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Vor zwanzig Jahren verwüstete ein Meteorit eine russische Provinzstadt und deren Umgebung. Reisende verschwanden in der Folge unter mysteriösen Umständen in diesem Gebiet, welches man nur noch als die "Zone" bezeichnete. Und bald machten Geschichten von einem Raum innerhalb der Zone die Runde, von dem man sich sagenhaftes erzählte. Jedem, der sich dorthin vorwagt, würden die geheimsten Wünsche erfüllt werden. Ein erfolgreicher Schriftsteller (Anatoli Solonitsyn) und ein Wissenschaftler (Nikolai Grinko) engagieren den berüchtigten Stalker (Aleksandr Kaidanovsky), einen Führer und Fährtenleser, um sie sicher dorthin zu bringen. Doch zunächst gilt es, die patroullierende Armee und die Grenzposten am Rand der Zone zu überwinden.
Was wie die Exposition zu einem Actionfilm klingen mag, ist bei Tarkowskij lediglich die Ausgangssituation, um den zentralen moralischen Konflikt stärker herauszuarbeiten. Es geht um Menschen, die sich im Leben verirrt haben und sich auf der Suche befinden. Auf der Suche nach etwas anderem, das ihnen die moderne Welt mit all ihrem Zynismus, ihrem Unglauben und der daraus resultierenden Leere nicht bieten kann. Dieses von außen auferlegte Erkenntnisstreben -- stets von Unruhe und Entbehrungen begleitet -- zeichnet sich durch Schmerz und Enttäuschung aus, wird doch die letzte Wahrheit immer unerreichbar bleiben.
Die Art und Weise wie Tarkowskij sein Thema auslotet, mit welchen Stilmitteln er arbeitet, ist atemberaubend, ganz speziell auf der visuellen Ebene. Ist der Film im ersten Drittel noch in Schwarzweiß gedreht, sind die Szenen innerhalb der Zone in monochrome Grüntöne getaucht. Die Instrumentalisierung verfallener Industrieanlagen und der unkontrollierbare Wildwuchs hat Tarkowskij den Ruf eines modernen Mystikers eingetragen und funktioniert vor dem Hintergrund der philosophisch anmutenden Grundkonstellation hervorragend. Stalker ist neben Solaris bis zum heutigen Tag Tarkowskijs berühmtester Film, der eine ganze Generation nachfolgender Filmemacher beeinflusst hat. --Thomas Reuthebuch
Wie auch Nostalgia und Solaris ist Stalker ein Ausnahmewerk der Filmgeschichte. Die Bildsprache ist atemberaubend und die Darsteller geben Ihr Äusserstes. Obwohl der Film teilweise erheblich von der Romanvorlage abweicht, hat Meister Tarkovski es verstanden, zum Wesentlichen der Geschichte vorzudringen. Sience-Fiction und die "Zone" sind nur der Anlaß für diese zutiefst menschliche Geschichte. Die Charaktere werden meisterhaft entwickelt und der Film atmet eine unbeschreibliche Spannung. Die Nackenhaare sträuben sich, obwohl eigentlich nichts passiert. Das liegt nicht zuletzt an den seltenen Szenenwechseln. Tarkoski lässt seinen Kameramann minutenlang "draufhalten", was den Eindruck der Realität noch verstärkt.
Von der Bildsprache her fallen mir als Vergleich nur andere Tarkovski-Filme ein: "Nostalgia" und "Briefe eines toten Mannes".
Die DVD-Extras sind eine Offenbarung: Nach dem Abdrehen des ersten Teils von Stalker konnte das Filmmaterial nicht entwickelt werden: Die Arbeit eines ganzen Jahres futsch! Der Film wurde unter den Zwängen der sowjetischen Mangelwirtschaft gedreht - nicht einfach für einen Pedanten wie Tarkovski. Eine Doku zeigt das Haus Tarkovkis im heutigen verfallenen Zustand - zum Heulen!
Mein Tipp: Dieser Film gehört in jede Sammlung ernsthafter Filmliebhaber, egal wie teuer er ist. Unbedingt im Originalton (russisch) anschauen!
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