So ganz ausführlich beschreibe ich hier nichts, denn ich möchte nichts an eigenen Entdeckungen und Vergnügen vorwegnehmen.
Zuerst einmal, "Enterprise" ist die neue Star-Trek-TV-Serie, die bei uns ab Mitte September in SAT 1 ausgestrahlt werden wird, deren Pilotfolge aber seit gestern als Video erhältlich ist. Etwas Verwirrung gibt es wegen des Titels "Enterprise". Die erste Star-Trek-Serie in den 60ern wurde damals völlig falsch ins Deutsche übersetzt und erhielt statt des Originalnamens "Star Trek" den Namen "Raumschiff Enterprise".
Die neue Serie "Enterprise" (ENT) ist nun die 5. Star-Trek-Serie. Neben der Originalserie, auch TOS genannt (the original series) existieren noch "Star Trek - The Next Generation" (TNG), "Deep Space Nine" (DSN), "Voyager" (VOY) sowie 8 Kinofilme.
Ich selbst besitze neben den Spielfilmen alle Originalfolgen (TOS) und TNG-Folgen, sowie einige, der anderen beiden Serien. Was halte ich nun von dem Pilotfilm zur neuen Serie?
Es ist das beste Star Trek aller Zeiten! Oder verspricht es zumindest zu werden, denn die "Zutaten" dieser Serie sind, nach den oftmals völlig durchgeknallten Fantasien der Nachfolgeserien, endlich wieder realistischer denn je geworden. Und ganz oben als Überschrift beim Genuss dieses Pilotfilmes steht der Begriff Humor.
In den letzten Jahren hatte sich Star Trek bei seinen Fans fast zu einer Ersatzreligion entwickelt, was mit Unterhaltung rein gar nichts mehr zu tun hatte. Einen Höhepunkt dieser fehlgeleiteten Entwicklung spiegelt wohl am besten wieder die Anfang der 90er Jahre entstandene TNG-Folge "Wiedervereinigung", in der L. Nimoy als "Spock" auch in einer Jesusverfilmung hätte auftreten können. Ich behaupte einmal, dass ab diesem Zeitpunkt Star Trek völlig dem Ursprung der Serie entglitt.
"Enterprise" findet diesen Weg zum Ursprung wieder! Es ist Unterhaltungsfernsehen vom Feinsten und bietet selbst für jemanden, der noch nie etwas von Star Trek gesehen hat, reinstes Vergnügen, Spannung und Abenteuer. Ich habe sie (noch) nicht gezählt - aber für den Trekie finden sich im Pilotfilm etliche Anspielungen auf die Originalserie.
Zur Erinnerung: In TOS gab es Captain Kirk, ein prügelnder Frauenheld, dessen diplomatisches Geschick auf seinen Reisen von Spock, dem vulkanischen Wissenschaftsoffizier, als "Cowboydiplomatie" bezeichnet wird (in "Wiedervereinigung" zu Capt. Picard aber in Anspielung zu Capt. Kirk). Daneben wurde mit dem Schiffsarzt Dr. McCoy ein Trio gestaltet, das mit seinen humoristischen Auseinandersetzungen (die leider der deutschen Synchronisation fast gänzlich zum Opfer fielen) entscheidend für den Erfolg der Ur-Serie zeichnete. Genau zu diesem Ursprung führt uns der Pilotfilm von "Enterprise" zurück.
Die Hauptcharaktere der weiteren Besatzung sind noch nicht völlig ausgearbeitet, hier scheint es einiges an Überraschungen in späteren Episoden zu geben, doch mit Captain Jonathan Archer wurde der Serie ein ähnlicher Typus, wie der Captain Kirks gegeben (Jim = John). Und dem weiblichen vulkanischen Wissenschaftsoffizier T'Pol wurde ein Charakter erstellt, der glaubwürdig an einen Ur-Spock erinnert, gewürzt allerdings mit einer Menge Erotik - was aber nichts außergewöhnliches ist, da sich die meisten weiblichen Trek-Fans seinerzeit auch in Spock verliebt hatten *exg*. Trotzdem ist allen Anwesenden die Angst aber auch die Neugier beim Entdecken fremder Lebensformen anzumerken.
Die in späterer Zeit ins Absurde geratene und leider völlig überzogene "Trek-Philosophie" spielt bei Enterprise gottlob eine untergeordnete Rolle, die ausgeleierte "Oberste Direktive" (der Nichteinmischung in fremde Kulturen) existiert zur Zeit von Enterprise noch gar nicht, da die Serie 100 Jahre vor den Abenteuern Captain Kirks und seiner Crew spielt und die ganze Technik wurde vom Ballast des mittlerweile alles "möglich gewordenen" befreit und ist nun endlich wieder nachvollziehbar (es wird geschaltet und geregelt - manuell und ohne Computer-Touch-Screen-Mist).
Als Star-Trek-Fan behaupte ich kühn, dass dieser Pilotfilm es mit den Kinofilmen leicht aufnehmen kann. Deshalb möchte ich ihn hier wirklich sehr, sehr empfehlen - und selbst Müllerchen (mein Hund) tut dies, denn erstmalig bisher bei Star Trek hat Captain Archer eine weitere Erdenspezies mit an Bord genommen, mit auf die Reisen, wo noch niemand zuvor gewesen ist - und diese Tatsache macht ihn speziell für mich äußerst sympathisch - nämlich seinen Hund :-))