Ein kurzer Check zeigt einige Fehler, und zwar auch bei Grundlagen:
- Index (S. 8-10) voller Rechtschreibfehler: Haya statt Hoya, Hehenlohe-Ingelfingen statt Hohenlohe, usw.; Nassau-Wiesbaden-Idstein im Katalog, fehlt aber im Index; viele unnötige Varianten
- in Einleitung (S. 11-18) falsche Angaben zum Reichstaler von 1566 ("taler raised to 72 kreuzer" statt "ein Stück sechzig acht Kreutzer"); zu Zinna: "Gulden war nun gleich einem Taler", statt: Gulden entsprach 2/3 Rechnungstaler; Graumannscher Taler von 1750 mit 16,67 g (statt 16,704 g) angegeben, d.h. mit Vereinstaler von 1857 verwechselt; zum Konventionsfuß: "a speciestaler equal to 1 reichstalers (!)", statt "1 1/2 reichtalers"; Dresdner Münzverein nicht 1834 sondern 1838: deutsche Staaten entschieden sich dort nicht für preuß. 14-Taler-Fuß, sondern wählten zwischen 14-Taler- oder 24 1/2-Gulden-Fuß; "Franzgeld" und Kronentaler fehlen völlig; insgesamt macht die Einleitung nicht den Eindruck, als stamme sie von einem ausgewiesenen Fachmann; Frage: Was lernt ein interessierter Laie, der diese Einleitung als Einführung in die deutsche Münzgeschichte liest? - Jede Menge Falsches.
- Liste der Stückelungen (S. 19f) völlig nutzlos, da 1) Art der Münze, sprich: das Münzsystem nicht angegeben (z. B. bei "Schön, 18. Jhdt." 16 verschiedene Typen von Schillingen, bei Krünitz deren 34!; "6 Pfennig = 1/2 Schilling" gilt z.B. für den Lübischen Schilling, aber nicht für 1/2 fränkischen Schilling, dieser 5 Pfg.) & 2) Bruchzahlen fast durchgehend fehlen ("Heller = Kreuzer" statt "Heller = 1/8 Kreuzer", "16 Gute Groschen = Taler = Gulden" statt = "2/3 Taler", usw.)
- Fehler bei Angaben zu einzelnen Münzen : Gewicht der badischen Kronentaler (S. 71f) viel zu hoch (59,516 g) oder zu niedrig (18,148 g); Bremer Thaler Gold (Silbergehalt 17,296 g) als Vereinstaler (Silbergehalt 16,667 g) bezeichnet; sächsisch-albertinische Doppeltaler von 1733-1780 und preußische von 1716-1719 als 3 1/2-Gulden-Stücke, also Vereinsmünzen von 1838-57 ausgewiesen
- Münzen falsch eingeordnet: unter HANNOVER - City (S. 500ff) städtische Prägungen des 16. + 17. Jhdts. mit Kleinmünzen des Königreichs aus 19. Jhdt. vermengt, letztere fehlen dort; ein erfundener Münzstand: KIRCHBERG (S. 611) ist nicht K. im Hunsrück sondern in Thüringen - Münze gehört zu Sayn-Hachenburg (S. 1202: sogar gleiche Davenport-Nr. 2373); Carl Theodor von Dahlberg hat nicht für Rheinbund ("RHENISH CONFEDERATION", S. 1004) geprägt, sondern für seine eigenen, die Fürstprimatischen Staaten = Stichwort irreführend; offensichtlich auch keine Vorstellung, was eine 'Personalunion' ist, daher z.B. brandenburgische und preußische Prägungen der Hohenzollern genauso miteinander vermengt, wie sächsiche und polnische der Wettiner, entgegen der ausdrücklichen Angaben auf den jeweiligen Münzen und entgegen dem wohldurchdachten Brauch in den einschlägigen deutschen Münzkatalogen und im Münzhandel
- falsche geographische Angaben: SAINT ALBAN (S. 1017): nicht Dorf "some 27 miles southwest of Mainz", sondern Sankt Alban in Mainz selbst; NEURUPPIN (S. 792) nicht im Rheinland, sondern in Brandenburg, Eintrag für Neuss zweimal gedruckt; zur Verortung von SAXONY (S. 1022): beschrieben wird Niedersachsen, aber die folgenden Münzstände bis auf eine Ausnahme (Saxe-Lauenburg) in (Ober-)Sachsen oder Thüringen
- Außerdem, wieso fehlt in einem historischen Katalog einer der wichtigsten deutschen Münzstände überhaupt: Österreich (vgl. Kaiser & Reichsmünzordnungen, Konventionsfuß, Wiener Münzvertrag 1857; bis 1866 Teil von 'Deutschland')? Stattdessen: winzige Territorien in Elsass und Lothringen + Ösel und Wiek in Estland (s. Begründung dort!!); zumindest die in Süddeutschland gelegene vorderösterreichische Markgrafschaft BURGAU mit der wichtigen Münzstätte in Günzburg hätte aufgenommen werden müssen & einige weitere, kleinere Münzstände fehlen (Manderscheid-Blankenheim, Rieneck, etc.)
- Handhabung schwierig, besonders bei Querverweisen, da keine durchlaufende Nummerierung; außerdem Listen unlogisch geordnet: z.B. Sachsen, Albertiner - jeweils ohne ersichtlichen Grund Listen für 1/24 Taler (S. 1038 und 1045-47) und 1/4 Taler (1040f und 1050-52) auseinandergerissen
Fazit: Fehlerliste könnte in Details ohne weiteres erweitert werden; einige Fehler sind bei der Fülle des angebotenen Materials verständlich; aber: für ein Werk, das sich selbst als Standardwerk bezeichnet, viele grundlegende Fehler, die zeigen, dass sich zumindest einige der Bearbeiter in deutscher Geographie, Geschichte und Numismatik nicht auskannten; Frage: Wie zuverlässig sind eigentlich die Teile des Katalogs, die man nicht anhand der Kataloge von Schön, AKS, usw. leicht überprüfen kann? Also: sicherlich eine riesige Fülle von Informationen, die man jedoch nicht einfach unkritisch übernehmen kann.