Bill Shatner hätte seine wahre Freude an dem Buch - vor allem, wenn es verfilmt worden wäre. So viele Inkarnationen von Kirks wie hier sieht man sonst nirgendwo! Im letzten Buch der Crucible-Trilogie, die zum 40. Jubiläum von Star Trek TOS erschienen ist, schickt der Autor James T. Kirk auf seine letzte Reise und beginnt passenderweise mit seinem Ableben in Star Trek VII - Generations. Die Story ist altbekannt. Zwar gelingt es dem Tausendsassa Soran zu stoppen, doch kommt er dabei ums Leben bzw. beinahe. Denn der Nexus erfasst die Welt und reißt den halbtoten Kirk mit sich. Und da dort Zeit keine Bedeutung hat, kann Kirk auch nicht seinen Verletzungen erliegen. Doch er muss feststellen, dass seine temporalen Moleküle, über die in den letzten beiden Bänden endlos geschwafelt wurde, damit kein Leser es ja vergisst, das gesamte Universum zwischen 2293 und 2371 ausgelöscht haben. Der Autor schickt Kirk also auf eine Odyssee mit sich selbst.
Und daran scheitert der Roman. Die Story ist so abstrus, so komplex, dass man teilweise nicht mehr weiß, welcher Kirk hier welchen Kirk überzeugt. Das hätte man auch einfacher haben können. Mir ist nach dem Lesen des Nachwortes klar, wohin der Autor mit seinen Büchern wollte, die Grundidee ist mehr als ausgezeichnet, genauso wie die Episode, auf die sich das ganze Werk bezieht, doch hapert es an der Ausführung.
Im ersten Roman "McCoy" hat George noch nicht so ganz den Erzählstil gefunden. Seine Charakterisierung McCoys ist grandios, doch verliert er sich in Nacherzählungen von Folgen und Filmen und sogar in eigenen Missionen, die für den Band nicht relevant sind. In "Spock" scheint er sich auf seine eigene Story zu konzentrieren, was gut ist. Doch auch hier macht er den Fehler und schreibt ganze Passagen über Kirk, auch sein erstes Mal mit Edith Keeler (!) gerade in Spocks Roman. Das hätte aber HIERHIN gemusst. Und so verwundert es nicht, dass David R. George III. jetzt Probleme hat, den Roman mit Leben zu füllen. Dann müssen erneut Passagen geschrieben und nacherzählt werden, die für den Roman nicht die Bedeutung haben.
Zudem verwundert es mich, dass er nicht DIE Charakterszene schlechthin aus Star Trek V genommen hat. Letzter Film wird ja von den Fans in aller Welt aus verschiedenen Gründen zerrissen. Doch als starker Charakterfilm steht er guten Actionfilmen aus Star Trek in überhaupt nichts nach. Zum Einen hat Kirk immer gesagt, dass er weiß, er würde alleine sterben. In einem der Bände hat es der Autor kurz angerissen. Doch teilt er Sybok mit, bevor er diesen auf die Reise ins Innerste schicken kann, dass er keinen Sybok benötigte, um seinen Schmerz zu lindern. Er kenne ihn, weiß, dass er Fehler gemacht hat. Er bräuchte seinen Schmerz. Diese Kirk-Szene ist so eindringlich geschrieben, dass es mich wundert, dass trotz der ganzen Nacherzählungen ausgerechnet diese Passage fehlt. Dabei wäre sie für den Roman mehr als passend gewesen.
Der Roman ist dennoch besser als die Vorgänger. Ganz im Zeichen Jim Kirks setzt er mehr auf Action. Es wäre allerdings auch schwer zu glauben, wenn er sich darin beschränkt. Im Gegenteil. Er zeigt eine unbekannte und verletzliche Seite des unerschütterlichen Starfleet-Captains, die man nur selten zu Gesicht bekam. Aufgrund des Epiloges, der alle Möglichkeiten offenlässt, aber auch Georges Hilflosigkeit in Sachen Kirk zeigt, weil er bei McCoy und Spock nämlich die genaue Gegenrichtung angezeigt hat bis zum bitteren bzw. schönen Ende, ist "Kirk" kein Reinfall.