Als die USS Kelvin als einzig verfügbares Schiff in der Umgebung eine Anomalie nahe der klingonischen neutralen Zone erforschen will, kann natürlich noch keiner ahnen, dass die bald folgenden Ereignisse das Schicksal der gesamten Föderation verändern könnten...
"Alles, was passieren kann, passiert, auch in gleichen- und Paralleluniversen.", so lautet die zentrale Annahme der Quanten-Kosmologie, wie sie ein junger Spock gegenüber seinen vulkanischen Peinigern rezitiert. Eine Annahme die nun gewissermaßen den Aufhänger für den Relaunch von Star Trek liefern muss. Mit Star Trek (XI) versucht man das Franchise (wie im Interview mit J.J. Abrams und Alan Dean Foster im Anhang des Buchs bestätigt) wieder zu öffnen und der Fanbase neue Rekruten zuzuführen. Ein Experiment das ich als Außenstehender jetzt als durchaus gelungen zu bezeichnen wage.
Dass man sich um den Relaunch zu ermöglichen gleich einer alternativen Zeitlinie bedient hat, mag auch die eleganteste Lösung sein, die es einerseits den eingefleischten Fans erlauben würde diese zu ignorieren, während man sich gleichzeitig die Möglichkeit offen hält, Star Trek XI in den etablierten Kanon münden zu lassen, sollte der Film nicht als Anknüpfungspunkt für neue Romane, Serien oder Filme genutzt werden. Mit Alan Dean Foster hat man sich jedenfalls einen Autor ins Boot geholt der mit derart unsicheren Zukunftsaussichten bereits seine Erfahrungen gemacht hat, so hat er doch mit George Lucas als noch längst nicht klar war ob dieser seine klassische Trilogie fortsetzen könnte "Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker" (alias Skywalkers Rückkehr) geschaffen und den Grundstein für das spätere Erweiterte Star Wars Universum gelegt. Dass Foster zudem der Ghostwriter von Lucas "eigenen" Roman zur heutigen Episode IV war sei außerdem noch angemerkt. Foster ist nicht nur ein routinierter Star Trek-Autor sondern zuletzt auch wieder verstärkt für die Romanadaptionen solcher Blockbuster wie Transformers 2 oder Terminator 4 verantwortlich gewesen, was doch so manche Fragen zur scheinbar perfekten Terminplanung des Routiniers aufwirft.
Fosters Terminator 4-Adaption ist Star Trek wohl schon aufgrund des zugrunde liegenden Drehbuchs überlegen, doch zugleich auch deutlich besser gelungen, was auch von einem persönlichen Interesse am Franchise herrühren könnte, mit dem er ja bekanntlich schon seine Berührungspunkte hatte. Aber zurück zum Thema, was Fosters Romanadaption auszeichnet ist die Art und Weise wie er nicht bloß tumb das Drehbuch kopiert hat sondern die Handlung wirklich ergänzt, vertieft und durch seine Charakterzeichnung ausbaut. Was einem im Film zunächst vielleicht entfallen ist, wie die Antwort auf die Frage wie es Kirk gelungen ist den Kobayashi Maru Test zu manipulieren (Uhuras Zimmergenossin war ihm da eine wertvolle Hilfe) oder dass der an der Landstraße entlang spazierende Junge tatsächlich Kirks Bruder ist, bringt Alan Dean Foster ein. Schon deshalb also ein Buch das man als vom Film begeisterter Zuseher lesen sollte. Natürlich sind auch manche der Dialoge, nicht zwangsläufig einer frühen Drehbuchversion geschuldet, etwas anders ausgefallen, wenn es nicht ein Gefängnisplanet sondern die klingonische Flotte ist, die abgehört wurde und Uhura auf eine heiße Spur gebracht hat.
Erzählerisch bewegt sich das Buch zwischen den Perspektiven Spocks und Kirks, was im Film nur teilweise verwirklicht werden konnte, wo ja auch der Prolog mit Spocks Geburt entfallen sein dürfte. Vieles was wie die Umstände von Spocks Geburt im Film unklar bleibt hat in Fosters Buch Verwirklichung gefunden, wenn dieser etwa auch Kirks Familiensituation und seine konfliktreiche Beziehung zum Stiefvater erläutert. Interessant wie auch die vielschichtige Charakterisierung der Protagonisten, etwas das man in Fosters Terminator 4-Roman etwa schmerzlich vermisst.
Perfekt ergänzt wird Fosters Buch durch das sehr aufschlussreiche Interview mit ihm und J.J. Abrams am Ende des Werks, sowie eines kurzen Previews auf "Countdown" den Comic mit der Vorgeschichte zum Film, welcher auch enthüllt dass Captain Neros Schiff mit Borg-Technologie ausgestattet wurde, was für einen weiteren Aha-Effekt beim interessierten und halbwegs kundigen Leser führen dürfte.
Fazit:
Mehr als gelungene Romanadaption eines der besten Blockbuster des Jahres, die sich durch eine eindrucksvolle Charakterzeichnung und eine konsequente Erweiterung der Handlung auszeichnet, während noch viele Facetten hinzugefügt werden, die den Film umso schlüssiger erscheinen lassen.