Wie bei nahezu allen TV-Serien gab es auch bei STAR TREK VOYAGER einen Entwicklungsprozess. Einige Ideen funktionierten, andere hingegen nicht. Im ersten Jahr gab es noch eine gewisse Frische: neue Hauptfiguren, interessante Aliens und einen roten Faden, der durch die Suche nach einem Nachhauseweg definiert wurde. Doch als die Serie im Jahr Zwei stagnierte und sich trotz recht mutiger Drehbücher im Kreis drehte - die uninteressanten Kazon waren viel zu dominant -, besann man sich auf das ursprünglichen Konzept und schickte die VOYAGER in unbekannte Gefilde. Auch die Figuren wurden neu definiert. Einige von ihnen zeigten nun erstmals ein gewisses Entwicklungspotential.
WIE VOYAGER WERDEN SOLLTE
Wer hätte es vermutet: STAR TREK VOYAGER sollte sich ursprünglich vorrangig um den Charakter Thomas Eugene Paris (gespielt von Robert Duncan McNeill) drehen und so den Fokus auf die niedrigeren Ränge an Bord der VOYAGER lenken. Der Captain sollte nur den Zusammenhalt der Crew bewirken und es sollte auch mehr Konflikte zwischen der Sternenflotten- und der Maquis-Mannschaft geben. Doch der Weggang von Geneviéve Bujold, der ersten Darstellerin von Captain Janeway, der enge Drehplan, die Neubesetzung mit Kate Mulgrew und die Vorliebe der Autoren für bestimmte Themen und Figuren verlagerten den Fokus zurück auf den Captain und später auch auf den Doktor. Die ehemaligen Maquis wurden unglaubwürdig schnell gefügiger Teil der Sternenflottencrew und die Hauptgegner der Serie, die gemüseköpfigen Kazon, legte man am Anfang der dritten Staffel zu den Akten. Doch was sollte man tun? Die VOYAGER zurück in den Alpha-Quadranten bringen oder die schwachen Quoten ernst nehmen und die Serie einstellen? Glücklicher Weise entschieden sich die Verantwortlichen für weitere Abenteuer im Delta-Quadranten und entwickelte Konzepte, die noch mutiger waren als die der insgesamt sehr durchwachsenen zweiten Season.
WAS IN DER DRITTEN SEASON GESCHAH: DIE EPISODEN 1 BIS 12
Mit dem Finale der Season 2 (Episode 2x26: DER KAMPF UMS DASEIN) hatten sich die Drehbuchautoren - wie sie selbst zugeben mussten - in eine Sackgasse manövriert. Die Kazon hatten die Crew der VOYAGER auf einem feindlichen Planeten ausgesetzt und das Schiff übernommen. Wie so oft bei groß angelegten Cliffhangern suchte man nach einer einfachen Erklärung die Geschehnisse rückgängig zu machen. Und so kam es denn auch: Mr.Suder, der Psychopath aus der Episode GEWALT (2x16, Darsteller: Brad Dourif) löste zusammen mit dem Doktor, Tom Paris und ein paar Talaxianern das Problem. Seska wurde getötet, die Kazon verließen bereitwillig das Schiff.
Fast noch schwächer war die Handlung der Episode TUVOKS FLASHBACK (3x02), die dem 30. STAR TREK - Jubiläum gewidmet worden war und eine Rückkehr von Captain Hikaru Sulu (George Takai) mitsamt seinem Schiff, der USS Excelsior, ermöglichte. Die Parallelhandlung zu STAR TREK VI: DAS UNENTDECKTE LAND bot zwar ein paar neue Einblicke in die Kinogeschichte von 1991, war insgesamt jedoch so sehr an den Haaren herbeigezogen worden, dass selbst der gutmütigste Science-Fiction-Fan den Kopf schütteln musste. Qualitativ war diese Episode weit von ihrem Kinogegenstück und der anderen Jubiläumsepisode (IMMER DIE LAST MIT DEN TRIBBLES, STAR TREK DEEP SPACE NINE, Episode 5x06) entfernt. Eine vertane Chance, die die Realisierung der angedachten Serie STAR TREK: EXCELSIOR nachhaltig verhinderte.
