SOTLH (wie ich Star Ocean: The Last Hope gerne abkürzen möchte) ist ein waschechtes Japan-RPG mit den typischen Vor- und Nachteilen in den Augen von uns "westlichen" Konsumenten. Ich möchte hier auf die Vorzüge des Spiels wie gewohnt in einzelnen Punkten eingehen, damit die Übersichtlichkeit gewahrt bleibt und man sich nicht durch einen "Endlostext" wühlen muss, um bestimmte Informationen zu erhalten.
Story
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Eine SciFi-Story als Rollenspiel? Sowas ist an sich schon recht selten und alleine aus dem Grund schon einen Blick wert. Die Geschichte von SOTLH spielt in nicht allzu ferner Zukunft in einer Zeit, in der der Planet Erde verseucht und somit unbewohnbar wurde. Die letzte Hoffnung der Menschheit besteht nun in einer Handvoll Raumschiffe, welche nach einer neuen Heimat für die Menschheit suchen. Dabei stoßen Sie recht schnell auf unerwartete Widrigkeiten in Form von größenwahnsinnigen Außerirdischen, Seuchen, Intrigen und den Grigori. Die Erzählung erfolgt meist durch zahlreiche Zwischensequenzen (komplett in Englisch vertont und mit deutschen Untertiteln) und Szenen, die sich direkt im Spielbereich per Textfenster abspielen. Dazu bekommt man ein sehr umfangreiches Nachschlagewerk im Spiel präsentiert, wo man einzelne Begriffe (Warpantrieb, Subraum, ...) erläutert bekommt und zudem noch Hintergrundinfos zu Orten, Charakteren und Ereignissen nachlesen kann. Auch eine Zusammenfassung der erlebten Geschichte findet man hier und kann sich so auch nach einer längeren Spielpause schnell wieder zurechtfinden.
Grafik
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Hier scheiden sich die Geister. Die Figuren wirken in meinem Augen etwas zu glattgebügelt. Der Jugend-Look ist bei J-RPGs ja nicht ungewöhnliche, aber die Figuren wirken teilweise wie aus Wachs oder Plastik. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich doch daran und man kann die sehr schön gestalteten Umgebungsgrafiken bewundern. Mit Lichteffekten wird nicht gegeizt, teilweise kommt einem der Einsatz von Bloom-Effekten recht übertrieben vor. Aber unterm Strich ist die Darstellung stimmig und lässt durchaus eine passende Atmosphäre aufkommen. Leider sieht man Veränderungen an der Ausrüstung der Charaktere nicht im Spiel. Lediglich die Waffen werden korrekt dargestellt (auch in den Zwischensequenzen!), aber die Kleidung bleibt stets optisch gleich. Die Darstellung der Gegner und der Umgebung allgemein ist recht detailliert, wirkt aber häufig zu überladen und später leider etwas einfallslos.
Sound
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Die Effekte sind stimmig, die Musikuntermalung situationsabhängig passend und die (englischen) Sprecher machen einen guten Job. Die Geräuschkulisse beurteile ich anhand meines eigenen 5.1-HK-Systems durchaus positiv, wenngleich ich sagen muss, dass die Kanalverteilung bzw. die Lautstärke der einzelnen Kanäle nicht immer optimal skaliert. Mal sind die Stimmen (zu) leise, mal zu laut, mal gilt dies für die Musik und die Effekte und all dies lässt sich fröhlich mit der integrierten "Surround-Optimierungsfunktion" durcheinanderwürfeln. Mein Tipp: Finger weg von dieser Optimierung. Wie so oft ist es eben doch so, dass 5.1-Sound bei Spielen eher nachlässig auf die Scheibe gepresst wird und man im Endeffekt nichts anderes hat als hochgerechneten Stereo-Sound. Wer kein 5.1 nutzt, kann sich dagegen nicht beklagen. Da die Soundschwierigkeiten von der eigenen Elektronikausstattung abhängen und nicht jeder gleich "pingelig" ist, werte ich diesen Umstand hier nicht.
Steuerung / Kampfsystem
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Zu Anfang scheint die Steuerung speziell im Kampf recht komplex und überfrachtet zu sein. Nach den ersten zwei oder drei Kämpfen merkt man jedoch schnell dass es im Grunde ausreicht, die Angriffstaste wiederholt zu drücken und ab und an eine vorausgewählte (Ketten-)Kombo mittels einer Anderen Taste zu drücken. Möchte man sich heilen (mittels Item oder Spell) pausiert man das Spiel mit Taste Nummer drei und wählt seelenruhig aus was man braucht. Die Bosskämpfe bringen auch nur wenig Abwechslung in die Kämpfe, besteht die Herausforderung doch meist nur darin, zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen... oder aber permanent "draufzuhauen". Beides funktioniert und im Zweifel rennt man im Kreis und lässt die KI-gesteuerten Partymitglieder den Gegner vermöbeln.
Kämpfe dienen in SOTLH scheinbar nur dazu, XP für die Gruppenmitglieder zu produzieren. Dazu muss man auch sagen, dass man die Zusammensetzung der 4-köpfigen Kampftruppe auch während der Kämpfe ändern kann.
