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Schon der Einstieg in die vierte Season ist ein Hammer: "Angriffsziel Erde". Der in einen Borg verwandelte Picard führt den Feind bis ins Zentrum der Föderation, wo die kybernetischen Lebewesen nur ein Trick davon abhalten kann, die gesamte Föderation in den Untergang zu führen.
Was für ein Staffelauftakt! Wenn die Produzenten nun einen Gang zurückgeschaltet hätten, wäre ihnen niemand böse gewesen. Aber die Macher haben im Gegenteil noch nachgelegt, wie zum Beispiel in der Episode "Das Experiment". Mehr und mehr Besatzungsmitglieder der Enterprise verschwinden spurlos. Doch außer Dr. Crusher scheint sich niemand an die verschwundenen Personen erinnern zu können. Oder "Datas Tag", eine Episode, die ausschließlich aus der Perspektive des Androiden erzählt wird (und nicht mit Selbstironie geizt). Überhaupt Humor: "Gefangen in der Vergangenheit" beweist beispielsweise, dass Humor in der Welt von Star Trek keine unbekannte Größe darstellt. In einer von Q erschaffenen Vergangenheit findet sich Captain Picard plötzlich als Robin Hood wieder. Allein Worf im Grünrock zu sehen, macht diese Episode zu einem Erlebnis!
Für den Autor dieser Kritik stellt jedoch die von Jonathan Frakes brillant und dabei doch unaufdringlich inszenierte Episode "Das Standgericht" den Höhepunkt der Staffel dar: Als an Bord der Enterprise ein Spion entdeckt wird, wird eine Kommission unter Vorsitz von Admiral Satie (Jean Simmons) eingerichtet. Diese ist davon überzeugt, dass der Spion einen Helfer gehabt haben muss, und so gerät der junge Techniker Tarsis ins Visier der Ermittlerin. Als sich herausstellt, dass Tarsis zu einem Viertel Romulaner ist, steht seine Verurteilung fest. Picard jedoch setzt sich für den jungen Mann ein -- und findet sich plötzlich selbst als Verdächtiger vor der Kommission wieder!
Die Föderation ist kein Hort der Heiligen. Sie ist in sich widersprüchlich -- und nicht unbedingt tolerant, wenn es um ihre Feinde geht. Selbst wenn diese Feinde gar keine sind. Welche eine Episode! Und eine klasse Staffel dazu! --Christian Lukas
Gleichzeitig wurden auch neue interessante Langzeitplots gestartet, wie z.B. O'Brien's Hochzeit oder die Cardassianer. Wil Wheaton alias Wesley Crusher verließ die Serie. Er sollte in späteren Seasons aber noch ein paar Mal wieder auftauchen. Auch Denise Crosby (Tasha Yar) war in der 4. Season wiederzusehen. Dieses Mal als Romulanerin Commander Sela, was gleichzeitig der Cliffhanger zur 5. Season sein sollte.
Auch in der 4. Staffel ist die DVD-Box nicht perfekt geworden. Wie in den ersten drei Seasons ist die dt. Fassung wieder nur in Mono verfügbar. Die Originalfassung im 5.1 upmix zeigt wie zuvor seine Stärke insbesondere bei Kampfszenen. Die gelegentlichen Unschärfen im Bild treten nur noch vereinzelt auf. Das fast 100-minütige Bonusmaterial besteht wieder nahezu ausschließlich aus Interviews. Zur Abwechslung wären ein paar Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen oder "making ofs" ganz nett gewesen. Auch ein paar "Pannen & Outtakes vom Dreh" (z.B. der Gag von Stewart "Ich bin Locutus von den Borg. Haben Sie je daran gedacht, sich einen Pontiac zu kaufen?") hätte ich gerne mal gesehen. Andererseits sollte man für das sehr üppige Bonusmaterial mehr als dankbar sein - und das bin ich auch.
Leider hat es auch in diesem Jahr wieder nicht geklappt, bei allen Episoden den Kapitelsprung ans Ende des Vorspanns zu legen. Bei ingesamt 5 Folgen muss dies über den Suchlauf erledigt werden. Die "Spacemiles" sind im Juni 2003 ausgelaufen und somit wertlos.
