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5.0 von 5 Sternen
Spannender als jeder Krimi, 25. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Stalin: Am Hof des roten Zaren (Gebundene Ausgabe)
Dieses umfangreiche, aber sehr kurzweilige Buch konzentriert sich, wie der Untertitel bereits nahe legt, auf die Person Stalins und die Menschen, die ihn umgaben. Der Erzählstil des Historikers Simon Sebag Montefiore ist sehr unterhaltsam, aber noch beeindruckender ist die Fülle an neuem Material, die er in jahrelanger Recherche in verschiedenen Archiven und im Gespräch mit Zeitzeugen zu Tage gefördert hat. Herausgekommen ist eine brillante Biographie Stalins, die nicht selten große Überraschungen bietet. Dabei wird das bisherige Bild des sowjetischen Despoten über Bord geworfen, der Leser bekommt eine sehr differenzierte Beschreibung der Zeit und der Umwelt Stalins geboten. Auch erfährt man eine Menge über die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Tod Stalins im Jahre 1953, eine Periode, die sonst eher im Nebel liegt. Faszinierend ist die Beschreibung der engen Kreise, die in dieser Zeit Sowjetrussland regierten, die Darstellung ihrer Flügelkämpfe und ihrer Intrigen, die nicht selten in Blutbädern endeten. Das mit Zitaten und Anekdoten vollgespickte Buch schafft es mit Leichtigkeit, den Leser über mehrere hundert Seiten zu fesseln, ohne dabei im geringsten banal zu wirken. Eine absolute Empfehlung für Menschen, die gerne politische Biographien lesen, oder sich für diese Epoche der Weltgeschichte interessieren, die der skrupellose Georgier maßgeblich mitgestaltet hat.
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Stalin für alle und niemanden, 28. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Stalin: Am Hof des roten Zaren (Gebundene Ausgabe)
Stalin. Wer kennt den Namen nicht? Aber wer kennt eigentlich mehr als den Namen und ein paar allgemeine Schlagwörter zum Thema. Viele Menschen besitzen eine Art Halbwissen über gewisse Themen und das trifft ganz besonder für Europäer beim Thema Russland/Sowietunion zu. Vielleicht ist auch das Thema einfach zu groß, um sich heranzuwagen? Der Autor (SSM) will uns Stalin und sein Umfeld vorstellen und erklären. Er möchte die vielfältigen Personen, die um die Kultperson Stalin wie Satelliten herumkreisten darstellen. Und immer mittendrin Stalin selbst: der Mann (ein Versager der seine Frau in den Selbstmord trieb), der Vater (seiner Kinder, beide protektioniert aber leidend unter der Grösse des Papas zerbrechend und scheiternd), der Kremlherrscher (welcher Zarengleich über eine Schar von Magnaten und Günstlingen herrschte und wie ein Puppenspieler mit teilweise wagen und daher lebensgefährlichen Andeutungen lenkte), der Kriegsherr (ohnmächtig ob der Unorganisiertheit seiner Armee aber doch ein Kontrolltyp der selbst kleinste Dinge selbst entschied) und auch der Mörder (der sich selbst die Hände nie schmutzig machte, aber Millionen in die absolute Vernichtung schickte und dem die Partei alles galt und das Individum nichts). Eigentlich ein kolossaler Stoff und eine Fülle von Material (und das Stand zur Verfügung) um ein Buch zu schreiben, welches wie Ian Kershaws "Hitler" zum Standardwerk werden könnte. Doch der Autor SSM lässt sich vom Stoff erdrücken und was kann er daraus für den Leser machen? Zu wenig, meine ich. Das Buch lässt zunächst eine klare Struktur vermissen und zwar vor allem auf der Ebene des Erzählstrangs innerhalb der Kapitel. Eigentlich könnte man Passagen aus dem letzten Kapitel nehmen, sie herausschneiden und in das erste Kapitel einfügen; man würde es nicht merken. Die Erklärung liegt nahe: SSM hat sein Buch nach der Methode Zettelkasten geschrieben. Eine Ansammlung von Einzelanekdoten und Episoden aber es fehlt die ordnende und sortierende Hand. Es fehlt die Sicht "über" den Dingen, der eigentliche "Kommentar"; es fehlen Verweise jenseits von Stalin (Hitler, der Gulag kommen nur an einigen wenigen Stellen vor); es fehlen wichtige Erklärungen zu Personen wie Beria, dem NKWD-Chef und Schlächter am Hof des "roten Zaren" und vor allem fehlt eine wirklich gut gemachte Generalübersicht der Personen, ihrer Abhängigkeiten untereinander und eine BEschreibung ihrer Aufgaben (der Anhang dazu ist lächerlich kurz) sowie mehr helfende Bilder, Karten und Zeitreihen. Wenn man über geopolitische und politikphilisophische Themen schreibt, wenn man ein Land in seiner Zeit erklären will und wenn man die Absurdität eines Diktators und seines Umfelds verständlich machen will, dann genügt ein bloßer Zettelkasten einfach nicht. Das große Buch zu Stalin muß erst noch geschrieben werden.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erschütternd, bedrückend und beklemmend, 4. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Stalin: Am Hof des roten Zaren (Gebundene Ausgabe)
Geschichte aus der Sicht des "Red Sets" im Kreml und in seinen Datschen: Über das russische Volk in dieser Zeit erfährt man nichts ausser Hungertoten-, Inhaftierten-, Verschleppten-, Folteropfer-, Gehenkten- und Kriegstotenzahlen. Politik wird in dem Buch als ein religiöser Wahn gezeigt, dem sich die Götter des Olymps sogar dann noch bejahend unterwerfen, wenn ihre eigenen Kinder und Frauen geopfert werden. Sachliche Fehleinschätzungen und Fehlprognosen mutierten in diesem System zu strafbarem Versagen und persönlicher Schuld. Steter Devotismus und ein ständiger Kotau boten die einzige Überlebenschance. Es ist ein schauderhafter Bericht, aber das Buch macht aufmerksam und der Leser sagt sich: "Nie wieder!". Gesamturteil:Sehr lesenswert.
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