Die Hauptprobleme der Serie waren sicherlich das Fehlen liebgewonnener technischer Errungenschaften - wie beispielsweise das Beamen, das es sogar inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat - wie auch die Einführung neuer Charaktere, die von sogenannten eingefleischten Star Trek Fans, die in ihrer Verbohrtheit radikalislamischen Fanatikern in nichts nachstehen, so gut wie nie akzeptiert wurden. Bedenkt man, welchen schweren Start eine neue Star Trek Serie hat, mit welchen Beschränkungen sie kämpfen muß, muß man unweigerlich den Hut vor den Machern dieser Serie ziehen. Eine durchgehende Storyline pro Staffel, komplexe Charaktere, erdrückende Ausgangslagen, aus denen sich die Besatzung der NX-01 und damit die Menschheit befreien muß. Diese Serie ist mir in ihren vier Staffeln deutlich mehr ans Herz gewachsen als es Deep Space Nine oder Voyager jemals gekonnt hätten.
Den Darstellern der Charaktere kann man eigentlich nur gratulieren, daß sie ihren Alter Egos wahre Persönlichkeiten auf den Leib spielten; oberster Sympathieträger ist sicherlich der Schiffsdoktor, dessen Begeisterung für die Erforschung menschlichen Verhaltens und das Essen an sich sofort auf den Zuschauer übergeht. Fürs Auge ist sicherlich Jolene Blaylock als T'Pol, auch wenn sie etwas mager und oftmals linkisch durchs Bild stakst. Sie verändert sich sowohl äußerlich als auch charakterlich im Laufe der Serie recht stark, vermenschlicht geradezu. Ihre Beziehung zum zweiten Sympathieträger, dem Chief Engineer Tucker, der sich in seiner Bodenständigkeit und teilweisen Beschränktheit (im Originalton gepaart mit breitestem Südstaatenakzent) kaum von "heutigen Menschen" unterscheidet, liefert zusätzliches Material für viele Folgen. Wie immer in solchen Serien ist die Entwicklung dieser Storyline vom jeweiligen Autorenteam abhängig, dennoch folgt sie einem gewissen Plan und entbehrt nicht einer gewissen Komik. So konnten sich einige Schreiberlinge wohl nicht entscheiden, ob sich primär zwischen dem Captain und seiner ersten Offizierin oder ebendieser und dem Chief Engineer eine Beziehung ergeben sollte, letztere setzten sich dann wohl offensichtlich durch.
Für mich persönlich nervig sind lediglich das Sprachtalent und Kommunikationsoffizier Sato, sowie der Steuermann Mayweather (ein wahres schauspielerisches Antitalent in den wenigen Folgen, in denen er hätte schauspielern können). Derart nervige Charaktere gibt es allerdings in jeder Star Trek Serie, sie gehören irgendwann auch zum liebgewordenen Inventar, das man toleriert, an dem man sich auch ab und zu verbal abreagieren kann, man denke nur an die Figur von Wesley Crusher aus TNG (Sehr zu empfehlen sind übrigens seine Rezensionen alter TNG-Folgen auf TV-Squad. Wil Wheaton hat tatsächlich Humor.). Scott Bakula und sein Beagle sind als Captain und dessen Spielgefährte ganz sicher eine superbe Auswahl, auch wenn man sich fragt, was ein Hund auf einem Raumschiff zu suchen hat.
Das Highlight der Serie ist sicherlich die Staffel mit der Bedrohung der Erde durch die Xindi. Erstaunlich, wie spannend man diese Staffel gestaltet hat, wie komplex die Serie geschrieben und der Spannungsbogen durchgehalten wurde. Natürlich wird am Ende die Erde gerettet, aber wie es tatsächlich dazu kommt ist ein ständiges Auf und Ab. Absolut empfehlenswert und durchaus mehrfach ansehbar, ohne daß es an Appeal verliert.
Dazu muß gesagt werden, daß ich die Serie komplett im Originalton gesehen habe; die deutsche Synchronisation habe ich einige Male im Fernsehen gesehen, aber die "Enttäuschung" ob der ungewohnten Stimmen und teilweise schlecht übersetzten Dialoge war dann so groß, daß ich mir das nicht lange angetan habe. In jedem Fall handelt es sich bei dieser Serie für mich um den Höhepunkt im Star Trek Universum, selbst wenn sie handlungszeitlich gesehen ganz am Anfang steht. Die Serie verzettelt sich nicht in langatmigen philosophischen Überlegungen (Es gibt keine "Oberste Direktive", so daß sich die Enterprise samt Besatzung, abgesehen von einer Folge, durch die Handlung peitschen kann. Natürlich mäßigt die Vulkanierin an Bord die übereifrigen Erdlinge, letzten Endes aber siegt doch zumeist die menschliche Neugier und Spontaneität.), sie lebt von ihren durchwegs sympathischen Charakteren, mit denen man sich problemlos identifizieren kann, es gibt eine große Portion Action mit zahlreichen "Außenaufnahmen" bei Kämpfen im All, die teilweise klaustrophobische Enge eines Sternenschiffs wird durch das recht schmucklose Set sehr nachvollziehbar dargestellt, und endlich gibt es "glaubwürdige" Geschichten, die zusammengewoben einen Star-Trek-Quilt ergeben, den man nicht missen möchte.
Es ist schade, daß die Serie nach vier Staffeln zu einem frühen Ende kam, vielleicht bewahrte sie aber ebendies vor einem langweiligen, künstlich hinausgezögerten Ende, denn eine Serie kann per se nicht ohne weiteres am Leben gehalten werden, ohne daß man irgendwann dann einmal Abstriche machen muß, sei es nun an der Qualität des Skripts oder an der Übersättigung der Zuschauer mit den Charakteren. So gesehen verbleibt mir diese Serie als einer der "All-time-favourites" in guter Erinnerung.