Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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50 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Buch, 21. September 2003
Stammheim - da dachte man in den siebziger Jahren an irregeleitete Idealisten, weggeschlossen in sterile weißgestrichene Zellen im "Hochsicherheitstrakt", streng bewacht von wortkargen Schließern. Die einen fanden das noch zu milde, die anderen nannten es "Isolationsfolter". Daß es in Stammheim ganz anders zuging, welche Privilegien die Gefangenen hatten, was die Beamten sich alles von ihnen gefallen lassen mußten, wie unsicher der Staat überhaupt im Umgang mit ihnen war - das erfährt man aus diesem Buch, in dem Kurt Oesterle die Erinnerungen von Horst Bubeck verarbeitet hat, welcher für die Bewachung der RAF-Gefangenen verantwortlich war. Es handelt sich um ein Stück Journalismus, aber nicht nur. Der Autor schreibt engagiert (vor allem merkt man seine Zuneigung, ja, Verehrung, für den bescheidenen Beamten Bubeck und seine Wut über das Versagen der - rechten und linken - Öffentlichkeit damals, die nie wahrnahm, was in Stammheim wirklich los war), und bleibt doch sachlich genug, um dem Leser ein eigenes Urteil zu erlauben. (Gelegentliche antideutsche und antiprotestantische Klischees seien ihm darum verziehen.) Oesterle läßt auch eigene Erinnerungen einfließen und bemüht sich so, die allgemeine Stimmung jener Zeit mit darzustellen. Eine gute Entscheidung war es, auf Bilder zu verzichten, denn hier wird etwas erzählt. Bubecks - und Oesterles - Perspektive ist sicher nicht die einzige, aus der man Stammheim und die RAF sehen kann, aber wer sich damit beschäftigt, sollte diese Perspektive zur Kenntnis nehmen, vor allem, bevor man die RAF zum Objekt von Kunstausstellungen macht. Das Buch ist schön gebunden und gesetzt, fast zu schön. Statt in einem kleinen Verlag zu einem stattlichen Preis (18,90 Euro für weniger als 200 nicht besonders eng bedruckte Seiten), hätte es besser als preiswertes Taschenbuch erscheinen sollen. Aber vielleicht kommt die Taschenbuchausgabe ja noch.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Bubecks Sicht, 27. November 2007
Ein 45stündiges Gespräch, dass Oesterle mit Bubeck geführt hat, ist die Basis für sein Buch, das versucht, die Zeit der Inhaftierung aus Bubecks Sicht darzustellen. Zum einen wird das Geschehen aus der Retrospektive betrachtet, zum anderen aber auch aus der direkt erlebten Perspektive. Bubeck beschreibt das Eintreffen der beiden ersten Häftlinge, Ensslin und Meinhoff, in Stammheim, das Großaufgebot an Polizei und den Tritt, den Ulrike Meinhoff ihm bei ihrer Ankunft versetzt. Er schreibt über die Haftbedingungen und will der Lüge von der Isolation etwas entgegenstellen. "Kein Häftling aus den folgenden Generationen der RAF traf je wieder auf so wenig unangenehme Haftbedingungen wie seine Vorläufer im Stammheimer Gefängnis vor dem 5. September 1977, dem Beginn der Kontaktsperre nach der Schleyer-Entführung." Schon immer und auch immer noch unüblich war und ist beispielsweise, dass die Geschlechter während des Vollzugs nicht getrennt waren, sie außerdem acht Stunden täglich im so genannten Umschluss zusammen sein konnten. Im Gegensatz zu anderen Gefangenen hatten sie jeder einen Fernseher auf dem Zimmer, zusätzlich einen Plattenspieler und außerdem verschiedene Zeitungen, die sie bekamen. Sie durften mehr Bücher als die anderen Gefangenen in ihrer Zelle haben und mehr Besuch bekommen. Gegenüber den Vollzugsbeamten zeigten sie sich abwertend, beleidigend und provozierend. Die Vollzugsbeamten ihrerseits blieben gleichbleibend freundlich, neutral. Der Blick Bubecks zeigt Andreas Baader als Leitwolf, dessen fiese Art auch vor seinen Mitinsassen nicht Halt machte, der jedoch durchaus umgänglich sein konnte, wenn es für ihn von Vorteil war.
Oesterles Buch ist durchweg gut und leicht zu lesen und gibt, das muss dem Leser bewusst sein, Bubecks Perspektive wieder. Er erzählt, was er gesehen und erlebt hat, deutet sehr selten und will nicht bewerten, sondern lediglich berichten. Im Gesamten aber kommt er allzu weise, gerecht und humanistisch rüber. Kein Böses Wort kommt über seine Lippen. Oesterles Bewunderung für den Gleichmut und die Duldsamkeit dieses Mannes, der trotz vieler Beleidigungen, Drohungen und Provokationen nie Rache nahm und Selbstjustiz übte, scheint dann doch etwas zu unkritisch und verherrlichend. Abgesehen davon ist dieses Buch eines, das Einblicke in den Haftalltag gibt, darüber hinaus auch über die Gefängnismauer blickt, Zeitgeist und Politik in den Bericht einflicht und zudem ein Bild der Personen, die die Inhaftierten waren, schafft. Auch die Rolle der Vollzugsbeamten inmitten der Interessen der RAF, der Politik und der Justiz wird beleuchtet.
Ein durchaus lesenswerter und interessanter Bericht des Amtsinspektors Horst Bubeck zur Haft von vier Gründungsmitgliedern der RAF, der mit ihrem kollektiven Selbstmord, der nur noch von den wenigsten angezweifelt wird, endet.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erhellendes zu Stammheim und der RAF!, 6. September 2007
Ich muß zugeben, dass ich mir seit langem einmal wieder ein Buch zu einem politischen Thema gekauft habe. Ich will auch gleich gestehen, dass die handschmeichelnde Ausstattung, das angenehme Papier und das coole Cover des TB aus dem Klöpfer Verlag meine Kaufentscheidung heftig beeinflusst haben. Ein echter "Impulskauf" also! Dann aber habe ich das "Büchlein" an einem Tag ausgelesen und es gleich allen meinen Bekannten empfohlen. Hier wird "essayistisch", oder "journalistisch" Seite für Seite aus berufenem Munde eines befragten "Häftlingswärters" die alltägliche Situation in Stammheim spürbar gemacht. Fehlurteile der Presse, Meinungsmache der Öffentlichkeit und Schwächen mancher opportunistischen Politiker werden subjektiv aber glaubhaft aufgedeckt. Stammheim ist das Gefängnis für menschenverachtende Staatsfeinde geworden. Horst Bubeck,der lange Jahre nicht sprechen durfe deckt ein wichtiges Stück deutscher (Rechts)Geschichte schonungslos und packend auf.
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