Aus der Amazon.de-Redaktion
Für Montefiore besteht das Faszinierende am absolut Bösen darin, dass es nicht ausschließt, dass der Diktator, nachdem er im Büro noch schnell ein paar Erschießungen angeordnet hat, mit denen er sich einiger unschuldiger Störenfriede entledigt, hinüber in seine Privaträume geht, ganz so, wie ein Buchhalter nach getaner Arbeit nach Hause, um dort mit seiner Frau über Alltäglichkeiten zu plaudern oder ihr im Falle der Abwesenheit ein Liebesbriefchen zu schreiben. Schon die Überschriften mancher Kapitel lesen sich vor dem Hintergrund und der Größe der stalinschen Verbrechen, wie eine Provokation: "Eine wunderbare Zeit: Stalin und Nadja" etwa, oder: "Lustige Gesellen: Stalin und Kirow". Der frösteln machenden Faszination der Gleichzeitigkeit von scheinbarer Liebe, freundschaftlichem Mitgefühl, rasendem Hass und absoluter Gefühlskälte in ein und derselben Person kann man sich indes tatsächlich nur schwer entziehen; auch wenn man immer wieder beschlichen wird von dem Verdacht, das Grauen der stalinschen Massenmorde werde durch die Belanglosigkeit des vor uns ausgebreiteten Privaten bagatellisiert.
Neben viel Lob hat der Autor nach Erscheinen der in Amerika und Großbritannien schnell zum Bestseller avancierten Originalausgabe für die Zwiespältigkeit der gewählten Perspektive eben deshalb auch Kritik einstecken müssen. Lesenswert aber ist diese außergewöhnliche, durch mehrere Fotostrecken aufgelockerte Biografie in jedem Fall! -- Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
"In Simon Sebag Montefiores monumentaler Studie ist Stalin nicht mehr der rätselhaft-abstrakte Diktator. Der Menschheitsverbrecher Josef Wassarinowitsch Dschugaschwili tritt dem Leser in dem faszinierenden Buch vielmehr als leibhaftige Person entgegen. [...] Eindrucksvoll beschreibt Montefiore das paranoide Nebeneinander von enthemmter Gewaltbereitschaft und kleinbürgerlich anmutendem Idyll am Hofe des roten Zaren." Welt am Sonntag
"Die neue Stalin-Biograpie: bis zur letzten Seite spannend" aspekte/ZDF
"Simon Sebag Montefiore hat es geschafft, uns ein ungewöhnlich persönliches Bild vom alltäglichen Leben im Kreml zu geben. Eine packende Darstellung." Robert Service, Oxford University