"Star Trek Enterprise 1" hat ein Problem: Es gilt gemeinhin als 1. Roman des Relaunchs nach dem Ende der TV-Serie. Wer aber erwartet, dass darin die Geschichte um die Zeit des Irdisch-Romulanischen Krieges erzählt wird, der irrt. Von der Rahmenhandlung abgesehen, die viel viel später angesiedelt ist und vor allem dazu dient, den TV-Tod einer beliebten Figur ungeschehen zu machen, handelt es sich bei dem Roman um eine Episode, die zu Beginn der 3. TV-Staffel angesiedelt ist, genau genommen direkt zu Beginn, nach dem Zwischenfall um die Trellium-Mine.
Dem entsprechend hat das Buch gleich noch ein Problem. Denn dadurch, dass es nach der 1. Folge der 3. Staffel spielt, also in den ersten Wochen nach dem Flug in die Delphische Ausdehnung auf der Suche nach den Xindi, steht schon zu Beginn fest, dass die Helden in diesem Buch nichts Wesentliches entdecken dürfen, denn in der 2. Folge der 3. Staffel "Enterprise" haben sie noch nichts Nennenswertes gefunden.
Erzählt wird folglich die Geschichte einer fruchtlosen Suche (und einiger spontaner Sabotage-Akte). Hierzu fliegt die Crew der Enterprise zum Planeten Kaletoo, wo sie einer Spur der Xindi folgt. Während das Schiff zurückbleibt, gehen Archer, Major Hayes von den MACOs und ein paar Redshirts mit einer Fähre auf Landgang und treffen auf den schmierigen Schmuggler La'an Trahve. Die ganze Episode erinnert lustigerweise stark an "Star Wars", denn Kaletoo ist ein Wüstenplanet wie Tatooine, die Stadt atmet das Flair von Mos Eisley, der Landefeldbesitzer ist eine schleimige Riesenschnecke wie Jabba und Trahve natürlich ein dreister Schmuggler, den Reed nach einer Streiterei in einer verrauchten Cantina trifft. (Über ein gewisses Problem mit einer riesigen Waffenplattform und einem Traktorstrahl sage ich jetzt mal nichts. ;) )
Zeitgleich entdeckt T'Pol an Bord der Enterprise eine Treibstoffspur, die zu einem anderen Versteck der Xindi führen könnte. Sie schickt Travis Mayweather und ein paar MACOs los, und die bekommen ihre ganz eigenen Probleme mit automatisierten Xindi-Einrichtungen. Neben diesen zwei kleineren Missionen dreht sich ein Hauptteil des Buches um den Zwist zwischen MACOs und Sternenflottern, die sich - das wissen wir aus der TV-Serie - zu Beginn nicht ausstehen können.
Was ist das Buch also, wenn nicht der Relaunch und auch kein Werk, in dem sich das "Star Trek"-Universum spürbar weiterentwickeln darf? Es ist - wie viele der früheren "Star Trek"-Romane - eine gute TV-Doppelfolge! Vor allem die Figur von Malcolm Reed hat einige starke Momente, der Zwist innerhalb der Xindi-Fraktionen wird sehr schön vertieft, die Tatooine-Episode regt zum Schmunzeln an und auch für spannende Momente ist gesorgt. Vielleicht ist das Buch hier und da ein wenig geschwätzig - aber Diskutieren war ja schon immer eine Lieblingsbeschäftigung der "Star Trek"-Protagonisten.
Alles in allem eine unterhaltsame Lektüre für alle, die gerne mit der "Enterprise"-Crew um Archer unterwegs waren und sind. Im Umfeld der "gewöhnlichen" "Enterprise"-Romane wäre das Buch allerdings besser aufgehoben gewesen, als in der Relaunch-Reihe, die eigentlich erst mit "Was Menschen Gutes tun" startet.