Die finnischen Mannen (und Akkordeongrazie Netta Skog) von Turisas haben mit ihren bisherigen drei Alben das geschafft, was anderen Bands nach über zehn Alben nicht gelingt: Sie haben sich konsequent weiterentwickelt. War der Sprung von "Battle Metal" zu "The Varangian Way" noch nicht allzu eindeutig hörbar, so ist er es mit "Stand Up And Fight" umso mehr. Mathias Nygard singt fast durchgängig, Growlpassagen werden nur noch häppchenweise serviert. Parallel dazu sind die Einsätze von orchestralen Parts immens gestiegen. Beides zusammen hat zur Folge, dass "Stand Up And Fight" im Vergleich zu seinen Vorgängern an musikalischer Härte eingebüßt hat, was aber kein Nachteil sein muss. Ganz im Gegenteil: Das Album ist mitreißend, heroisch, erinnert stellenweise an Filmmusik und verbreitet hier und da Musicalatmosphäre par excellence. Zudem war Nygard in meinen Augen nie ein wirklich begnadeter Growler (bezogen auf die Konzerte, die Studioaufnahmen fand ich in Ordnung), der cleane Gesang stand ihm bereits auf den ersten Alben wesentlich besser zu Gesicht.
Wirkliche Highlights sind auf dem Album schwer zu benennen, das fällt mir bei anderen Alben wesentlich leichter. Mein persönliches Glanzlicht ist glaube ich "The Great Escape", weil der Titel a) eine tolle Spannungssteigerung hat, in ein famos geniales Ende mündet und b) auch live super ankommt. Zusammen mit "End Of An Empire" sind das die beiden komplexesten Lieder, letzteres erinnert mit über 7 Minuten Laufzeit und einem bombastischen Orchester am Ende an "Miklagard Overture" auf dem Vorgängeralbum und ist nicht minder interessant. Der Opener "The March Of The Varangian Guard" ist eine wahrhaft heroische Hymne und zeigt recht deutlich auf, in welche Richtung der Rest des Albums geht. "Stand Up And Fight" ist der eingängigste Track und war zu Beginn einer meiner Lieblingsstücke; inzwischen finde ich fast alle anderen Titel wesentlich interessanter. Bei "Hunting Pirates" ist es genau umgekehrt: Hieran habe ich erst nach mehreren Hördurchläufen wirklich Gefallen finden können. Grandios ist auch "Take The Day!", einer der besten Titel auf dem Album. Die Strophen sind ruhig, fast schleichend, der Refrain hingegen energiegeladen und mitreißend ohnegleichen. Ganz großes Kino. Die saubere und glasklare Produktion rundet den positiven Gesamteindruck ab.
Man darf durchaus die zu kurze Spieldauer des Albums bemängeln. Ich hätte auch keine Bauchschmerzen mit der doppelten Laufzeit. Allerdings mag ich weder Lückenfüller noch Titel, die ich überspringen muss/möchte. Qualität statt Quantität sozusagen. Ich habe lieber 8 sehr gute Titel als 8 sehr gute und 5 schlechte auf einem Album. Turisas haben sich erneut weiterentwickelt, dennoch ist der Wiedererkennungswert geblieben. Der Gesang, das Akkordeon und vor allem die herausragende Arbeit von Geiger Olli Vänskä verleihen der Band eine Eigenständigkeit, die unter den etlichen Pagan-/Folk-Metal-Bands nicht selbstverständlich ist. Man kann der Band einiges unterstellen, aber nicht, dass sie ihre Hörerschaft in irgendeiner Form langweilen würde. Von mir eine klare Kaufempfehlung.