Die wohl grösste Überraschung zum Start der 3. Staffel war die Rückkehr von Dr. Crusher. In einschlägigen Magazinen war damals nachzulesen dass die Rolle der Dr. Pulaski eine zu grosse Eigendynamik und Prominenz entwickelt hatte, also holte man Gates McFadden als wesentlich weniger beteiligte und eigenständige Schiffsärztin zurück. Angeblich war dieser Entschluss so kurzfristig, dass die Drehbuchautoren ständig alles umschreiben mussten, um Dr. Crusher wieder "einzuarbeiten", was zeigt, wie sehr die beiden Charaktere sich voneinander unterschieden. Auch auf den zweiten Blick hatte sich etwas getan, so waren z.B. die Uniformen jetzt Zweiteiler und keine "Strampelanzüge" mehr. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander waren gefestigt und man freute sich schon darauf, wie es denn nun weitergehen sollte.
Die 3. Season bietet meist solide bis sehr gute Folgen, so "Die Macht der Naniten" (Kernthema Ethik: Wesley erschafft unwissentlich eine neue Lebensform), "Der Gott der Minthakaner" (ausgerechnet Picard, der die Oberste Direktive so ernst nimmt, wird von einem weniger hoch entwickelten Volk zum Gott erklärt), "Die Energiefalle" (sehr düster, stimmungsvoll und spannend!), "Auf schmalem Grat" (Handlungsmässig etwa wie 'Enemy Mine' von W. Petersen), "Der Überläufer" (Titel ist Programm), "Die Verfemten" (was tun mit Kriegsveteranen, die zu Killern gedrillt wurden? Brisantes Thema), und "Terror auf Rutia Vier" (leider ein ständig aktuelles Thema: Was ist der Unterschied zwischen einem Freiheitskämpfer une einem Terroristen?), bis hierher alle auf 3.1.
Im 2. Teil der 3. Staffel wären noch "Noch einmal Q", "Die alte Enterprise" (für mich eine der besten STTNG Episoden überhaupt), "Datas Nachkomme" (lustig und traurig), "Picard macht Urlaub" (hier sei nichts verraten), "Der schüchterne Reginald" (amüsant), "Botschafter Sarek" (liess plötzlich alle alten Trekkies auf einen Gastauftritt von Mr. Spock hoffen), sowie "Die Damen Troi" als meine persönlichen Highlights erwähnenswert. Der grosse Paukenschlag zum Schluss war natürlich "In den Händen der Borg", deren Rückkehr als Nemesis der Föderation ja unausweichlich war, da sie nicht geschlagen worden waren. Etwas ernüchtert war ich von dem Cliffhanger, der für Star Trek sehr untypisch war. Die Next Generation hatte an diesem Punkt schon eine eingeschworene Fangemeinde, die auch ohne diesen Kunstgriff bestimmt im Jahr darauf wieder eingeschaltet hätte.Fazit: Insgesamt wieder eine runde Sache, mit Änderungen, Verbesserungen, vielen guten Folgen und auch hier wieder tolles Bonusmaterial. Fünf Sterne.