Die Dauerwiederholungen der klassischen Serie haben nicht nur eine erfolgreiche Kinofilmreihe ermöglicht, sondern auch 1987 eine neue Serie. Darauf warteten Star Trek Fans in aller Welt. Doch die Serie wurde nicht gerade von allen erfolgreich aufgenommen. Die alten liebgewonnenen Charakteren waren nicht mehr dabei, die Star Trek zu dem gemacht hatten, was es war. Und so splittete sich - wie bei jeder weiteren Star Trek Reihe - in Anhänger und jenen, die die Reihe abtaten.
Star Trek TNG oder The Next Generation markierte eine neue Ära. Über 100 Jahre nach der klassischen Serie bzw. 78 Jahre nach dem damals natürlich noch nicht bekannten Star Trek VII ging die neue Enterprise mit der Registriernummer NCC-1701-D im 24. Jahrhundert auf ihre Jungfernfahrt. Kurz nach Verlassen des Raumdocks hatte Captain Jean-Luc Picard (ein Novum: ein französischer Captain in einer amerikanischen Serie, dargestellt von einem britischen Schauspieler, der aufgrund eines fehlenden Toupets älter als Shatner anmutete, aber jünger war: Ex-Shakespeare-Mime Patrick Stewart vor Star Trek: "Der Wüstenplanet", "Excalibur", danach: "Das Gespenst von Canterville", "Moby Dick"...) nicht einmal alle seine Offiziere an Bord. Von seiner Kernbesatzung waren lediglich Lt. Cmdr. Data (Brent Spiner nach Star Trek: "Independence Day", der innerhalb Star Trek fast seine gesamte Familie darstellte, nämlich Data, seinen Bruder Lore, seinen Erbauer Soong, B4 in Nemesis und Soongs Vorfahren Arik in Enterprise), der einzig bekannte Androide in der Föderation, der von dem genialen, aber etwas verschrobenen Dr. Noonien Soong erschaffen wurde, Sicherheitschefin Lt. Natascha Yar (Bing Crosbys hübsche Enkelin Denise "Friedhof der Kuscheltiere", "Trekkies I", "Trekkies II"), der empathischen Counselor Deanna Troi (Marina Sirtis "The Wicked Lady") und Lt. j. g. Worf (Michael Dorn, später auch als "Worf" in "South Park" aufgetreten), dem einzigen Klingonen in der Sternenflotte an Bord. Die Offiziere in weiteren Schlüsselpositionen sollten bei Farpoint Station abgeholt werden: Nämlich Cmdr. William T. Riker (Jonathan Frakes "Fackeln im Sturm"), Dr. Beverly Crusher (Gates McFadden) und dem blinden Geordi LaForge (Roots-Star LeVar Burton), der sinnigerweise in den ersten Episoden noch den Navigator mimte, weil er durch seinen Visor z. T. besser sehen konnte (bspw. Energiewellen) als jeder andere Mensch. Mit an Bord war bereits der allseits beliebte Miles Edward O'Brien (Colm Meaney "Fish and Chips"), der nach über 4 Staffeln TNG in DS9 zur Hauptfigur wurde und somit beide Serien von Anfang bis Ende (in TNG mit längerer Pause, da er erst wieder in der Endepisode zu sehen war) mitgespielt hatte. Weitere wiederkehrende Rollen im Starfleetpersonal waren Lt. Reginald Barclay (Dwight Schultz, der seine Rolle aus dem A-Team charakterlich eigentlich 1 : 1 in TNG übernommen hat) und die Krankenschwester Alyssa Ogawa, beide waren übrigens sogar in den Kinofilmen VII (Ogawa) und VIII (Ogawa, Barclay) zu sehen. Der Posten des Chefingenieurs war noch nicht fest vergeben. In den ersten Folgen wechselten die Darsteller hierfür ständig, u. a. war Lt. Cmdr. Argyle, eine Art Scotty-Verschnitt, einer der Darsteller hierfür bis LaForge die Rolle dauerhaft übernahm.
Kurz bevor die Enterprise Farpoint Station im Pilotfilm erreicht, wird sie von einer Energiebarriere aufgehalten. Der allmächtige Q (John DeLancie) hält sie auf und verurteilt die Menschen als barbarische Rasse und will die weitere Raumfahrt verhindern. Die Menschen sollen beweisen, dass sie nicht die Barbaren sind, die sie einst waren. Farpoint Station ist als Test hierfür geeignet. Die Basis ist auf höchstem technischen Niveau und das von einer Spezies, die ansonsten technisch unterentwickelt ist...