Fazit:
Wieder ein TOP-Inhalt auf einer noch nicht ganz perfekten DVD-Box! Bei meinen absoluten Höchst-Maßstäben in Bezug auf Star Trek reicht es dabei immer noch nicht für 5 Sterne. :)
Die Folgen werden diesmal im DVD-Menü nicht wieder überkreuz wie in Staffel 3 angewählt, sondern klassisch (und übersichtlich) von oben nach unten. Von der Bildqualität her gibt es dieses mal kaum etwas zu meckern, Farbtreue sowie Helligkeitsgrad sind einwandfrei, Kompressions-Artefakte sind selbst auf großen Fernsehern kaum auszumachen. Einzig die Bildschärfe könnte noch ein wenig höher sein, aber mit entsprechender Einstellung am DVD-Player / TV lässt sich auch dieses Problem aus der Welt schaffen, sehr schön. Soundtechnisch hingegen dürfen sich wieder nur die englischsprachigen Käufer über den satten Dolby Digital 5.1-Mix freuen, die restlichen Tonspuren (Deutsch, Französich, Spanisch, Italienisch) dümpeln weiterhin auf dem niedrigen Niveau der Vorgänger-Box, immerhin kann man sich dank der zahlreichen Untertitel die Serie problemlos im Original-Ton geben. Erfreuliches hingegen lässt sich bei den Extras finden: Die bislang gewohnten 4 "Making-Ofs" wurden auf mehrere spezialisierte Movies aufgeteilt und um weitere Inhalte ergänzt, so dass man diesmal knapp 90 anstatt 60 Minuten an Bonus-Material bekommt, klasse.
Inhaltlich macht die aktuelle Staffel wieder mal einen qualitativen Sprung nach oben. Hatte Staffel 3 schon ein durchgehend ordentliches Niveau mit einer handvoll Top-Episoden zu bieten, bringt die vierte Staffel fast eine erstklassige Folge nach der anderen auf dem Bildschirm. Für jeden ist etwas dabei: Effektfreaks freuen sich auf den Season-Opener "The Best of Both Worlds II", Fans spannender Stories werden mit "Future Imperfect", "The Mind's Eye", "Remember Me" oder "Clues" glücklich, das exzellente "The Drumhead" (Regie: Jonathan Frakes) gibt sich hingegen sogar ernst und gesellschaftskritisch. Mit das Highlight der Staffel ist aber das herrlich alberne "Qpid", in dem Picard und Co. in Strumpfhosen durch das Mittelalter Englands stampfen und die Geschichte von Robin Hood mehr oder minder akkurat nachspielen müssen.
Man merkt deutlich wie eingespielt die Schauspieler mittlerweile sind und sich mit ihren Rollen identifizieren, so daß neben dem gewohnt hervorragenden Patrick Steward auch der Rest der Crew desöfteren Top-Leistungen bringt (irgendwas muss einfach stimmen, wenn es sogar eine gute Episode mit Gates McFadden (Dr. Crusher) in der Hauptrolle gibt :). Natürlich befindet sich hier und da mal ein durchschnittlicher Ausreisser zwischen den guten Folgen ("Legacy","Final Mission"), und einige der stark charakterbezogenen Episoden können sich manchmal arg strecken, was man aber angesichts der notwendigen Charakter-Entwicklung locker in Kauf nehmen kann. Als Finale gibt es wieder einen Cliffhanger, welcher vielleicht nicht ganz so nachhaltig wie der Borg-Schocker des vorherigen Jahres wirkt, aber dennoch mit Spannung auf die nächste Staffel warten lässt.
Insgesamt gesehen gibt es abgesehen von der deutschen Tonspur nichts an der 4rten TNG-Box zu mäkeln. Inhaltlich top, einwandfreies Bild und englischer 5.1-Sound sowie mehr Bonusmaterial als je zuvor. Kaufen, anschauen und die Tage bis zu Box Nummer 5 zählen.
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