Peter David hat mit "Heldentod" eine Borg-Geschichte geschrieben, die den bisher besten Roman in Cross Cults TNG-Reihe darstellt und den Borg eine willkommene, seit Einführung der Borg-Königin in "Der Erste Kontakt" längst überfällige weitere Stufe in ihrer Evolution erklimmen und sie somit endlich wieder uneingeschränkt beängstigend erscheinen lässt.
Die Borg haben sich nach ihrem kleinen, niedergeschlagenen Aufbegehren in "Widerstand" wieder gesammelt und mithilfe von "alten Verbündeten", die sich bislang sehr zurückhielten--diese Mechanik wird hoffentlich in der "Destiny"-Reihe zumindest ein wenig eingehender behandelt--die nahezu garantierte Chance, der Erde den Garaus zu machen. Einem vermeintlich unbesiegbaren Gegner kann die Enterprise nur mit einer vermeintlich unbesiegbaren Waffe entgegnen, und so entscheidet Captain Picard entgegen aller Befehle, solch eine Waffe zu finden.
"Heldentod" lebt natürlich von seiner Action-Story, die im Vergleich zu "Widerstand" weitaus origineller und beeindruckender ausgefallen ist, aber Peter David setzt auch sehr guten Fokus auf verschiedene Konflikte, die bei der Betrachtung sowohl der Borg als auch der Sternenflotte in den Sinn kommen. So geht es um Loyalität und blinden Befehlsgehorsam, Pragmatismus und Idealismus, Logik und Ideologie. Stimmen in anderen Rezensionen, die das (vage ausgedrückt, um keine Spoiler in die Welt zu setzen) tragische Ereignis auf der Enterprise für unlogisch oder unmöglich halten, möchte ich entgegensetzen, dass die gesamte Lebensspanne dieses Ereignisses von diesen personellen und systemischen Konflikten genährt und ausgespielt wird, auch wenn sie etwas unerwartete aber sinngemässe Konsequenzen hat.
Was soll ich zu der neuen Geschmacksrichtung der Borg sagen? Die Borg sind mit ihren neuen Methoden endlich wieder interessant. Obwohl ihre (Weiter?)Entwicklung die Borg wieder näher an den Status des Mysteriums führt, das sie in den ersten beiden Auftritten in der Fernsehserie waren, beschreibt mir David in "Heldentod" zugleich zuviel und zuwenig der neuen Vorgehensweise dieser Rasse. Er hat einen Mittelweg eingeschlagen, der genügend Sinn macht, um die Borg nicht komplett mysteriös erscheinen zu lassen, hält sich mit seinen Ausführungen aber so bedeckt, dass es als Leser ab und an frustrierend ist, die neue Mechanik verstehen zu wollen aber nicht zu können. Für dieses Manko entschädigt hoffentlich die "Destiny"-Trilogie.
Die neuen Offiziere, die im dritten TNG-Band, "Quintessenz", vorgestellt wurden, kommen hier zu guten Einsätzen, wenn ihnen vom Autor auch unheimlich einseitige Ziele verschrieben wurden. Die anderen Gaststars aus zwei nicht-TNG-Serien--Seven of Nine, die nach dem Gerede über sie in "Widerstand" nun tatsächlich eine Hauptrolle spielen darf, und eine andere, sehr beliebte Figur, die für mich einen komplett unerwarteten aber umso bedeutungsvolleren Auftritt hinlegt--sind von Peter David sehr gut gezeichnet und schaffen eine gute Balance zu den Nebenfiguren der Enterprise-Besatzung. Der titelgebende Heldentod steht zum Rest der Geschichte leider etwas im Hintergrund, was für die Figur, die ihn stirbt, aber eine zynische Lehre bedeuten mag.
Trotz kleiner Tücken ist "Heldentod" ein Roman, der mitreisst, und um Längen der bisher beste der TNG-Serie seit dem letzten Kinofilm. Während ich mich beim Lesen von "Widerstand" noch ständig mit dem Hintergedanken "nicht schon wieder die Borg" herumschlagen musste, war ich beim Lesen von "Heldentod" Seite um Seite daran interessiert, was als nächstes passieren würde, und stets von der Weiterentwicklung der Borg sowie von den persönlichen und personellen Konflikten auf der Enterprise beeindruckt.