Martin Cruz Smith hat etwas geschafft, wovon jeder Autor träumt. Er hat mit Arkadi Renko ein "literarisches Wesen" erschaffen, das in den letzten 26 Jahren ein Eigenleben zwischen den Buchdeckeln entwickelt hat. Renko lebt und atmet auf jeder Seite von Cruz Smith Roman, ist so unvergleichbar wie sonderbar. Renko ist absoluter Kult, dabei aber keine Massenware. Der personifizierte russische Antiheld weckt Sympathien, die weder nachvollziehbar noch abzustellen sind. Wer ihm einmal als Leser verfallen ist, kommt nie mehr davon los. Selbst wenn man, wie ich, alles andere als ein Freund von Fortsetzungsromanen ist. Ausnahmen bestätigten halt die Regel. Und Renko, das ist Ausnahme aller Ausnahmen!
Renko macht das, was er am besten kann. Er ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Und das ist das Telefon seines Kollegen Urman. Er staunt nicht schlecht, als ein Mordauftrag auf einem Telefon der Moskauer Polizei eingeht. Aber ehe Renko sich um die Verstrickungen Urmanns kümmern kann, erleben Moskauer U-Bahn-Fahrgäste eine Erscheinung. Stalins Geist erscheint unter der Erde. Staatsanwalt Surin setzt Renko auf den toten Diktator an. Renko findet zwar keinen Geist, aber Urmann und dessen Kollegen Isakow. Der kandidiert nebenbei für eine patriotische russische Partei. Renko findet heraus, dass Urmann und Isakow das Topteam der Polizei sind. Die beiden verhaften nie, stets bleiben überführte Täter als Leichen zurück. Und es gibt eine Verbindung zwischen den Toten, Urmann und Isakow, die früher bei einer russischen Eliteeinheit im Tschetschenienkrieg waren, Stalins Geist und der Stadt Twer. Während seiner Ermittlungen verliert Arkadi seine Freundin Eva und seinen Ziehsohn Schenja an Isakow. In Twer kommt es schließlich zum Showdown der neuen russischen Elite und des Dinosauriers der Moskauer Polizei. Renko, das letzte Überbleibsel des russischen Sozialismus im Staatsapparat, hat dabei schlechte Karten. Sein Leben ist keinen Pfifferling mehr wert...
Wie Cruz Smith uns wieder auf den guten alten Renko-Kurs bringt, das ist beeindruckend und erstaunlich zugleich. Fast drei Jahrzehnte begleiten wir Moskaus Ermittler nun schon, keine Sekunde dieser Dekaden war langweilig. Wer die russische Seele kennen lernen will. Wer über Seilschaften, Sozialismus, Freundschaft, Tod und Leben in Moskau und Umgebung Einblicke erhalten will, der ist bei Cruz Smith genau richtig. Dazu gibt es eine Geschichte, die so interessant wie spannend ist. Renko ist wieder da. Noch immer mehr tot als lebendig, aber auf der richtigen Seite. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Renko Roman. Sollten bis dahin wieder ein paar Jahre vergehen...egal! Dafür warte ich gern!