... und gerät dabei mehr als einmal in lebensbedrohliche und bizarre Situationen.
Lando Calrissian und der Flammenwind von Oseon: Die Geschäfte laufen nicht gut für Lando und seinen Droiden Vuffi Raa, denn das Handelsgeschäft, dass sie mit dem im vorherigen Abenteuer gemachten Gewinn aufgezogen haben, ist eine harte und kostspielige Sache und schnell ist Lando wieder pleite. Zudem machen Bombenanschläge und Attentäter ihm das Leben schwer und auch Rokur Gepta, der Hexer von Tund hat ihm ewige Rache geschworen und macht Jagd auf den Spieler und sein Raumschiff, die Millenium Falcon. Ein Kartenspiel im Oseon-System, zu dem er vom Administrator selbst eingeladen wird, scheint eine willkommene und lukrative Abwechslung zu sein. Doch auch dort lassen ihm die Attentäter keine Ruhe. Als er einen davon in nOtwehr erschießt, zwingt ihn der Administator des Oseon zu einem Deal: Lando muss zwei Polizeibeamte zum Aufenthaltsort eines drogensüchtigen Milliardärs bringen, damit dieser verhaften werden kann ' doch die Reise führt durch den berühmten Flammenwind von Oseon, ein gefährliches galaktisches Naturereignis. Und auch Landos Verfolger, allen voran der rachsüchtige Rokur Gepta, sind bestrebt, Lando um jeden Preis auszuschalten...
Lando Calrissian und die Sternenhöhle von Thon Boka:
Zufällig begegnen Lando und Vuffi Raa im All Lehesu, einem Angehörigen einer vakuumatmenden, intelligenten und bis dato unbekannten Alien-Spezies, die in einem gigantischen Sternennebel namens Thon Boka zuhause ist. Als kurze Zeit später die System-Regierung auf die Spezies aufmerksam wird und eine Streitmacht entsendet, um diese angeblich gefährliche Spezies zu eliminieren, eilen Lando und Vuffi Raa zur Hilfe. Doch nicht nur eine voll bewaffnete Flotte steht gegen die einsame Millenium Falcon und ihre Besatzung, denn Hexer Rokur Gepta und Vuffi Raas erklärter Todfeind Klyn Shanga schließen sich zusammen und steuern auf das entscheidende Duell mit dem sympathischen Spieler und seinem treuen mechanischen Gefährten zu....
Smiths Beitrag zum Star Wars-Universum ist.... anders, so viel ist sicher. In einer frühen Phase des inzwischen gigantischen Expanded Universe entstanden, lassen sich Landos Abenteuer mit Vuffi Raa nur schwerlich vereinen mit den sonst geltenden Standards in der sonstigen Star Wars-Literatur. Zu viele höchst wunderliche Aspekte sorgen dafür, dass man, wenn man sich bereits etwas länger mit Star Wars beschäftigt hat, erst einmal ins Staunen gerät. Die höchst bizarren Geschehnisse in der Pyramide von Rafa V oder im Flammenwind von Oseon, die Figur Vuffi Raas und seine Herkunft, die 'Centrality' (inzwischen als separat regierter Teilbereich des Imperiums geretcont aber im Buch selbst nicht genauer erklärt) und die Spezies des Oswaft oder Sharu... all dies scheint so gar nicht in das Star Wars-Universum zu passen und eher in andere Science-Fiction-Bereiche zu fallen. Daher wurde auch nur sehr wenig von Smiths Beitrag zum EU später verwendet, bis auf verstreute Verweise in der Han Solo-Trilogie von A. Crispin findet sich fast nichts wieder, obwohl die dargestellten Ereignisse keineswegs unbedeutend sind. Auch viele Fans belächeln dieses Werk daher sogar oder lehnen es kategorisch als 'nicht Star Wars' ab.
Ist man allerdings ein bisschen offen für Ungewohntes und Ungewöhnliches, dann kommt man mit der Lando Calrissian-Trilogie durchaus auf seine Kosten, denn die Geschichten sind eigentlich sehr gut und unterhaltsam geschrieben. Die Figur des Lando Calrissian wird in allen Facetten dargestellt und einige grundlegenden Einstellungen der Figur aus den Filmen finden sich auch hier und formen so ein gutes Gesamtbild des Spielers und Schurken Lando Calrissian. Dabei muss man beachten, dass es sich hierbei nicht wie die bereits erwähnte Han-Solo-Trilogie von A. Crispin um eine biographische Darstellung des Lebens von Lando handelt, sondern schildert lediglich ein paar Episoden aus dem illustren Leben des Schwindlers, ohne dabei viel Charakterentwicklung zu betreiben. Die Trilogie steht daher eher in der Tradition von Biran Daleys 'erster Han-Solo-Trilogie'. Dass das Sabacc-Spiel und die Handhabung von Spielkarten bei den Abenteuern von Lando eine große Rolle spielen, scheint offensichtlich.
Auch die neuen Figuren können überzeugen. Der Droide Vuffi Raa, seine mysteriöse Vergangenheit und seine beeindruckenden Fähigkeiten gefielen mir sehr gut und auch die Wendungen, die es vor allem in Bezug auf dessen Charakterentwicklungen gab, waren glaubhaft und interessant geschildert. Und da man natürlich genau weiß, das Lando Calrissian aus allen Abenteuern lebend entkommen muss, da er ja in den Filmen noch eine gewisse Rolle zu spielen hat, ist es gut, eine Hauptfigur an seiner Seite zu haben, deren Schicksal ungewiss ist und dessen Überleben nicht von vorneherein als gesichert gilt.
Nicht, dass es für Lando an ausweglosen Situation mangeln würde. An zahllosen Stellen scheinen die Tage des Spielers gezählt zu sein, der sich ja nicht wie die Jedi-Ritter in neueren EU-Werken einfach mir nichts dir nichts mithilfe der Macht befreien können, sondern sich durch Deals, Verhandlungen und Improvisation aus Gefahren befreien muss. Treibende Kraft hinter diesen Gefahren ist zumeist Rokur Gepta, die zweite hochinteressante Figur der Trilogie, die hier als Landos Erzfeind und Nemesis fungiert. Die Idee, einen mysteriösen Zauberer und nicht etwa klassische einen dunklen Jedi als Bösewicht einzusetzen, spricht natürlich wieder für die Andersartigkeit des Werks, Gepta selbst ist allerdings sehr gut in Szene gesetzt und als Bösewicht mehr als gelungen.
Andere Sachen hingegen sind wirklich störend. So schafft es Smith nicht, sich von irdischen Begriffen und Vorstellungen zu lösen und verweist immer wieder auf für Star Wars und diese ganz spezielle Gattung der Science-Fiction sehr unpassende Dinge. So tragen einige Spieler Jeans und ein Anthropologe erklärt stolz, zwischen Toka und Sharu sei ein so großer Abstand wie zwischen Menschen und Dinosauriern...
Außerdem verkommt Lando bei Smith zum notorischen Kettenraucher, der sich ' je weiter die Geschichte voranschreitet, immer öfter eine Zigarre nach der nächsten anzündet, da sie ihm beim Nachdenken helfen. Weder entspricht das dem Lando aus den Filmen, noch ist es in irgendeiner Weise der Geschichte förderlich.
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