DAS HOCHSICHERHEITSGEFÄNGNIS (3x03) reihte sich nahtlos in den Pool der schwachen VOYAGER-Episoden ein. Erst mit DER SCHWARM (3x04) gab es wieder eine interessante Rahmenhandlung. In dieser ging es um ein mysteriöses, insektenartiges Volk, welches ohne Vorwarnung zum Angriff überging und mit dem man nicht kommunizieren konnte. Die zweite Handlung dieser Episode, die sich um den Holo-Doc und seinen Erschaffer, Dr. Lewis Zimmerman, drehte, war sogar fast noch interessanter.
Die Neuausrichtung der Serie begann allerdings erst mit DAS WURMLOCH (3x05), der ersten regulär produzierten Episode der Season Drei. Die vier vorangegangenen Folgen wurden noch zusammen mit der zweiten Season produziert, damit diese bereits vor den Konkurrenzserien ausgestrahlt werden konnten. Nach DAS HOLO-SYNDROM (2x03) und TODESSEHNSUCHT (2x18) war DAS WURMLOCH bereits die dritte Episode, welche eine in STAR TREK: THE NEXT GENERATION begonnene Handlung fortsetzte. In der Episode DER BAZANHANDEL (TNG 3x08) gelangten zwei Ferengi durch ein instabiles Wurmloch in den Delta-Quadranten. Wie die VOYAGER jetzt feststellen musste, haben die beiden ein stattliches Imperium auf einem Planeten errichtet. Eine amüsante, wenn auch vorhersehbare Episode.
Nach DAS ERINNERN (3x06), eine Episode zum Thema Rassenhass, und DAS RITUAL (3x07), der ersten STAR TREK-Folge, die für religiöse Geschehnisse keine Erklärung lieferte, folgte das erste große Highlight der Season. Die Doppelepisode VOR DEM ENDE DER ZUKUNFT (3x08 und 3x09) sollte sowohl für STAR TREK VOYAGER als auch für die Nachfolgeserie STAR TREK: ENTERPRISE weitreichende Konsequenzen haben. Ein Unfall mit dem aus dem 29.Jahrhundert stammenden Zeitschiff Aeon brachte die VOYAGER zurück zur Erde. Allerdings ins Jahr 1996, welches eine veränderte Zeitlinie aufwies.
Der Holo-Doc bekam hier mit dem tragbaren Holo-Emitter, ein aus der Zukunft stammendes Stück Technologie, endlich seine Freiheit. Von nun an konnte er sich frei bewegen und so auch an Außenmissionen teilnehmen. Zudem gab es in der fünften Season eine direkte Fortsetzung (ZEITSCHIFF RELATIVITY, 5x24). In STAR TREK: ENTERPRISE wurde der rote Faden der Serie vorwiegend durch den temporalen kalten Krieg gebildet, der sich aus der Zukunft des 31.Jahrhunderts zurück bis ins 19.Jahrhundert erstreckte (siehe u.a. AUFBRUCH INS UNBEKANNTE und STURMFRONT, ENTERPRISE 1x01 und 4x01).
Mit DER KRIEGSHERR (3x10) folgte eine mittelmäßige Kes-Episode, in welcher zumindest die telepathischen Fähigkeiten der Ocampa weiter ausgebaut wurden. DIE Q-KRISE (3x11) wurde als direkte Fortsetzung von TODESSEHNSUCHT (2x18) konzipiert und zeigte die Rasse der Q in einem Bürgerkrieg. Leider mussten Q-Fans bis zu 7.Staffel warten, um den ehemaligen TNG-Widersacher wiederzusehen.
