Resurrection wäre wirklich ein passender Titel gewesen, denn eine Wiedergeburt, der seit den 60ern existierenden "Serie", ist es allemal.
Ich muss schon sagen - sehr gewagt, was hier Regisseur J. J. Abrams und sein Team, auf die Beine gestellt haben.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie gespannt man auf die Zuschauerreaktionen nach der Premiere und danach gewartet hat. Im Prinzip war alles möglich, der totale Verriss duch die Fans, bis hin zum auf die Schulter klopfendem Lob und Gratulationen von allen Seiten.
Man wollte offenbar nicht dem üblichen Star Trek-Weg folgen und eine X-te Auflage einer Geschichte mit Klingonen, der Föderation und Co. abliefern. Vielmehr erfand man das Star Trek-Universum komplett neu - im wahrsten Sinne des Wortes.
Dies ist natürlich ein gewagter Schuss vor den Bug und eine regelrechte Kampfansage an viele Hardcore Fans. Auch ich, als Star Trek Fan der ersten Stunde, muss zugeben, dass ich sehr irritiert war. Was??? Vulkan wird zerstört? Alles plötzlich anders? Eine neue alternative Zeitlinie? (man könnte dies noch endlos fortsetzen)
Persönlich war ich schon gespannt auf eine Geschichte, die den "wahren" Beginn von Kirk und Spock und ihre jungen Jahre zeigen würde und ich bin sicher, auch diese wäre ein Erfolg geworden. Aber wie gesagt, man entschied sich (leider oder Gott sei Dank?) anders.
Ohne viel verraten zu wollen, die meisten wissen ohnehin bereits, um was es geht - Romulus wird durch Spocks Scheitern, dies zu verhindern, zerstört. Ein dadurch entstehendes schwarzes Loch bringt ein Schiff mit Romulanischen Überlebenden, sowie Spock selbst in die Vergangenheit. Die Romulaner (angeführt von Eric Bana, den ich im Kino gar nicht erkannt hatte), versuchen nun ihrerseits Vulkan in der Vergangenheit zu zerstören, um dass Unglück rund um Romulus in der Zukunft zu verhindern. Fälschlicherweise schieben sie nämlich alles Spock in die Schuhe.
In der neuen alternativen Zeitlinie ist aber Gott sei Dank nicht alles anders. Man trifft natürlich auf praktisch alle wichtigen Charaktere, erlebt wie Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto aus der Serie Heroes), Pille/Bones McCoy (Karl Urban aus Herr der Ringe, RED, etc. - habt ihr eigentlich gewusst, dass er Karl-Heinz heisst :) ) Scotty (Simon Pegg/Shaun of the Dead), Uhura (Zoe Saldana) und Chekov und Sulu auf der Akademie zusammentreffen.
Die Schauspieler wurden allesamt hervorragend ausgewählt und passen sehr gut in die übergrossen Fussstapfen, die ihre "Vorgänger" hinterlassen haben.
Auch Bruce Ringwood als erfahrener Captain Pike macht seine Sache sehr gut! Als ich ihn am Ende im Rollstuhl sah, konnte ich mir ein Lachen im Kino nicht vergleichen - war natürlich auch wieder eine tolle "Hommage" an die alte Serie (obwohl, ich Pike und Kirk als eher gleichaltrig in Erinnerung habe).
Überhaupt, trotz alternativer Zeitline, gab man sich sehr viel Mühe zum Detail, was vermutlich viele Trekkies wieder besänftigte. Angefangen vom Kobayashi-Maru-Test, den ja Jim Kirk mit Bravour gemeinstert hat :), bis hin zu Kirks Jugend in Iowa.
Kurz zur Technik - das Bild der Blu-ray ist wirklich erste Sahne! Angemessen für einem Film dieses Kalibers. Der deutsche Ton ist ok, nicht weltbewegend, habe gelesen, dass sogar der Ton auf DVD etwas besser sein soll.
Auf der Bonus-Blu-ray gibts viel zu entdecken und man erfährt in unzähligen mehr oder weniger langen Featurettes viel Hintergrundinformationen.
Fazit:
Was mir besonders gefallen hat:
- Bild der Blu-ray
- Liebe zum Detail
- die Schauspieler bringen die alten Charaktere wirklich gut rüber, ganz besonders Spock und Pille. die beiden waren wirklich hervorragend.
- man bekommt Leonard Nimoy als alten Spock wieder zu sehen!
- der Mut zur Veränderung, obwohl man sich natürlich mit der Idee der geänderten, seit den 60ern bekannten Star Trek Geschichte, erst mal anfreunden muss. Dies gibt aber andererseits massig Möglichkeiten für weitere Ideen für Filme, Serien etc.
- für Paramount-Verhältnisse umfangreiche Bonus-Blu-ray (meist erhält man sowas erst nach der xten Special Edition)
- viele "Realeffekte" durch Bauten und Modelle, statt übertriebenem Computereinsatz
- Der schnelle Ablauf, die gute "Pace", es gibt kaum/keine langweilige Szenen. (J.J. Abrams sagt im Making Of, dass er die schnelle Star Wars "Pace" in das eher langsame Star Trek Universum bringen wollte - was ja beinahe ein bisschen frech ist ;) )
nicht ganz so toll:
- Ton eher durchschnittlich
- Chekov ist war nett und lustig, nervt aber ein bisschen :)
- dass Spock Kirk auf dem Schneeplaneten aussetzt, kann vermutlich kein Star Trek Fan nachvollziehen, so anders kann die geänderte "Realität" gar nicht sein.
- die Monsterverfolgung auf dem Eisplaneten war eher peinlich, offenbar wollte man einfach ein paar Effekte zeigen. Erinnerte ein bisschen an die noch viel ärgere und sinnlosere Reise durch den Planetenkern in Star Wars Episode 1.
- trotz der über 2 Stunden, hätte man sich natürlich noch mehr Szenen mit Pille, Scotty, Sulu und Co. gewünscht. Hauptsächlich sah man halt Kirk und Spock.
- die Romulaner bleiben blass, es hätte auch jede andere neue oder alte Rasse sein können, es hätte keinen Unterschied gemacht, sie waren eher "Nebensache".
Star Trek - trotz oder vielleicht sogar wegen der alternativen Zeitline, macht Lust auf mehr. Die daraus resultierende interessante Story tut ihr übriges, die Schauspieler passen und vermitteln glaubwürdig Kirk, Spock und Co. zu sein.
Und an alle Hardcore Fans, die unzufrieden waren - gebt dem Film vielleicht nochmal eine Chance, und seht ihn euch noch ein 2tes Mal an.
Kann 2012 gar nicht erwarten, da soll der nächste Star Trek Film ins Kino kommen. Angeblich diesmal mit dem alten Captain Kirk (William Shatner).
Vielleicht wird ja dort die Zeitlinie wieder "gerade" gerückt :)
Möglich ist ja alles...