Wer niemanden aus der adligen Szene kennt, mag meinen, es handle sich um ein Paralleluniversum wie jedes andere auch: Taubenzüchter, Ü-Eier-Sammler, Schuh-Fetischisten. Eine Spezies mit bizarr anmutenden Codes und zum Teil liebenswerter Anachronistik. Wer allerdings insider-Kenntnisse hat, hält den Atem an. Julia von Heinz ist es gelungen, mit den drei adligen Damen ein erschütterndes Portrait der Chancenlosigkeit zu skizzieren. Bist du adlig und bist du ein Mädchen, bist du ein Blindgänger. Mannesstammesprinzip eben. Das blaublütige Mädchen wächst auf mit der verwirrenden Botschaft: du bist etwas Besonderes, weil aus gutem, traditionsreichem Haus. Und zugleich: du zählst nichts im Stammbaum, eene-meene-Maus und du bist raus! Am allermeisten raus bist du, wenn du einen Bürgerlichen heiratest, der deinen Namen annimmt. Noch mehr raus geht nicht! Jede der drei Frauen verkörpert diese Brüchigkeit in ihrer Biografie. Erschütternd! Dabei so unterhaltsam und so feinsinnig inszeniert, dass Frau von Heinz jeden der fünf Sterne einzeln verdient hat. Ganz formidabel, meine Liebe!