Die Bonustafel scheint auch zunächst recht komplex zu sein und verspricht Abwechslung bei der Charakterentwicklung. Allerdings läuft es schon recht früh im Spiel darauf hinaus, dass man permanent mit +70% XP, +4% Heilung nach Kämpfen, + 10% Geld nach Kämpfen und +2 Gruppen-Skillpunkten durch die Gegend läuft. Heiltränke (bzw. Beeren) habe ich im gesamten Spiel nicht gebraucht und musste sie meist wegwerfen, um Truhen öffnen zu können. Lediglich die Arena-Kämpfe sind eine kleine Herausforderung, ebenso wie die Bonus-Dungeons nach Ende des Spiels. Aber ab ca. Level 100-110 ist auch hier keine Anstrengung mehr nötig.
Normalerweise sind solche Kritikpunkte fatal für ein Spiel dieser Machart. Allerdings gewinnt man die Charaktere doch sehr schnell lieb und die Erzählung der Geschichte ist ebenfalls recht früh spannend gestaltet, sodass man die Kämpfe bald als das sieht was sie sind: Auflockerung zwischen den Zwischensequenzen. Taktischen Tiefgang findet man in den Kämpfen jedenfalls nicht, auch wenn man jederzeit die Kontrolle über jedes Partymitglied übernehmen kann.
Handwerkssystem
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Das Handwerkssystem (Item Creation/IC genannt) ist ein netter Zeitvertreib und für die Erfolge/Trophäen unabdingbar, ebenso für viele Nebenaufgaben im Spiel. Unbedingt notwendig ist es aber nicht, da man in aller Regel die Ausrüstung die man braucht in den zahlreichen Kisten der Spielwelt findet und man selten auf spezielle Werte achten muss, die evtl. ein Herstellen eines speziellen Gegenstandes erfordern. Dafür ist der Punkt "Rezepturen entwickeln" recht interessant gestaltet: Je nach "Forschungsgruppe" ergeben sich andere Rezepturen, mit denen man dann zur Herstellung schreiten darf.
Charakterentwicklung
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Die Attribute (Angriff, Schild, Trefferwertung, Hitpoints, etc.) erhöhen sich automatisch beim Levelaufstieg. Eini Individualisierung ist lediglich über Ausrüstung und spezielle "Seeds" möglich, die ein Attribut permanent verändern. Auch das STIL-System bringt nur marginale Entwicklungsmöglichkeiten mit sich, da es im einfachsten Schwierigkeitsgrad keine Veranlassung gibt, die vorgegebene STIL-Einstellung zu ändern und bei den anderen Schwierigkeitsgraden man vor Bosskämpfen (wenn man möchte, nötig ist das nicht wirklich) einfach auf "STIL N" schaltet und so die Vorteile des Angriffs- und Verteidigungs-STILs zu kombinieren. Dafür gibt es die sogenannten Private Actions, die meist auf den Flügen zwischen den Planeten, oft aber auch abseits davon stattfinden und die Entwicklung der Charaktere untereinander (Zu-/Abneigung oder gar Liebe,...) beeinflusst und vorantreibt.
(Bemerkung am Rande: Davon wünsche ich mir auch bei anderen Spielen mehr: Der Fokus sollte bei einem Rollenspiel auf den Charakteren liegen und nicht darauf, wer mit der dicksten Wumme den krassesten Boss gemeuchelt hat. Lässt man nämlich mal die opulenten Kampfdarstellungen weg, bleibt von vielen "RPGs" nicht mehr viel übrig was sich zu spielen lohnt - und das ist bei SOTLH eben nicht so - gottseidank!)
Erfolge/Trophäen
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Hier wirds dann richtig lustig. Es gibt VIEL zu tun für Leute, die ein Spiel gerne komplett durchspielen und alles erreichen wollen. Verschiedene Endsequenzen für jedes Gruppenmitglied (abhängig vom persönlichen Verhältnis der Leute untereinander!), Errungenschaften für alle geöffneten Schatztruhen, alle gesammelten Schiffs-, Waffen- und Monsterdaten und so nette Dinge wie "Alle Kampftrophäen sammeln", was bei SOTLH bedeutet mit jedem Charakter Kämpfe mit bestimmten Bedingungen zu gewinnen (z.B. "10x als erster angreifen" bei Edge oder "Einen Kampf innerhalb 20 Sekunden gewinnen" bei Bacchus usw.) oder "Jeden Gegenstand 1x herstellen". Man sollte sich aber darauf einstellen, das Spiel mehr als ein Mal durchzuspielen - oder aber sich eine gute Lösung besorgen, die es schafft, auf all diese Aspekte einzugehen. In dem Fall dürfte sich die Spieldauer allerdings von ca. 30-50 auf etwa 70+ Stunden erhöhen ;)
Fazit
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Wer auf ausgefeilte oder schwierige Kämpfe/Bossgegner erpicht ist, wird in dieser Hinsicht enttäuscht werden. Dafür haben aber auch Anfänger keine Schwierigkeiten in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden durchs Spiel zu kommen. Wer eine interessante Story möchte, abseits vom Fantasy-Einheitsbrei, und für den die Erzählung selbiger im Vordergrund steht, der kann und sollte bedenkenlos zugreifen. Hier bekommt man eine Space-Opera zum Nachspielen geboten, aufgelockert durch ein paar Kämpfe mit stets fair verteilten Speicher- und Genesungspunkten, Erfahrung und Ausrüstung im Überfluss und liebgenswert gestalteten Figuren, die einen schnell die bei anderen Titeln dieser Machart fatal gewesenen Fehler vergessen lassen.
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