Dieses Buch taugt - rein haptisch gesehen - eher als Briefbeschwerer denn als Kalender, der zu sein der Titel "365" suggerieren könnte. Runde zwei Kilogramm geben dem Buch schon vor dem Auspacken Gewicht. Außerdem hat das Werk nichts kalendarisches an sich - es sei denn, der/die geneigte Leser/in entscheidet, sich an jedem Tag eines Jahres je eine Doppelseite zu Gemüte zu führen.
Und das könnte sich sogar lohnen, denn es gibt einiges zu genießen, sodass es fast schade wäre, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Ich hab's trotzdem getan und mich jedes Mal auf's Umblättern gefreut. Egal, ob es wunderbar aufbereitete Produktionsfotos aus der gerade besprochenen Episode handelt oder um Werbefotos der Stars, um Bilder von Kulissen, Props, Zeitschriftencover oder "nur" um abfotografierte Memos, mit denen der Kostenwächter von Star Trek (heute zur besseren Orientierung zu ergänzen mit: "The Original Series") sich darüber beschwert, dass die Hauptdarsteller jede Woche 10 Dollar Kosten für einen Haarschnitt verursachen - nützlich war jede Seite, und sei es nur, um ein lang anhaltendes Schmunzeln über die Zustände vor fast fuffzich Jahren zu produzieren.
Klar, dass es zu einer über 40 Jahre alten Fernsehserie nichts wirklich Neues mehr zu schreiben gibt. Aber die Art, wie die Autoren die Handlung jeder Episode zusammenfassen (knapp, klar und atmosphärisch dicht) macht ebenso viel Spaß wie die Zusammenführung dieser Inhaltsangabe mit den unterschiedlichsten Randnotizen, die mit jeder Episode verknüpft werden. Da geht es mal um die Rolle der Frau in Star Trek, mal am Beispiel von Majel Barret, mal an Nichelle Nichols oder an Grace Lee Whitney, dann wieder um das Diabolische der Serie, für das - zumindest aus Sicht von NBC - Mr. Spock stand. Mal rücken Nebendarsteller in den Fokus, die entweder nie wieder nach ihrem Gastauftritt bei Star Trek vor eine Kamera getreten sind, oder kurz nach der Show eine steile Karriere hingelegt haben. Oder die Autoren erzählen von typischen (und aus heutiger Sicht sehr skurrilen) Einflussfaktoren der TV-Produktion in den 1960erjahren, oder von technischen Grenzen der Spezialeffekte zu jener Zeit, die durch knappe Budgets bei Star Trek noch mehr eingeengt wurden.
Und als hätte das noch nicht gereicht, erfahren wir Leser etwas darüber, wie die Studiohallen genutzt, welche Sets behalten, welche Woche für Woche abgerissen und neu gebaut wurden. Wir lernen etwas zu den klassischen Props wie Phaser, Kommunikator und Tricorder, den Frisurenzwang, der Walter Koenig alias Mr. Chekov auferlegt wurde. Es gibt Bilder und kurze Artikel zur Entwicklung des Fandom und zaghaften Anfängen von Merchandise - und das eine oder andere Wort des Meisters himself: Gene Roddenberry.
Für mich war nicht viel an dieser Zusammenstellung total neu - aber doch einiges. Ich wurde in meinem Erstaunen darüber bestärkt, dass aus einer unter so lausigen Umständen produzierten Show eines der größten Franchises weltweit entstehen konnte. Und das Bekannte im Buch mixen die Autoren zu einem so amüsanten Cocktail, dass ich mich nicht entscheiden kann, was für mich schöner war: Die Erinnerung an die vielen Dinge, die ich schon mal gewusst hatte oder Freude und Staunen über Zusammenhänge und Abhängigkeiten, die für mich neu waren.
Wirklich etwas auszusetzen habe ich an diesem schicken Teil jedenfalls nicht. Okay, ich könnte darüber meckern, dass die Dicke des Buches und sein Querformat die Ordnung in jedem meiner Bücherregale durcheinander bringen - egal, ob mit Star Trek-Literatur oder anderem Lesestoff befüllt. Aber andererseits: Was kann das Buch dafür, dass ich mir das falsche Regalmöbel gekauft habe. Und überhaupt: Wenn DAS meine einzige Sorge ist...
Insofern: Eine ganz klare Kaufempfehlung für alle Freunde von Star Trek: TOS - auch wenn ihr dachtet, ihr hättet schon alles, was ein echter Trekker braucht. Think again!