Der Pilotfilm bildete den Grundstein der Serie. Zum Einen wurden die Charakteren vorgestellt, so erfuhr man, dass Picard nicht wohl in der Nähe von Kindern fühlte (und witzigerweise Wesley Crusher, den Spross der Ärztin aufgehalst wurde, dessen Vater bei einem Einsatz unter Picards Kommando umkam) und dass Riker und Troi früher ein Pärchen waren. Überraschender Höhepunkt war ein Gastauftritt von Admiral Dr. Leonard McCoy (DeForest Kelly), der aus Dank für seine Rolle in Classic für Gene Roddenberry seinen Part als fast 140jähriger übernahm! Obwohl die klassischen Darsteller des Scotty (James Doohan) und sogar Spock (Leonard Nimoy) und Sarek (Mark Lenard) im Laufe der Zeit Gastrollen übernahmen, so konnte die Reihe sehr gut ohne die Unterstützung der klassischen Crew auskommen.
An sich gab es einige Unterschiede zur klassischen Reihe, auch wenn die ersten Episoden wie ein zweites Classic anmuten, was Kulissen etc. angeht: Captain Picard war ein erfahrener Offizier und Diplomat während Kirk ein Haudrauf war, der dank seines jugendlichen Charmes auch immer in Action war. Diesen Part, auch die des Frauenlieblings, übernahm jetzt der erste Offizier Riker. Während Kirk immer an vorderster Front war, blieb Picard meistens an Bord. Das änderte sich jedoch nach und nach. Das Schiff war größer und luxuriöser. Das Besondere war jedoch auch: Während TOS auch mitten in der Serie angeschaut werden konnte, da es kaum eine Kontinuität gab, war die Reihe TNG kontinuierlicher. Es gab zwar auch überwiegend Einzelepisoden, diese hatten aber oft Bezüge zu damaligen Episoden. Und da der Hauptcharakter der Lt. Yar in der ersten Staffel starb, konnte man nicht einfach die Episoden durcheinander bringen. Insgesamt konnte man jedoch sagen, dass die Reihe das fortführte, was TOS begonnen hatte: Die Bösewichter waren nicht nur böse, sondern konnten auch ihre guten Seiten oder ihre Gründe für ihre Handlungen haben. Das war in TOS auch schon so (vgl. die Gorn), auch wenn einige Gegner damals eindimensional dargestellt wurden. Dies baute TNG aus. Die Kultur der Klingonen wurde gerade in TNG ausführlichst dargestellt. Die Romulaner blieben auch weiterhin rätselhaft. Sieben Jahre lang, 178 Episoden, reiste die Enterprise dorthin wo niemand zuvor gewesen ist, lernte neue Kulturen und neue Zivilisationen kennen und neue, bedrohliche Gegner, wie beispielsweise die Borg. Diese haben im grandiosen Zweiteiler "The Best of Both Worlds I und II" mit Hilfe einer Assimilierung Picards 39 Schiffe mit 11.000 Crewmitgliedern zerstört. Die Nachwirkungen davon hat Picard nie so richtig verwunden (vgl. Star Trek VIII). Außerdem waren ihm seither nicht mehr alle freundlich gesonnen (vgl. DS9 Pilotfilm, in dem die Schlacht bei Wolf 359 ansatzweise zu sehen ist).
Nun liegt also - nach 20 Jahren - eine komplette DVD-Box vor. Das hätte einen Star Trek Fan vor einiger Zeit noch Freudentränen in die Augen getrieben. Und angesichts der damaligen Preise für VHS und DVD-Boxen ist das eine doppelte Freude für 49 DVDs, die an sich nicht schlecht aussehen, auch wenn die Aufmachung der Box sehr preiswert aussieht.
Aber kaum ein Fan wird sich die Box kaufen und so wird sie dann irgendwann in der Unendlichkeit des Alls verschwinden... Der Grund hierfür ist offensichtlich: Die Fans haben bereits bei den silbernen Boxen zugeschlagen, als sie teuer erschienen. Dann kamen die Boxen viel preiswerter heraus, worüber sich die bisherigen Käufer ärgerten. Dann gab es sie nach langer Zeit in Halbstaffelboxen, jetzt wieder in Staffelboxen. Nun kommt diese Box heraus, während Paramount/CBS mit einer Neuversion und verbesserten SFX wie bei TOS liebäugelt. Wer will und kann so viele Versionen kaufen??? Der Zug ist abgefahren. Nur wer die Serie noch nicht hat, sollte jetzt zuschlagen oder warten bis die nächste Aufmachung erscheint. Denn die kommt bestimmt. Nur für ein 20jähriges Jubiläum ist die Aufmachung in grünen Plastikboxen ohne luxiuriösere Aufmachung etwas erbärmlich. Das hatten andere Serien aber besser hingekriegt, bspw. B5...
Wegen der Serie und des Preisleistungsverhältnisses gibt es fünf Sterne. Allerdings keinen für die Einfallslosigkeit mit der Paramount vorgeht und die Dreistigkeit mit der der Fan gemolken werden soll...