Wege zum Ruhm: Stanley Kubrick hatte sein Talent bereits mit dem ausgezeichneten Kriminalthriller
Die Rechnung ging nicht auf unter Beweis gestellt, aber es war das Antikriegsmeisterwerk
Wege zum Ruhm, das ihm internationale Anerkennung verschaffte.
Kirk Douglas gab den Anstoß zu diesem Film, der auf dem Roman von Humphrey Cobb basiert, und entschied sich für den jungen Kubrick als Regisseur, der daraufhin einen der stärksten Filme über den verschwenderischen Wahnsinn des Krieges schuf. Douglas schlüpft hier in eine seiner besten Rollen überhaupt als Colonel Dax, Kommandant eines kriegsmüden Regiments der französischen Armee entlang der Westfront während des Ersten Weltkriegs. Die Truppe sitzt unter dem Artilleriebeschuss der Deutschen in ihren Schützengräben fest und wird auf eine selbstmörderische Mission geschickt, um eine stark befestigte deutsche Stellung einzunehmen.
Nachdem die Mission unweigerlich scheitert, befehlen französische Generäle die Aussonderung dreier Soldaten, um sie wegen Feigheit vor dem Feind vor ein Kriegsgericht zu stellen und hinzurichten. Dax wird zum Verteidiger für die ausgewählten Sündenböcke ernannt, und was dann folgt ist eine Travestie der Justiz, die nach Jahrzehnten noch immer relevant und ausdrucksvoll bleibt. Im Gefolge einiger der realistischsten und überwältigendsten Schlachtsequenzen, die je gefilmt wurden, erforscht Kubrick auf brillante Weise die politischen Machenschaften und egoistischen Ambitionen, die im sinnlosen Tod auf dem Schlachtfeld und vor Erschießungskommandos enden.
Wege zum Ruhm ist unbeirrbar in seiner Verurteilung des Krieges und der Hemmungslosigkeit seiner militärischen Führer, die aus den bequemen Sesseln ihrer luxuriösen Hauptquartiere heraus den Tod Tausender inszenieren. Wege zum Ruhm wurde in Frankreich als verleumderischer Angriff auf die französische Ehre jahrelang von der Zensur verboten, aber es ist deutlich, dass dieses intensive Drama auf alle Nationen zielt. Auch wenn es sich hier um die Themen Mut und Loyalität im Rahmen des Krieges im Allgemeinen handelt, dreht sich der Film speziell um die historischen Realitäten des Ersten Weltkrieges. Dennoch bleiben seine Wirkung und die künstlerische Leistung zeitlos und universell. --Jeff Shannon
Die Rechnung ging nicht auf: Stanley Kubricks dritter Spielfilm Die Rechnung ging nicht auf ist sein erster Leinwandklassiker und einer der großen Kriminalfilme der 50er-Jahre. Er schrieb ihn zusammen mit Drehbuchautor Jim Thompson, der für Billigromane wie The Grifters, The Killer Inside Me und Pop. 1280 verantwortlich zeichnete, die alle als Film adaptiert und Klassiker wurden. Diesmal schrieb Thompson direkt für die Leinwand und schloss sich dabei mit Kubrick zusammen, um eine Geschichte über eine verzweifelte Gang enttäuschter Verlierer auszutüfteln, die von einem grimmigen, entschlossenen Sterling Hayden angeführt wird. Gemeinsam entwerfen sie einen komplexen Überfall auf den Tresorraum einer Rennbahn und führen ihn auch durch, aber innere Spannungen und die erbarmungslosen Kräfte des Schicksals arbeiten gegen sie.
Die Besetzung ist durchweg spitze, und Hayden, Jay C. Flippen, Timothy Carey, Marie Windsor und Elisha Cook Jr. schlüpfen meisterhaft in die Rollen von Charakteren, die hin- und hergerissen sind zwischen hochfliegenden Ambitionen und einfachem Verlangen. Kameramann Lucian Ballard gestaltet verzerrte, grell ausgestrahlte Innenaufnahmen, die die psychologischen Spannungen der Charaktere widerspiegeln. Zusammen mit Kubrick zauberte er auch eine der wohl denkwürdigsten ironischen Schlusssequenzen der Filmgeschichte.
