Nachdem 1991 der letzte Spielfilm mit der leicht gealterten Original-Crew in den Kinos lief, überlegte man sich, nach Abschluß der 'Next Generation'-Serie, die Fackel nun weiterzureichen.
Und da wären wir auch schon beim Thema dieser Box angekommen. Auch die neue Crew unter Captain Picard hat es auf immerhin vier Abenteuer von mal minderer und mal unerreichbarer Qualität gebracht.
Doch um den Übergang zwischen der alten und der neuen Crew perfekt zu machen, mußten sich die zwei Captains natürlich irgendwie über den Weg laufen... und das, obwohl mehr als ein dreiviertel Jahrhundert zwischen den beiden liegt. Ein temporaler Nexus, in dem die Zeit relativ ist, machts möglich. Nachdem Kirk während der Rettung der Enterprise-B von diesem Energieband verschlungen wird und später auch Picard von diesem einverleibt wird (er versucht sogar ein ganzes Sonnensystem vor der Vernichtung zu bewahren), ist für die zwei der Zeitpunkt gekommen, an dem sie sich gegenüber stehen... und nebenbei noch das Univerum retten. Nun ja, der ganz große Erfolg ist es nicht geworden, doch Spaß macht der Film allemal. Nachdem sie sieben Jahre Serie durchgehalten hat, schafft es die neue Crew nun doch endlich die Enterprise-D zu demolieren (mit Deanna Troi am Steuer... Tolle Leistung, übrigens!) und Kirk darf ein letztes Mal den Bösewicht verhauen. Größter Negativpunkt ist natürlich der absolut unfähige Captain der Enterprise-B. Also Entschuldigung liebe Autoren, soll das auch so ein Superheld auf der Akademie gewesen sein, wie Kirk im neuen Film? Einer der nach drei Jahren Akademie und einem Einsatz zum Captain ernannt wird und das Flaggschiff der Föderation befehligen darf? Nein, wirklich nicht. Ich hoffe doch einfach mal, daß der Typ nur der Bordkoch war, der sich wichtig machen wollte und der eigentliche Captain erst am Dienstag kommen sollte.
Aber im nächsten Abenteuer und dem absoluten Highlight der 'Next Generation'-Crew wurde alles richtig gemacht, was man richtig machen konnte. "Der erste Kontakt" hat Spannung, Humor, Action, Romanzen, sogar ein wenig Horror, ja, so wird's gemacht: Sie sind wieder da. Und Widerstand ist zwecklos. Die gesamte Föderation beugt sich der geballten Feuerkraft des kubusförmigen Schiffes, das sich auf direktem Kurs zur Erde bewegt. Die gesamte Föderation? Nein! Ein kleines Raumschiff, das eigentlich an der Grenze zur romulanischen Neutralen Zone patroullieren soll, leistet erbitterten Widerstand. Und tatsächlich schafft es Captain Picard mithilfe seines Insider-Wissens den Kubus zu vernichten. Doch eine Borg-Sphäre rettet sich und rast nun der Erdvergangenheit entgegen, um so die Geschichte zu verändern. Die Crew der neuen Enterprise muß dies um jeden Preis verhindern. Commander Riker-Darsteller Jonathan Frakes führte hier zum ersten Mal bei einem Kinofilm Regie, doch was er erschaffen hat, sprengt jede Grenze. Dieser Film ist eindeutig der beste der neuen Crew und vielleicht sogar der beste "Star Trek"-Film überhaupt, denn hier bleibt einem keine Zeit Luft zu holen. Ein Höhepunkt jagt den nächsten und Frakes dreht mächtig an der Spannungsschraube, bis zum atemberaubenden Showdown.
Leider konnte Jonathan Frakes beim nächsten Film "Der Aufstand" nicht an den Erfolg der vorangegangenen anknüpfen. Allzu seicht ist die Story und auch der Bösewicht bleibt relativ blass: Die Enterprise-Crew versucht die Bewohner eines Planeten, dessen merkwürdige Strahlung die Eigenschaften eines Jungbrunnen besitzt, vor einer Rasse zu schützen, die diese Strahlung für sich nutzen will. Doch auch die Föderation hat ihre Finger im Spiel und die Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht verschwimmen zusehends. Die Regie des Filmes ist handwerklich natürlich sehr gut gemeistert, doch der Funke will nicht so recht überspringen. Die Spannungsbogen bleibt leider relativ flach, doch dafür kommt der Film um einiges lockerer rüber als die vorangegangenen. Der Hang zur Selbstironie ist schwer zu übersehen, so z.B. wenn Riker die Enterprise mit Hilfe eines einfachen Joysticks durch schwierige Manöver bewegt. Was bleibt ist ein guter Film mit etwas fadem Nachgeschmack.
