Ob es nun eine besonders gute Idee der Paramount-Gewaltigen war, die "goldene Kuh" namens "Star Trek-The Next Generation" zu schlachten, um mit ihrer Crew die Star-Trek-Kinofilme fortzusetzen, bleibt Ansichtssache. Keine schlechte Idee und eigentlich zwangsläufig war die Wahl des Komponisten. An Dennis McCarthy, der die Serie sieben Jahre lang musikalisch betreut und über 90 Folgen vertont hat, führte kein Weg vorbei - ohne ihm und seiner Arbeit gegenüber unfair zu sein. Die Fairness zahlte sich insoweit aus, als McCarthy mit seinem Score für 95 Musiker plus Chor plus Synthesizer eine grundsolide Arbeit abgeliefert hat, die zwar nicht an die brillanten Musiken zu den Teilen I, II und V heranreicht, aber ihren Vergleich auch nicht zu scheuen braucht.
Die originären (und durchaus originellen) Elemente der Musik McCarthys liegen dort, wo es ihm gelungen ist, die von ihm für die Serie entwickelten Manierismen in verbesserter Form auf den Film zu übertragen; es sind Momente von "Sphärenmusik", in denen er Chor, Orchester und Elektronik zu einem "Klangteppich" verwebt, der in seiner ätherischen Atmosphäre Spannung erzeugt, ohne in klischeehafte New-Age-Romantik zu verfallen, Höhepunkt dieser Schiene ist der siebenminütige "The Nexus/A Christmas Hug". Harfenglissandi, Glockenspiel und Chor schaffen eine Weltraumatmosphäre in der Art von "Neptun", dem letzten und brillantesten Satz in Gustav Holsts Orchestersuite "The Planets" (1926), ohne diesen oft zu zitieren. Kein Werk der klassischen Konzertliteratur wurde so oft in Filmmusiken kopiert (und verballhornt) wie die Partitur des Engländers. In den Actioncues der Musik (vor allem: "Kirk saves the day" und "The Final Fight") hat dann auch unüberhörbar "Mars", der erste und bekannteste Satz aus dem Holststück als Temp-Track gedient, Beweis für die Kleingeistigkeit und musikalischen Einfalt der Hollywood-Produzenten. Doch auch hier macht McCarthy aus seiner Not eine Tugend; immer wieder durchbricht er den vertrauten Rhythmus (seinerzeit von Bill Conti in "Masters of the Universe" noch zum alleinigen Prinzip erhoben) zugunsten eigener Motivik und unter Einbezug seines eigenen Hauptthemas (einer Fanfare, was denn sonst!) zu Teil VII. So vermeidet er, daß bei dem achtminütigen "Final Fight" Langeweile aufkommt. Letztlich kann er sich dem übergroßen Schatten Holsts auch nur zum Teil entziehen; schade eigentlich, denn die Originalität seiner Sphärenmusik hätte eines ebensolches Pendant in den Actionsequenzen verdient gehabt. Es gibt einige rein funktionale und in Untermalungsklischees verharrende Stücke wie "Coming to Rest" und "The Two Captains", doch insgesamt wird die CD die Fans von Hollywoods opulenten Orchestertableaus solide unterhalten.
McCarthy empfiehlt sich auf jeden Fall für weitere Aufträge, bei denen ihm hoffentlich von den Produzenten in Zukunft ein größerer kreativer Freiraum eingeräumt wird. Ergänzt wird die CD mit 15 Minuten Soundeffekten aus dem Film; die Phase Beams, Transporter- und Warp-Geschwindigkeitsgeräusche sind sicher etwas für alle Trekkies, zumal sie bei entsprechender Lautstärke die Boxen zum Platzen bringen dürften.