Wie ein neuer Kinofilm stellt sich MÖRDERISCHE SCHATTEN dar. Zeitlich nach dem STAR TREK - DER AUFSTAND und DEEP SPACE NINE angesiedelt erzählt der Autor Scott Ciencin von der Rasse der „Bondai-Shin".
Die „Bondai-Shin" sind eine Kriegerrasse, die sich von ihrer Familienstruktur und der Art ihrer brutalen Vorgehensweise an den Ninjas der Erde orientiert. Sie galten bislang jedoch als Mythos, denn niemand hat ihre bisherigen Angriffe überlebt um davon berichten zu können. Die „Bondai-Shin" glauben an die Leere, einer Vereinigung allen Seins und sie wollen ihren Glauben nun dem Universum aufzwingen.
Beginnend mit einer brutalen Mordszene und dem `Schnitt' auf die - aus einem Nebel auftauchende - ENTERPRISE-E, fühlt sich der Leser sofort an DER ERSTE KONTAKT erinnert. Picard erhält den Auftrag auf dem Planeten Nydaris, der eindeutig ein Spiegelbild von „Coruscant" aus STAR WARS ist, den Wissenschaftler Dr.Noguri zu beschützen. Doch die Ankunft der ENTERPRISE ruft die überlegenen „Bondai Shin" auf den Plan. Sie töten Noguri und sind gewillt dessen Erfindung, einen Planetentransporter, für ihre mörderischen Zwecke einzusetzen. Jeder der sie gesehen hat muss sterben - und dieses mal ist es der gesamte Planet und die Besatzung der ENTERPRISE ! Der ungleiche Kampf auf Leben und Tod bringt einen unerwarteten Verbündeten hervor - Sela, die Tochter von Tasha Yar !
MÖRDERISCHE SCHATTEN ist von Anfang bis Ende auf kinoreife Action gestylt. So mysteriös die „Bondai-Shin" auch sein mögen, so untypisch passen sie in das STAR TREK Universum. Der in 4 Kapitel unterteilte Comic hat weder einen richtigen Anfang noch ein eindeutiges Ende. Alles deutet auf eine Fortsetzung hin, die es meines Wissens nach nicht geben wird. Der Comic ist brutal und lässt philosophische Ansätze vermissen. Einer X-Akte ähnlich versucht der Autor eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen - und das gelingt ihm auch ! Ich persönlich kann den „Bondai-Shin" einen gewissen Reiz nicht absprechen, doch der Nachgeschmack ist bitter. Sollte es jemals (in Comic- oder Buchform) zum Krieg mit dieser Rasse kommen, dann waren die Kämpfe mit den Borg und dem Dominion nur Geplänkel gewesen. Die Einbindung von Sela ist nur schmückendes Beiwerk. Auf dramaturgische Verstrickungen der Halbromulanerin warten gespannte Leser vergebens. Ihr Auftauchen wirk ebenso konstruiert wie ihre nicht vollends geklärten Beweggründe. Alles in allem eine verschenkte Chance.
Die Illustrationen von Zeichner Andrew Currie sind OK, aber für einen 2001'er-Comic nicht sonderlich spektakulär. Die Figuren sind zu steril geraten, die ENTERPRISE wirkt skizziert. Die düstere Farbgebung entspricht zwar den Dialogen, sind aber nicht immer treffend. Auch die Dialoge selbst entziehen sich zeitweise der Logik und stören den Handlungsverlauf. Das teilweise recht planlose Zusammenspiel der Charaktere erinnert nicht an die NEXT GENERATION.
Fazit : MÖRDERISCHE SCHATTEN ist nur leicht über dem Durchschnitt zu sehen und steht meilenweit hinter den vergleichsweise genialen Dino-Comics SYMBIOSE und VERGEBUNG zurück. Für Sammler und glühende STAR TREK TNG-Fans interessant aber KEIN „MUST HAVE".