Star Trek Online ist ein wenig wie das Weltall:
insgesamt gesehen ziemlich groß, aber irgendwie doch überall gleich. Und passieren tut nicht viel. Wenn man auf die Details achtet, dann kann man aber Überraschungen erleben.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Spielen ist STO quasi in zwei Kategorien unterteilt:
einerseits durchquert man die Galaxie mit dem eigenen Raumschiff, andererseits schickt man das virtuelle alter ego zu Fuß auf die Reise.
Hier offenbart sich auch schon eine der Stärken von STO, die gleichzeitig eine große Schwäche ist: Hersteller Cryptic versucht, möglichst alle Aspekte des Sternenflotten-Alltags im Spiel erlebbar zu machen - und natürlich auch alle MMORPG-Standards zu bedienen - scheitert aber letztendlich daran, aus all den Einzelzutaten einen harmonischen Kuchen zu backen.
Insbesondere bei den Bodenmissionen wird klar, dass der Hersteller selbst nicht so recht wusste, was da programmiert wird:
mit 5 Crewmitgliedern fremde Welten zu erforschen klingt zwar in der Theorie aufregend, ist in der Praxis jedoch monoton. Schlussendlich läuft es immer darauf hinaus, die diversen Areale nach anklickbaren Objekten abzusuchen, und/oder ein paar feindlich gesonnene Zeitgenossen ins galaktische Jenseits zu befördern.
Während die Erkundungstouren in der immer sehr statischen Umgebung jedoch durchaus ihren Charme haben, sind die Kämpfe kaum mehr als Pflichtübungen.
Die immer gleich agierenden Gegner werden durch abwechselnden Einsatz der beiden Feuermodi der eigenen Waffe pulverisiert, es gibt nur wenige Spezialfähigkeiten, die kaum Würze ins Gefecht bringen. Laufen Kämpfe in anderen MMORPGS eher taktisch ab, so sind sie bei STO eher hektisch: gefordert ist vor allem Stellungsspiel, da man unter Beschuss recht schnell Energie verliert, sich hinter Deckungen zurückzieht - und die Energie ebenso schnell wieder regeneriert.
Taktisches Vorgehen wäre zwar möglich (Pausebutton, Kommandos), wird von der Spielmechanik aber nicht gefördert; tatsächlich könnten die Kämpfe richtig interessant sein, wenn sie mehr an Spiele wie zB Dragon Age angelehnt wären. So sind sie allerdings wenig mehr als wirres, belangloses Herumgelaufe und -geklicke.
Die Raumschiffgefechte sind im Gegensatz dazu weit stimmungsvoller, und sicherlich der interessantere Part.
Obgleich auch hier "Dauerfeuer" eine üblicherweise gut funktionierende Taktik ist, steht das geringere Tempo der Schiffe der Spielmechanik gut zu Gesicht; es gibt auch mehr zu tun, wie beispielsweise die Energieverteilung zu bestimmen oder die Schilde dort zu verstärken, wo man angegriffen wird. Je nachdem welche Offiziere man beschäftigt, hat man unterschiedliche Spezialfähigkeiten. Die Art des eigenen Schiffes erlaubt hierbei Spezialisierung (zB Forschungsschiff > mehr Wissenschaftsoffiziere).
Wirklich abwechslungsreich sind die Kämpfe aber nicht: man umkreist stets die jeweiligen Feinde und versucht, das eigene Feuer möglichst konzentriert auf eine einzelne Seite des Gegners anzubringen, während man selbst möglichst wenig Angriffsfläche bietet.
Wer "Starfleet Command" kannte, dem wird das Prinzip sofort geläufig sein - STO spielt sich hier allerdings arcadelastiger, was auch gut so ist. Allerdings hat sich Cryptic einige ordentliche Schnitzer bei den Raumgefechten geleistet: so werden zB Kollisionen mit Asteroiden nicht bestraft, was das Navigieren durch selbige überflüssig macht und das ohnehin eintönige Weltall somit noch eintöniger. Ziemlich unverzeihlich ist auch, dass man ewig mit dem Startschiff herumtingelt (erst ab Stufe 10 darf ein neues Schiff erworben werden, mit welchem man sich dann spezialisieren kann).
Selbst die Borgkönigin wird zustimmen, dass die Möglichkeiten zur Personalisierung von STO fast perfekt sind: sowohl Raumschiff als auch Charaktere können in vielfacher Weise frei gestaltet werden. Wer sich also während der Aussenmissionen von Captain Kirk den Phaser tragen lassen will, kann sich mit einer großen Anzahl an Schiebereglern spielen, bis er mit dem Gesicht des KI-Gefolgsmannes zufrieden ist.
Dem gegenüber stehen die öden und austauschbaren Missionen; was nützt es, in Kleinarbeit liebevoll das eigene Team zu modellieren, wenn es dann einzusetzen langweilig ist? Eine Story in Form eines losen roten Fadens existiert zwar, ist aber einerseits wenig interessant und wird andererseits vor allem durch (nicht vertonte) Kommunikationsmitteilungen erzählt - wer nicht zumindest grob mit Star Trek vertraut ist, wird wohl ohnehin kaum folgen können.
Auch die Zugänglichkeit von STO ist Lichtjahre hinter der Konkurrenz: nach dem kurzen Tutorial wird man vom Spiel weitgehend alleine gelassen, Standardvorgänge wie zB der Verkauf von Gegenständen sind mühsam, das Questlog ist eine Zumutung.
Insgesamt wäre STO ein wirklich gutes Spiel - wäre es als Einzelspieler-Spiel konzipiert.
Die von Spielern gesteuerten anderen Raumschiffe in offenen Gefechten könnten ebenso KI-Begleiter sein - einzig PVP-Gefechte würden Monatsgebühren ernsthaft rechtfertigen, sind aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur rudimentär ins Spiel integriert.
FAZIT:
Zum Zeitpunkt dieser Rezension ist vom Kauf von STO eher abzuraten, potenzielle Käufer sollten auf eine Testversion warten. Echte Star Trek - Fans schlagen ohnehin zu, und werden wohl trotz der Makel auf ihre Kosten kommen; wer regelmäßig mit einem Freund spielt, kann sicher ebenso Spaß haben - sofern er nicht allzu oft spielt, denn viel gibt es leider nicht zu tun.
Ansonsten erinnert STO stark an SPORE: man hat zwar viele Möglichkeiten, seine Kreativität auszuleben, aber wenige, die Produkte derselben dann im Spiel einzusetzen.
Um dem Spiel etwas abgewinnen zu können ist es fast Pflicht, etwas Phantasie zu besitzen - dann kann man auch über die schwache Präsentation hinwegsehen.