Hm, bei Amazon steht zwar der 29. April als Erscheinungsdatum, aber ich hab "Countdown" gestern schon bei uns am Bahnhof im Zeitschriftenladen erstehen können. Der Preis ist zwar hoch, aber für Comicalben normal und die Neugier hat mich dann doch sehr gepackt.
Erst mal die negative Seite: Der Comic ist verdammt schnell durchgelesen. Mag sein, dass ich so gefesselt war, dass ich geradezu durch die Seiten gehetzt bin, aber eine halbe Stunde ist halt doch recht wenig, da dauert ja eine normale Star Trek-Folge länger. Natürlich variiert die Lesezeit von Person zu Person.
Das ist aber auch alles, was ich zu bemängeln habe. Abgesehen vn der Länge bin ich restlos begeistert, das ist wahres Star Trek, was sich dort auf knapp hundert bunten Seiten ausbreitet. Da der Comic noch komplett in der "Gegenwart" spielt, sprich ein paar Jahre nach Nemesis (8, um genau zu sein, wenn man die anfänglich angegebene Sternzeit umrechnet), erfährt man einiges über die Entwicklungen nach dem 10. Film. Viele bekannte Charaktere aus TNG treten auf und deren Entwicklungen sind meiner Meinung nach fast alle nachvollziehbar und innerhalb des Canons glaubwürdig.
Die Zeichnungen sind gut, aber meiner Meinung nach nicht herausragend, besonders die Mimik der Personen, die zumindest den realen Schauspielern ausreichend ähnlich sehen, um sie zu erkennen, lässt gelegentlich zu wünschen übrig. Dagegen ist die Farbgebung größtenteils wirklich brillant und lässt echtes Star Trek-Feeling aufkommen.
Das Wichtigste zum Schluss: Die Story. Diese hat mir wirklich sehr gut gefallen. Wenn diese Story "Nemesis" gewesen wäre, wäre der Film wohl besser geworden, denn sie ist wirklich spannend, interessant und birgt ein paar echte Überraschungen und Ereignisse von großer Tragweite für die Gesamte Star Trek-Gegenwart (um nicht zu viel zu verraten: Es hat mit den Romulanern zu tun).
Da der Comic die Vorgeschichte des Films erzählt, konzentriert er sich vor allem auf den Film-Bösewicht Nero, genauer gesagt, um seine Entwicklung zum Bösewicht. Denn anfänglich ist er alles andere als das. Seine Motivation und Entwicklung sind nachvollziehbar und glaubhaft, was ihn zu einem wirklich interessanten Bösewicht macht. Wenn dieses Potential im Film wirklich ausgeschöpft wird, kann er sich mit den besten Star Trek-Bösewichten messen, davon bin ich überzeugt.
Allerdings war ich über einige Dinge sehr verwundert. Ich frage mich nämlich, wie viel von dem Comic im Film vorkommt. Die Ereignisse im Comic sind auf jeden Fall zu eng mit der voraussichtlichen Filmhandlung verknüpft, um keine oder nur kurze Erwähnung darin zu finden, zumal einige Comicpanels direkt aus bereits bekannten Trailerszenen zu stammen scheinen. Andererseits treten im Comic wie gesagt diverse TNG-Charaktere auf, die nach allem, was ich weiß, nicht im Film in Erscheinung treten. Antwort wird wohl erst der Film selbst bringen, allerdings glaube ich kaum, dass die Kenntnis des Comics Voraussetzung ist, um die Filmhandlung zu verstehen, also muss die Story in Ansätzen auf jeden Fall im Film erklärt werden.
Also, alles in Allem ist der Comic ein wirklich guter, wenn auch etwas kurz geratener Vorgeschmack auf den neuen Kinofilm, der Lust auf mehr macht. Dafür vergebe ich 8/10 rachsüchtigen Romulanern.