Ein Hommage an die ALIEN-SAGA war MAKROKOSMOS. Die One-(Wo-)Man-Show für Kate Mulgrew zeigte ihr Alter Ego Janeway beim Kampf gegen überdimensionale Viren, die das Schiff überschwemmt hatten. Während die gesamte Crew infiziert und somit außer Gefecht gesetzt worden war, säubert der schwer bewaffnete Captain Deck für Deck von den mit Schleim gefüllten Monsterviren. Ein solide Episode, wenn auch kein Highlight.
ÄNDERUNGEN ZUM FINALE DER SEASON: AUSBLICK SEASON 3 BOX 2
Da auch die dritte Season quotentechnisch nicht so recht zu überzeugen wusste, zogen die Produzenten zwar nicht die Notbremse, aber änderten die Ausrichtung der Serie radikal. Beflügelt vom Erfolg des Kinofilms STAR TREK: DER ERSTE KONTAKT kippte man den geplanten Cliffhanger, in welchem es um die Krenim gehen sollte, die bereits in der Episode TEMPORALE SPRÜNGE (Folge 3x09) die Zeitlinie manipulierten, und holte die übermächtigen Borg endgültig auf den heimischen Bildschirm zurück. Die bionischen Zombiealiens sollten von nun an der neue Hauptgegner der VOYAGER werden und schlussendlich auch die Heimreise des Schiffes erheblich beschleunigen. Für die Serie bedeutete dies in mehrfacher Hinsicht das Ende des Originalkonzeptes. Die Suche nach der Gefährtin des Fürsorgers (siehe Folge 2x10: SUSPIRIA) wurde aufgegeben, die Figur der Kes aus der Serie hinausgeschrieben - gerade als die Entwicklung des Charakters begann - und die meisten der neuen Delta-Quadrant-Aliens (Vidiianer, Kazon, Ocampa) aus den Drehbüchern verbannt. Neu hingegen war die Spezies 8472, die im Finale der dritten Season nicht nur den Borg mächtig zusetze. Der Doppelteil SKORPION (Folgen 3x26 / 4x01) gehört mit Abstand zum Besten, was je für eine STAR TREK-Serie produziert worden ist. Das ursprüngliche Season-Finale, EIN JAHR HÖLLE, verschwand allerdings nicht im Drehbuchnirvana, sondern wurde lediglich um neun Episoden nach hinten verschoben (4x08 und 4x09). Dafür wurde die Story, welche die Entdeckung des V'Ger-Heimatplaneten (siehe STAR TREK: DER FILM) beinhaltete fallen gelassen, was sehr schade ist.
FAZIT (SEASON 3 BOX 1)
Die ersten zwölf Episoden sind solide, enthalten jedoch auch ein paar Tiefpunkte der Serie. Das einzige echte Highlight ist die Doppelepisode VOR DEM ENDE DER ZUKUNFT. Ebenfalls gelungen sind DER SCHWARM, DAS ERINNERN und MAKROKOSMOS. Insgesamt betrachtet bietet die dritte Season gekonnt inszenierte, abwechslungsreiche Unterhaltung, die in einem der besten Cliffhanger gipfelt, der jemals produziert worden ist.
ERGÄNZUNGEN, EMPFEHLUNGEN UND FORTSETZUNGEN
Zu STAR TREK VOYAGER gibt es nur wenige offizielle Romane, deren Inhalte anerkannter Teil der Serie geworden sind. Besonders empfehlenswert ist MOSAIK von Jeri Taylor (Produzentin und Autorin der Serie). Der Roman beleuchtet insbesondere die Vergangenheit und die Handlungsweisen von Kathryn Janeway und gibt so einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit des Charakters. In vielen Episoden von STAR TREK VOYAGER, u.a. in DER WILLE (3x15), wurden sogar Informationen aus dem Roman ins Drehbuch übernommen.
Weitere offizielle Romane, die nicht auf der Grundlage einer existierenden Episode wie z.B.
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