Kleine Anekdote als Aperitif: Als ich mir vor wenigen Tagen eine alte Star Trek: Deep Space Nine-Folge in den Player schob, um das Einschlafen so unterhaltsam wie möglich zu gestalten, weckte ich doch unbedacht süße Erinnerungen an eines der stimmungsvollsten Spiele, die mir als Trekkie je untergekommen waren. Die Raumstation als Dreh- und Angelpunkt im Orbit, das arme Bajor, das die Fesseln der Ünterdrücker just abstreifen konnte und diplomatische Ränkespielchen, wie ich sie als kleiner Intrigant stets zu inszenieren wusste. Der feige Ferengi mit dem bezaubernden Lächeln inspirierte mich doch tatsächlich, noch einmal in Microprose Birth of the Federation (BotF) hineinzuschnuppern ...
Und schnell wurde offensichtlich, weshalb es mich damals so zu begeistern vermochte. Dabei spotten die taktischen Möglichkeiten heute wahrscheinlich jeder Beschreibung rundenbasierter Strategiespiele, da sie so überschaubar sind. Was BotF stattdessen kann, ist echtes Star Trek-Flair zu schüren, und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Jede der fünf Großmächte des Quadranten hat ihr ganz eigenes Interface, von Einheiten und Gebäuden ganz zu schweigen, das speziell an deren Darstellung im Geschehen um Deep Space Nine angelehnt ist. Romulaner operieren vor allem aus dem Verborgenen heraus, was nicht nur ihre wohlweislich gut getarnten Warbirds, sondern auch ihr ausgefeilter Geheimdienst untermauern. Der Föderation werfen sich die kleineren Rassen nur so an den Hals, was ein schnelles Wachstum garantiert. Cardassianer sind Meister der Tyrannei und wissen, für Ruhe und Ordnung auch in rebellierenden Systemen zu sorgen. Die Ferengi sind natürlich auch in BotF scharf auf's Latinum und überaus zahlungskräftig, was ihre vergleichsweise schwachen Schiffe wettmacht. Und Klingonen erweisen sich als äußerst missmutig und launisch, wenn man nicht regelmäßig einen Streit vom Zaun bricht, der die Birds of Prey zu Schwärmen ins All ruft. Jede Rasse genießt also ihre ureigenen Vorzüge, die es gerade auf höherem Schwierigkeitsgrad auszuspielen gilt - nicht zuletzt der Abwechslung zuliebe.
Dabei können sämtliche Parameter von Grund auf selbst festgelegt werden. Dazu gehört der Stand der Forschung, der seinerseits bestimmt, welche Schiffe und Gebäude euch zur Verfügung stehen, ob es Zufallsereignisse geben soll und wieviel kleinere Rassen auf der zufallsgenerierten Karte verteilt werden. Auch die haben eigene Vorlieben und Fähigkeiten und sie reagieren auf jede Großmacht anders. So sind Vukanier Romulanern gegenüber fast zwangsläufig misstrauisch eingestellt, von der Föderation aber schnell und einfach zu rekrutieren. Auf Spionage bedachte Fraktionen, wie die Cardassianer, tun zudem gut daran, sich mit kleinen Rassen wie den Ktarianern zu verbünden, um die speziellen Einrichtungen des Volkes nutzen zu können, die ihrer Taktik in die Hände spielen.
Beruhigen kann ich ferner all jene, die da fürchten, BotF würde unter Windows Vista und XP nicht mehr laufen. Dem ist nicht so, wenn man einen entsprechenden Community-Patch installiert, der online leicht zu finden ist. Er bringt das Spiel auch automatisch auf Version 1.02.
Zum Kauf rate ich dennoch ausschließlich ausgemachten Star Trek-Fans und rücksichtslosen Nostalgikern, die eine altbackene Grafik und gelegentliche Abstürze - die auch den Stern Abzug begründen - für das großartige Ambiente hinnehmen, das BotF zu bieten hat. Alle anderen lassen bitte die Finger davon! Bedauerlich, dass es selbst nach zehn Jahren keine Low Budget-Ausgabe zu geben scheint ...