Auf knapp 300 Seiten präsentiert der Autor eine Stalin-Biographie, die die Zeit von Stalins Geburt bis weit über seinen Tod hinaus, nämlich bis hinein in die Putin-Ära umfasst. Dem eigentlichen Anspruch, eine Stalin-Biographie für den interessierten Laien vorzulegen, wird Kellmann dabei meines Erachtens nicht gut gerecht.
Zu viele historische Details und Nebenfiguren werden ausgebreitet, die man kaum einordnen kann, ohne sich bereits zuvor sehr gut in der russischen / sowjetischen Geschichte auszukennen. Über die Persönlichkeit Stalins erfährt man dagegen viel zu wenig - zu Stalins Kindheit z.B. ist sogar der entsprechende Wikipedia-Eintrag aufschlussreicher.
Für mich stellten sich nach der Lektüre noch intensiver als zuvor die Fragen, welcher Mensch sich eigentlich hinter dem grausamen sowjetischen Diktator verbarg, wie er zu dem wurde, was er war, und warum sich zu Lebzeiten in seinem direkten Umfeld oder in größerem Rahmen kein Widerstand gegen ihn formierte. Die Antworten darauf habe ich in dem Buch nicht gefunden. Stattdessen hatte ich das Gefühl, mit historischen Daten und Fakten zugeknallt worden zu sein. Von einer Biograhie hatte ich mir etwas anderes versprochen.