"Herr der Schatten" ist ein grundsätzlich spannender Abenteuerroman: Die Enterprise befördert einen Prinzen, der die Thronfolge auf einem Planeten antreten soll, der sich etwa auf dem technischen Stand des frühneuzeitlichen Japans befindet, vom Übergang einer in sich gekehrten Feudalgesellschaft zur Modernisierung und Öffnung. Der Prinz hat auf der Erde gelernt und soll nun seine Welt in eine neue Ära der Modernität führen. Der Prinz, Spock und Sulu werden nach dem Eintreffen im Palast jedoch in eine Palastrevolte konservativer Kräfte verwickelt und müssen fliehen -- mit dem Schwert in der Hand schlagen sie sich auf einer Welt durch, die vom europäischen Rittertum und dem Japan der Shogune und Samurais inspiriert ist.
Wer sowohl solche Abenteuergeschichten mag, als auch Star Trek, wird sicher auf seine Kosten kommen: Die Geschichte ist kurzweilig, die Beschreibung der Kultur gelungen und auch an Action fehlt es nicht.
Der große Schwachpunkt ist jedoch, dass der Star Trek-Aspekt zu kurz kommt: Nur im ersten und letzten Kapitel treten Kirk, McCoy, Uhura, Scotty und Chekov auf. Den Hauptteil des Romans über steht vor allem der Prinz im Mittelpunkt. Zwar wird er von Spock und Sulu begleitet, jedoch sind deren Rollen sehr austauschbar. Man wird das Gefühl nicht los, der Autor habe eigentlich einen Roman über die japanische Neuzeit schreiben wollen und sich am Ende kurzerhand dazu entschieden, daraus einen Star Trek-Roman zu machen und Spock und Sulu notdürftig dazugeschustert. Jedenfalls ist der Star Trek-Anteil sehr austauschbar und hält sich im Hintergrund.
Nette Unterhaltung ist "Herr der Schatten" also durchaus - nur warum ist er ausgerechnet als Star Trek-Roman erschienen?