Und dann kam Stuart Baird, ein Mann, der mit Sicherheit ein guter Action-Regisseur ist, aber keine Ahnung von "Star Trek" hatte und hat. "Star Trek" ist mehr als Schießereien und Geballere, sondern eine Botschaft einer besseren Zukunft. Wo man dem "Ersten Kontakt" noch das Herz ansah, mit dem er hergestellt wurde, sieht man bei "Nemesis" nur die Schwärze des Weltalls. "Nemesis" ist sehr düster geraten: Der romulanische Senat wird ermordet und Shinzon ernennt sich zum neuen Praetor. Das Pinkante daran: Shinzon ist ein Klon Jean-Luc Picards. Und dieser will Rache an Picard und an der Menschheit... um jeden Preis. Der Showdown, der sich eigentlich über die komplette zweite Stunde des Filmes erstreckt, ist natürlich eine tricktechnische Augenweide, z.B. wenn die Enterprise die Scimitar rammt (mit Deanna Troi am Steuer... Tolle Leistung, mal wieder), doch leider fehlt dem kompletten Film der Charme und die Seele, die eben einen wirklich guten "Star Trek"-Film ausmachen. Und so hat es Stuart Baird geschafft, die ungeschriebene Regel, daß die guten Filme immer eine gerade Zahl haben, mit "Star Trek 10" ad absurdum zu führen.
Und so verlassen uns die Helden der "Next Generation" leider nicht mit dem Höhepunkt, den sie nach fast 20 Dienstjahren eigentlich verdient hätten.
Zur Blu-ray: Das Bild ist sternenklar geworden. Schärfe und Kontrast sind unübertrefflich und hier sieht man endlich wie schwarz das Weltall wirklich ist. Der Ton liegt in englisch jeweils in Dolby Digital 7.1 True HD vor. Beim deutschen Ton ist es leider nur Dolby Digital 5.1 geworden, doch der knallt mächtig. Wenn beispielsweise bei 'Generations' die Enterprise teilweise auf dem Planeten abstürzt bricht ein echtes Soundgewitter los. Für alle denen das nicht reicht, gibt es aber deutsche Untertitel.
Bei den Extras hat man sich auch wieder richtig ins Zeug gelegt. Es gibt wie schon bei der Classic-Kinofilm-Reihe sämtliche Extras der DVD-Special Editions, inklusive der Audiokommentare. Als neues Bonusmaterial sind jeweils ein neuer Audiokommentar, neue Dokumentationen in HD (zusammengerechnet ungefähr drei Stunden) und eine Computer Datenbank zu jedem Film an Bord. Bei dieser Computer Datenbank kann man sich während des Films Informationen über die Schiffe, Personen usw. anzeigen lassen, doch leider ist dies nur in englisch möglich.
Zusammengefaßt gibt es Dokumentationen, Geschnittene Szenen und Trailer mit insgesamt weit über 15 Stunden Laufzeit, außerdem die ingesamt 9 Audiokommentare und die Computer Datenbak. Mithilfe von BD-Live lassen sich auch noch weitere Features herunterladen.
Weiterhin gibt es eine zusätzliche Disc mit dem Titel "Star Trek - Die Evolution", auf der sechs weitere Dokumentationen zu finden sind, u.a. zu den "Star Trel"-Bösewichten und der Evolution der Enterprise. Und es gibt ein interaktives Feature mit dem Titel 'Entwurf der letzten Grenze'.
Nur auf die informativen Textkommentare von Michael Okuda müssen wir leider wieder verzichten.
Fazit: Eine gelungene Umsetzung der vier "Star Trek"-Filme mit der 'Next Generation'-Crew, die eigentlich keine Wünsche offenläßt. Natürlich 5 Sterne!
P.S.: Der FSK-Würfel, der scheinbar von Luzifer höchstpersönlich designt wurde, ist hier übrigens nur als Sticker aufgeklebt und kann mühelos entfernt werden. Stellt sich nur die Frage, warum das bei der Collection mit den alten "Star Trek"-Filmen nicht möglich war und er da unbedingt aufgedruckt werden mußte.