... unter den Waffen schweigen die Gesetze.... diese etwas abgewandelte Verteidigungsrede von Cicero lieferte sich Admiral William Ross und Dr. Julian Bashir in der gleichnamigen DS9-Episode aus der letzten Staffel der Serie. Wie damals während des Dominionkrieges wird hier eine unglaubliche Schweinerei vertuscht und letzten Endes erhält William Ross' ansonsten - fast so - weiße Weste einen ganz schönen Makel, wenn man bedenkt, wessen Mitglied er zu sein scheint und was er mit dem Föderationspräsidenten und seinen Mitarbeitern anstellt...
Was bisher geschah: In "A Time To Kill" hat der Premierminister Kinchawn auf der blockfreien Welt Tezwa ziemlich große Töne gespuckt um die Klingonen in einen Krieg zu ziehen. Die Föderation hätte sich eigentlich aus dem Disput raushalten können. Allerdings gibt es da ein dickes Problem: Einerseits befindet sich Tezwa genau zwischen den beiden Allierten, was noch egal sein könnte, andererseits befinden sich auf Tezwa Nadion-Impulskanonen, die zur Abwehr des Dominion - und auch der Klingonen, mit denen die Föderation während des Krieges zeitweise erneut verfeindet waren - dienten. Andererseits handelt es sich um Föderationswaffen!!! Der zakdornische strategische Berater Koll Azernal des bolianischen Föderationspräsidenten Min Zife hat diesem das Eingreifen der Enterprise in den Disput geraten. Worf konnte seine Beziehungen spielen lassen und sein altes Schiff an vorderster Front vermitteln lassen. Das Ganze geht total in die Hose: Die Klingonen haben keine Chance gegen die Kanonen und verlieren 6.000 Mann. Das Bombardement des Planeten fordert aber auch viele ziviele Opfer. Zwar gibt Kinchawn nunmehr zwangsweise seinen Posten auf um sich und seine Getreuen neu zu gruppieren, aber damit ist es nicht getan. Die Klingonen wollen den Planeten pulverisieren, die Föderation teilweise verhindern. Sektion 31, die einen Posten auf Qo'noS haben will die Oberfläche ebenfalls vernichten. Nur durch den Einsatz mehrerer Teams können die Beweise notdürftig verdeckt werden und die Klingonen in Schach gehalten. Die Föderation tut so, als würden sie Tezwa annektieren. Riker fällt bei der Aktion in die Hände des Feindes.
So weit, so schlecht. Ein Monat ist seither vergangen. Die Sternenflotte hat ein gewaltiges Truppenkontingent abgestellt aber auch viele zivile Helfer. Ständig gibt es Anschläge mit mehreren Toten. Die Föderation ist häufig das Ziel aber nicht nur und so können sich auch teilweise Kinchawns Anhänger den Eindruck nicht erwehren, dass dieser einen Genozid gegen einen Teil der Bevölkerung plant. Als die Anschläge überhand nehmen, machen LaForge und Peart eine mögliche Basis der Terroristen aus. Der stellvertretende Sicherheitschef geht mit einigen Platoons in das Gebäude und stellt kurzerhand fest, dass er in einer Falle steckt.
Das Ganze endet in einer Katastrophe und ehrlich gesagt ist das nicht nur die in der dramaturgischen Handlung so. Da werden junge hoffnungsvolle Offiziere vorgestellt, die ihr Leben im Dienste einer guten Sache stellen, einer Organisation an die sie glauben und was macht die? Installiert Waffen auf einen Planeten, die eine Flotte vernichten könnten. Diese Organisation weiß davon und könnte warnen, schaut aber nur zu, wie die Allierten ermeuchelt werden. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, will man dort Beweise fingieren, die zu den Tholianern führen könnten, also einer Spezies, mit der man sowieso seit 200 Jahren nicht so ganz grün ist und die außerdem noch gute Beziehungen zum Erzfeind, den Romulanern pflegen! Bei den Tholianern weiß man, dass ein böses "Du, Du, Du" eh ignoriert wird, weil die Spezies nichthumanoid ist und vollkommen fremdartige Verhaltensmuster an den Tag legt. Im Ende wird eh alles im Sande verlaufen. Man lässt dort reihenweise junge Offiziere als Kanonenfutter enden und hilft ihnen nicht einmal. Picard ist da noch der Gipfel in dem Roman. Phaser on stun. Sicherlich präferierte die Föderation bis zu einer gewissen Grenze eine Betäubung gegenüber dem Töten, aber nicht auf die Spitze getrieben wie hier geschehen. Ist der Angriff so heftig, wie während eines Dominioneinsatzes hat man niemals gezögert, shoot to kill zu befehlen! Im Übrigen wurden die feindlichen Truppen eh hingerichtet. Diese chirurgische Kriegsführung bloß keinen der Terroristen zu verletzen führte zu unnötigen Toten unter der Zivilbevölkerung und unter den Helfern. Teilweise verbot man sogar, die Phaser einzusetzen. Und dann noch Ross Verhalten am Ende... Da war Leyton ja noch ein Weichei gegen.
Hier kann ich durchaus mit Perim und Peart mitfühlen, die als einzige meiner Ansicht nach in dem Band am besten wegkommen und genau die folgerichtige Entscheidung treffen.
Wie Mack selbst am Ende zugibt, hat er sich von Filmen, genauer gesagt von der Musik gewisser Filme inspirieren lassen. Und lustigerweise kannte ich den Großteil dieser Filme und hätte genau sagen können, wann der Autor welcher Musik lauschte. Es gab gewisse denkwürdige Szenen, da fühlte man sich z. B. an Aliens erinnert, als Offiziere eine Granate zündeten, weil es keinen Ausweg mehr gab (Lt. Gorman in Aliens), hier wars dann ein Runabout, das abgeschossen wurde.
Erwähnenswert ist auch der Standort des Systems, es befindet sich in der Nähe, wo die Kobayashi Maru vor zweihundert Jahren verloren ging und damit zeigt sich dieselbe ausweglose Situation, die sich damals wiederspiegelte. Schön ist auch, dass die Nähe der ehemaligen delphischen Ausdehnung gezeigt wird, da ein Frachter auf dem Weg nach Azati Prime war!
Fazit bleibt, wir haben einen guten Actionroman mit vielen brutalen und unnötigen Kampfsequenzen und tiefen Einblicken in die Charaktere, viel Verzweiflung von Liebenden (Troi und Riker, Perim und Peart) oder was hätte sein können (Picard, Crusher). Wir haben Intrigen und Verschwörungen mit allem drum und dran bis zur Zeugenbeseitigung. Ein guter Roman, der einem aber teilweise auch viele Bauchschmerzen beschert wenn man an reale Vorbilder denkt...