Das neue Dave Matthews Band-Album ist da und hat immerhin stolze 3 Jahre auf sich warten lassen, eigentlich ja sogar 4, bedenkt man, dass "Busted Stuff" ja nur ein Aufguss der Lillywhite Sessions aus dem Jahre 2000 war. Die ersten neuen Songs seit 4 Jahren also, sieht man über das etwas seichte Solodebüt von Matthews hinweg. Gerade das sollte man aber nicht tun, denn "Stand Up" klingt zwar in vielen Bereichen nach der Dave Matthews Band zur Zeit von "Before these crowded streets", bringt aber Einflüsse von "Everyday" und besonders "Some Devil" mit, die sich schwerlich leugnen lassen.
Die gängigen Vorwürfe waren entweder, dass die Band nicht mehr so klinge wie früher bzw. eben noch genauso klinge und sich nicht weiterentwickelt habe. Wenn man nur vom Sound ausgeht, kann man beiden Parteien gleichermaßen recht geben. Aber weiterentwickelt hat sich die Band schon. Songs wie "Dreamgirl", "Stand Up" oder "American Girl" klingen zwar nach alten Songkonzepten von Matthews: Riff, etwas Band dazu, ein wenig geordnet, ein wenig frei, "Everybody wake up" und "Hunger for the great light" erinnern - ein wenig unangenehm im ersten Moment - an "Everyday"-Zeiten, andererseits gibt es Songs wie "Hello Again", "Old Dirt Hill", "Louisiana Bayou" und "Smooth Rider", die zwar nie ihren Autoren verleugnen, aber sich mit den amerikanischen Wurzeln gleichsam befassen. Die Tendenz hin zu den "songwriting roots" war ja schon auf "Some Devil" zu spüren, es ist spannend zu erfahren, dass Matthews' Reflexionen über die Tradition, in der er steht, auch mit der Band funktionieren.
Ein weiteres Element des neuen Albums ist das Piano: Matthews scheint manche Songs darauf komponiert zu haben und gleich zwei Gastpianisten wurden für die Aufnahmen engagiert: neben dem Touring-Bandpianisten Butch Taylor ist auch der neue Co-Songwriter Matt Dawson mit von der Partie.
Gerade, dass die Dave Matthews Band sich treu bleibt und gleichzeitig wandelt, ist für mich ein besonderes Faszinosum dieser Formation. Seit "Crowded Streets" hat sich von Album zu Album immer etwas geändert und auch bei "Stand Up" ist es nicht anders. Vorwürfe, sich im Kreis zu drehen, muss sich Matthews meiner Meinung nach nicht anhören. Die Band arbeitet nachwievor auf hohem Niveau, das kaum eine andere Gruppe der Szene erreicht. Der Erfolg in Europa bleibt leider Küchenpopbands wie Coldplay vorbehalten. Schade um die immer wieder großartige Musik, die den meisten Europäern mit dem Erscheinen jeden neuen DMB-Albums entgeht.