Besymenski beschreibt das bizarre Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion in den dreißiger Jahren bis zum Beginn der Operation 'Barbarossa' am 22. Juni 1941. Das Buch wurde im russischen Original im Jahre 2000 veröffentlich. Zu dem Zeitpunkt war eine Menge Archivmaterial zugänglich geworden und die historischen Dogmen der Sowjetzeit galten nicht mehr. Besymenski fokussiert sich dabei nicht auf die militärischen Aspekte, sondern mehr auf das Spiel der Diplomaten und ökonomische Aspekte der deutsch-russischen Zusammenarbeit. Besymenski beschreibt die Ouvertüren der Diplomaten, gibt interessante Dokumente im Wortlaut wieder und versucht, die Intentionen von Hitler, Stalin, Ribbentrop, Litwinow, Molotow und anderen zu ergründen. Dabei zeigt er auch auf, wo diese Personen in ihren Ansichten und Urteilen fatal irrten. Nebenbei weist er die These von Suworow zurück, daß Hitler Stalin mit dem Angriff am 22. Juni 1941 nur um wenige Tage zuvor gekommen sei. Er räumt allerdings durchaus ein, daß die Absichten Stalins nicht etwa auf Frieden, sondern auf Zeitgewinn und letztendlich Aggression abzielten.
Es ist ja nicht wirklich neu, was Besymenski in diesem Buch beschreibt, aber für jemanden, der sich über diesem Aspekt der Vorgeschichte des Vernichtungskrieges im Osten einen Überblick verschaffen möchte, ist das Buch m. E. interessant und lesenswert. Man darf das Buch nur nicht als vollständige Abhandlung über diese Periode mißverstehen.