Star Trek VI aus dem Jahr 1991 ist sicherlich einer der größten Star Trek- Filme überhaupt. Nicht nur wegen seiner imposanten Umsetzung durch Regisseur Nicholas Meyer, der bereits Star Trek II- The Wrath of Khan zu einem monumentalen Erlebnis machte, und der dazu passenden, wunderbar schaurigen Filmmusik von Cliff Eidelman, sondern auch, weil er voller Wendepunkte steckt und eindrucksvoll Geschichte schreibt - innerhalb und außerhalb des Star Trek- Universums.
Die Story dreht sich um das Zustandekommen des Khitomer- Abkommens zwischen der Föderation und dem bisherigen Erzfeind, den Klingonen, ein epochales Ereignis, auf das immer wieder in The Next Generation & Co. Bezug genommen wird. Die Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk hat den Auftrag, Gorkon, den Kanzler des Klingonischen Hohen Rates zu der wichtigen Konferenz zu eskortieren, nachdem die Klingonen nach einer großen Katastrophe auf ihrer Heimatwelt gezwungenermaßen auf die Föderation zugegangen. Es findet sich jedoch eine radikale Gruppe zusammen, die den Frieden um jeden Preis verhindern will. Attentäter ermorden Kanzler Gorkon und versuchen, die Enterprise mit allen Mitteln davon abzuhalten, die Friedenskonferenz zu retten -ein furioser Mix aus Action und Diplomatie mit viel Tiefgang: Star Trek at ist best!
Hervorragend verfolgt der Film die Wandlung von Captain Kirk, dessen Sohn (in Star Trek III - The Search for Spock) von Klingonen regelrecht hingerichtet wurde, vom absoluten Skeptiker und gar Klingonen- Hasser hin zum Sieger über seine eigenen Vorurteile. Die Angst, mit dem Feind auch die eigene Identität zu verlieren, entwickelt sich zum Vertrauen in eine bessere Zukunft.
Wie in dem umfangreichen Bonusmaterial deutlich wird, legt Regisseur Nicholas Meyer besonderen Wert darauf, dass die Story in der Zukunft sinnbildlich für die irdische Realität und Gegenwart stehen kann. Er zieht die Parallele zum Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Mit der Explosion des Klingonischen Mondes "Praxis" gibt es auch im Film ein Tschernobyl - und das Leugnen der Katastrophe sowie ein darauf folgendes Aufeinanderzugehen. Meyer regt die Vorstellung an, die Mauer sei nicht auf der Erde, sondern irgendwo inmitten der Galaxie gefallen.
Durch den gesamten Film zieht sich das exzellent verarbeitete Spiel mit Shakespeare - vom Titel des Films, der ursprünglich für Star Trek II vorgesehen war, über General Changs Richard II- Zitate vor Gericht bis hin natürlich zum zentralen Thema "Sein oder nicht sein" aus Hamlet. Hinzu gesellt sich auch die von den Schauspielern William Shatner und Christopher Plummer (alias General Chang) erzählte Geschichte um deren frühere Rivalität um eine Rolle in Henry V.
Äußerlich bedeutet der Film für Star Trek ebenfalls eine große Wende. Es handelt sich um die vielzitierte "letzte Reise einer Generation". Wie aus dem Bonusmaterial hervorgeht, gab es für den Film auch ein Konzept, das die jungen Kirk und Spock auf der Sternenflottenakademie in jungen Jahren zeigt, natürlich mit anderen Schauspielern. Letztlich machten aber gerade die 'alternden' Schauspieler den Film so stark, der eben dieses Thema des Älterwerdens durch die Hauptfiguren grandios selbst aufgreift. Der letzte Auftritt von Kirk, Spock, McCoy & Co. wird mit der Zukunft Star Treks (The Next Generation startete parallel bereits in die fünfte Season) durch den Gastauftritt von Michael Dorn alias Worf als dessen eigenem Großvater geschickt verzahnt.
In der Special Edition sind parallel zum Film Kommentare von Regisseur Nicholas Meyer und Co- Autor Denny Martin Flinn zuschaltbar. Über die komplette Filmlänge begleiten sie jede Szene mit Erinnerungen, Inspirationen und Hintergrundinfos.
Auf DVD Nummer 2 gibt es nicht nur Original- Interiews von 1991 - Regisseur, Autoren, Produzenten, Darsteller und Andere blicken auch in zahlreichen 2003 aufgezeichneten Erinnerungen, Meinungen und Anekdoten auf Star Trek VI zurück. William Shatner & Co. analysieren rückblickend den Umgang des Films mit Rassismus und Vorurteilen, unter anderem Admiral Cartwrights ablehnende Haltung bezüglich einer Annäherung mit den Erzfeinden (hervorragend gespielt von Brock Peters, auch als Captain Siskos Vater in Deep Space Nine zu sehen). Auch Kirks emotionaler Ausbruch "Let them die!" wird vom Schauspieler kritisch diskutiert.
Ferner sind zahlreiche Entwurfszeichnungen für Szenen zu sehen, viele Bilder von Sets und Dreharbeiten wie bei Außenaufnahmen bei minus 22 Grad in Alaska oder Shatners Proben mit seinem Double - drei Stunden nicht enden wollende Leckerbissen für Star Trek- Fans!
Beinahe symbolisch für den Abschluss eines Star Trek- Zeitalters ist, dass Erfinder Gene Roddenberry kurz nach Beendigung der Dreharbeiten verstarb. 1999 trauerte die Fangemeinde dann um einen der ganz großen, der an der "letzten Reise" in Star Trek VI mitwirkte: DeForest Kelley alias Dr. McCoy starb. Seine Kollegen und Freunde würdigen ihn auf dieser DVD und reden über ihr Verhältnis zu "De".