Die Rechnung ging nicht auf ist der perfekte Einstieg in die Kunst und die Freuden des Film Noir, und seine skurrile erzählerische Struktur wurde seitdem oft kopiert. Für den perfekten Doppelfeature-Abend empfiehlt es sich, diesen Film zusammen mit Asphalt-Dschungel von John Huston zu genießen, ein weiteres Noir-Meisterwerk mit Sterling Hayden in der Hauptrolle; oder mit Wege zum Ruhm, Kubricks nächstem Film, den er ebenfalls zusammen mit Thompson schrieb. Oder sogar mit Jackie Brown, bei dem Quentin Tarantino den einzigartigen Zeitsprüngen dieses Films huldigt. Die Rechnung ging nicht auf kommt kommerzieller daher als Kubricks spätere Filme, dennoch ist und bleibt er eine Glanzleistung eines der ausgezeichnetsten Filmemachers aller Zeiten. --Raphael Shargel
Der Tiger von New York: Stanley Kubrick führte bei Der Tiger von New York, seinem zweiten Spielfilm, nicht nur Regie -- er arbeitete, quasi als Einmann-Studio, auch als Drehbuchautor, Produzent, Cutter und Kameramann. Seine sich entwickelnde filmische Intelligenz machte dabei aus einer unter anderen Umständen wenig bemerkenswerten Geschichte einen denkwürdigen, wenn auch kleinen Film -- eine Vorahnung auf die Meisterwerke, die noch kommen sollten.
Jamie Smith spielt einen erledigten Preisboxer, der seiner platinblonden Nachbarin (Irene Kane), die in einer Bar als Taxi-Girl arbeitet, zu Hilfe eilt, als die von ihrem gediegenen, zwielichtigen Boss (Frank Silvera) belästigt wird. Smith und Kane verlieben sich, aber ihre Pläne, die schonungslose Großstadt zu verlassen, um das einfachere Leben in Seattle zu genießen, geraten in Gefahr, als Silvera seine Schläger schickt, um Smith unter Druck zu setzen. Verwechslungen wie auch eine übereifrige Tracht Prügel führen zu Mord, Entführung und schließlich zu einer verzweifelten Konfrontation zwischen Smith und Silvera in einem unheimlichen Lagerhaus voller Schaufensterpuppen. Abgeschlagene Köpfe, hin- und herschwingende Hände und die leeren Blicke der leblosen Puppen werden zum kalten Gegenstück dieses schweißtreibenden, geradezu archaischen Kampfes, in dem Silvera eine Axt schwingt und Smith ihm mit einer Pike entgegentritt -- wie zwei Gladiatoren in einer abstrakten Arena.
Die graue Kulisse von New York, in der der Film größtenteils gedreht wurde, wird zum krassen Schwarz-Weiß, und während die Spannung steigt, lauert die Stadt bedrohlich über den Charakteren. Kubricks raffinierter Gebrauch von akustischen Mitteln sowie sein schmuckloser optischer Stil sorgen für eine hyperrealistische Atmosphäre, die in seinem folgenden Film, dem Klassiker Die Rechnung ging nicht auf, noch viel wirkungsvoller zum Einsatz kommen sollte. --Sean Axmaker
"Die Rechnung ging nicht auf" Der entlassene Häftling Johnny Clay plant mit einer Gruppe von vier Männern den großen Coup. Er entwickelt einen brillianten Plan, um die Wettkasse einer Pferderennbahn zu überfallen. Dank präziser Vorbereitung können die Fün die erhofften Millionen an sich bringen. Doch einen wichtigen Faktor haben sie übersehen: Sherry Peatty, die Ehefrau eines Komplizen, und ihr Liebhaber haben es ebenfalls auf das Geld abgesehen. Laufzeit: ca. 80 Min. Regie: Stanley Kubrick Darsteller: Sterling Hayden, Vince Edwards, Jay C. Flippen, Colleen Gray, Marie Windsor; Produktionsjahr: 1956 "Der Tiger von New York" Der erfolglose Boxer Davy Gordon verliebt sich in seine Nachbarin Gloria. Die junge Frau wird von Vincent Rapallo, einem alternden Gangster, in Abhängigkeit gehalten. Um die Beziehung zwischen den beiden Verliebten zu verhindern, scheut Vincent vor nichts zurück. Als er Gloria entführt, kommt es in einer verlassenen Schaufensterpuppen-Fabrik zu einem gefährlichen Zweikampf zwischen den Rivalen... Laufzeit: ca. 64 Min. Regie: Stanley Kubrick Darsteller: Frank Silvera, Jamie Smith, Irene Kane, Jerry Jarret, Mike Dana; Produktionsjahr: 1955 "Wege zum Ruhm" Der ehrgeizige französische General Mireau sieht während des Ersten Weltkriegs seine Chance zum beruflichen Aufstieg. Dafür gibt er den Befehl eine deutsche Festung zu stürmen. Ein aussichtsloses Unterfangen - die Soldaten verweigern den Gehorsam. Um die "Moral der Truppe" wieder herzustellen, wird an drei Soldaten ein Exempel statuiert. Ihre Regimentskommandeur Colonel Dax will vor dem Kriegsgericht die eigentlichen Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Laufzeit: ca. 83 Min. Regie: Stanley Kubrick Darsteller: Kirk Douglas, George MacReady, Ralph Meeker, Peter Capell, Adolph Menjou; Produktionsjahr: 1957